Trübe Aussichten

Wie sind die Tage doch so trübe,
vernebelt und vernieselt meist,
dass man am liebsten sich vergrübe
wo’s Wärme wie im Bett verheißt!

Das Weihnachtsfest schon vor der Türe
und keine Besserung in Sicht.
Vom Himmel hängen tausend Schnüre,
die er aus falschen Perlen flicht.

Ist es schon immer so gewesen?
Dezembertage mild und nass?
In alten Chroniken wir lesen
vom zugefrornen Regenfass!

Und wie in sagenhaften Massen
der Schnee sich übers Land ergoss,
um wochenlang da Fuß zu fassen,
bis mählich er in nichts zerfloss.

Erwärmung nicht mehr zu vermeiden?
Kein Frost wie Anno dazumal?
Das würde ich nicht grad beeiden –
das heißt zumindest nicht pauschal!

In Lettland, hat man mir berichtet,
entbehrt man nicht die weiße Pracht,
kniehoch sei sie da jetzt geschichtet,
ein Fundus für die Schneeballschlacht.

Da möchte man die Stiefel schnüren,
das Fell über die Ohrn sich ziehn
und gegen kleine Fluggebühren
den Regenwald der Buchen fliehn.

Ja, möchte, möchte – Pustekuchen,
am Boden liegt die Reiselust.
Man muss sein Glück zu Hause suchen
trotz Fisseln und Corona-Frust.

Doch dem hat’s Stündchen bald geschlagen!
Demnächst geht‘s mit dem Impfen los.
Die Maske wird in Zukunft tragen
zum Überfall man wieder bloß.

Zuerst soll 80+ empfangen
die Spritze, die den Keim besiegt
und, wenn die Dosen dann noch langen,
auch der, der knapp darunter liegt.

Und immer weiter, gruppenweise,
wie es dem Risiko entspricht,
bis dann am Ende weite Kreise
die Nadel rühmen, die sie sticht.

Doch wird es noch ein Weilchen dauern,
bis der Effekt sich eingestellt,
vielleicht dass dann in unsren Mauern
der Winter wieder Einzug hält.

Wie aber werden wir ihn segnen,
wenn er dem Fernweh Flügel leiht!
Doch wird’s in Riga auch nicht regnen,
da es in Hamburg wieder schneit?

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