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Ende gut

Ende gutMir klappen schon die Lider runter;
noch eben kreuzfidel und munter,
bin schwer und träge ich wie Blei.

Der Stift, er will der Hand entfallen,
im Hirn mir die Gedanken lallen
wie Zungen, losgelöst und frei.

Da heißt es Konsequenzen ziehen,
in eine dunkle Kammer fliehen
und betten das verwirrte Haupt.

Dem tiefsten Schlaf sich übergeben,
um morgen wieder aufzuleben
geschüttelt gleichsam und entstaubt.

Was aber mit den Versen machen?
Ich liebe keine halben Sachen –
Geschirr, das in der Spüle steht.

Ein letzter Lichtblick, letztes Leuchten,
das Blatt beschließend zu befeuchten!
Und Zähneputzen, wenn’s noch geht.

Falsche Freunde

Falsche FreundeLasst mich nur kurz mich mal besinnen:
Das war…das war…ich komm gleich drauf…
vor zwanzig Jahrn, als tief da drinnen
sie losgelegt mit ihrem Lauf.

Ich ahnte nichts von seiner Dauer,
sie riss mich mit, die Poesie,
erfüllte mich mit heil’gem Schauer
beim Marathon der Fantasie.

Dabei hab ich mich hochgesungen
bisweiln bis zu den Musen vor,
doch Münze hat mir nie geklungen,
sie liehn mir gnädig nur ihr Ohr.

Auf andre Gönner galt’s zu hoffen,
die nie indes sich eingestellt:
den Musen gleich für Künste offen,
doch zugeknöpft in puncto Geld.

Geschrieben hab ich und geschrieben,
ich weiß nicht wie viel Bogen voll –
der Lorbeer ist zwar ausgeblieben,
die Flut der Blätter aber schwoll.

Mäzene will ich nicht mehr suchen,
wo kleinlich man und geizig ist,
nur unter Birken noch und Buchen,
wo sich Erfolg in Klaftern misst.

Werft euch statt jener in die Schanze,
ihr Produzenten von Papier;
brecht für den Dichter eine Lanze –
ihr Holz verheiz ich auch gleich hier!

Stillleben zur Nacht

Stillleben zur NachtEin Abend auserlesner Stille.
Das ganze Blechzeug macht sich rar.
Kein Reifen krümmt der Fahrbahnrille
ein einziges asphaltnes Haar.

Auch andre menschgemachte Laute
wie auf dem Bürgersteig ein Streit
erstarben mit des Windes Flaute
zum Denkmal der Vergangenheit.

Und in den Dämmer der Fassaden
bohrt sich schon hier und da ein Licht,
klein und verstreut wie die Sporaden
und Sommersprossen im Gesicht.

Des Himmels weite Käseglocke,
an der kein Flugzeug summt und fliegt,
ist grau wie eine Schläfenlocke,
die an Methusalem sich schmiegt.

Auch Pünktchen sind nicht auszumachen,
die man als Sterne definiert,
nur dieser aufgesperrte Rachen,
der düster sich im Raum verliert.

Es herrscht ein so gespanntes Schweigen,
als käme gleich der große Knall,
ein Hexensabbat, Höllenreigen,
Gespensterdebütantenball!

Da schon ein Knacken und ein Knarren,
das rasch wohl zum Inferno schwillt!
Ach was, des Nachbarn Füßescharren.
Noch leben wir: Die Wette gilt.

Zeitliches

ZeitlichesNun ja, die Uhr kennt keine Gnade,
sie hinkt dahin mit steifem Bein
auf ihrem ausgelatschten Pfade,
um ständig mir voraus zu sein.

Ich brauche vierundzwanzig Stunden
wie sie für einen ganzen Tag
und kann sie niemals überrunden,
so sehr ich mich auch tummeln mag.

Wir sind mit unsichtbaren Ketten
verschmiedet zu ‘nem Zwillingspaar;
da kann ich kriechen oder jetten,
die Zeit verrückt nicht um ein Haar.

Kann einfach sie nicht überlisten,
von ihrem Zwang mich zu befrein;
und Einsteins flotte Raumzeit-Pisten
sind ja noch Physikerlatein.

Da tickt sie „Wehe, wehe, wehe!“,
und wie ein Smiley meist doch lacht.
Nur wenn ich in den Spiegel sehe:
O Gott, was sie für Fratzen macht!

Der Schalter, um zurückzuspulen
das Leben auf dem Pfeil der Zeit,
wird erst entwickelt noch von coolen
PC-Doktoren globusweit.

Ich werd mich ihr noch beugen müssen;
fürs Einfriern hab ich eh kein Geld.
Drum weiter also mit Genüssen –
und hoffen, dass die Pumpe hält.

Hochgefühle

HochgefühleMuss täglich man Triumphe feiern,
Champagner köpfen reihenweis,
um aus den Rippen sich zu reihern
der ungehemmten Freude Preis?

Muss man in malerischen Schluchten
frühmorgens, wenn die Hähne krähn,
die Linse vor die Klüsen wuchten,
die Sonne beim Lever zu sehn?

Muss eine Kiste man besitzen
von allerhöchster Pferdekraft,
um rascher damit rumzuflitzen
als Kalli aus der Nachbarschaft?

Und was ist mit dem Luxusliner,
der Frühlingskreuzfahrt im April?
Geht’s denn nicht auch ‘ne Nummer kleiner,
wenn man nur mal nach Dubai will?

Ein Logenplatz im Opernhause
mit Welttenörn auf Du und Du –
da kommt wohl zu dem Ohrenschmause
auch noch die Eitelkeit hinzu?

Den meisten zeigt das Glück zu leben
sich nur als trügerischer Glanz,
als Gauklerarme, die sie heben
Minuten aus dem Totentanz.

Warum nach blauen Wundern jagen –
die größten geben eh’r sich schlicht.
Hört ihr die Nachtigall nicht schlagen?
Die Schöpfung selber, die da spricht!

Allerlei Feuchtigkeiten

Allerlei Feuchtigkeiten2Heut hock ich in den Abendstunden
wie jene fläm’schen Herrn geziert,
die, roten Stoff ums Haupt gebunden,
von alten Meistern porträtiert.

Nur dass ich um den Hals geschlungen,
was jenen auf dem Scheitel saß –
ein Handtuch voller Musterungen
von fast dem gleichen Schnitt und Maß.

Das anders doch als bei den Alten
nicht nur als Farbkontrast gedacht –
den Schweiß sollt es vom Leib mir halten,
die Salzflut, auf der Haut entfacht.

Was ist das für ‘ne Affenhitze,
da köchelt ja im Pfuhl der Lurch!
Ich hocke nur und schwitze, schwitze
mir reihenweise Hemden durch.

Selbst dieser dicke Tropfenfänger,
den um den Nacken ich drapiert,
wird immer feuchter nur, je länger
er meine Poren kontaktiert.

Käm jetzt ein Meister, mich zu malen,
und wär sein Pinsel noch so schnell,
ich säß bei diesen Teufelsqualen
kein Viertelstündchen ihm Modell!

Hätt dieser Spuk doch nur ein Ende!
Da grummelt es von ferne her;
es wetterleuchtet Wetterwende:
Kommt, Wolken, kalt und regenschwer!

Muße möglich

Muße möglichAuch heute wieder großes Flitzen,
nach rechts, nach links, mit Höllenlärm.
Die Menschheit kann nicht stille sitzen,
vermutlich Treibstoff im Gedärm.

Der wirkt zum Glück nur ein paar Stunden;
und ist die Pulle wieder leer,
läuft träg man, gleichsam angebunden,
in seiner Hütte hin und her.

Na gut, ich will hier gar nicht lästern,
bin ja als Rentner außen vor;
doch früher (leider nicht mehr gestern)
da fuhr auch ich mit dem Motor.

Jetzt seh gelassen ich das Treiben,
in dem als Kork ich nicht mehr tanz;
kann stets bei meinem Rhythmus bleiben
und fühl von Kopf bis Fuß mich – ganz.

Wer soll Befehle mir erteilen,
bekritteln, was ich dicht und denk?
Kann täglich zum Parnassus eilen
mit einem Lied als Gastgeschenk.

Und wo sind sie, mich einzuengen,
die Netze knapp bemessner Zeit?
Von ihrer Maschen luft’gen Fängen
bin wie ein Goldfisch ich befreit.

Wie kommt’s, dass viele Pensionäre
so auf Geschäftigkeit bedacht?
Sie leiden unter ihrer Leere –
da hilft’s, wenn richtig Wind man macht.

An der Alster

An der AlsterKein ideales Segelwetter,
zu stürmisch bläst dafür der Wind.
Zwar brauchen keine Lebensretter,
doch Nerven, die da draußen sind.

Anstatt am Liegeplatz zu bleiben
und trocknen Boden zu begehn,
wolln in den starken Böen sie treiben,
die jeden Fetzen Tuches blähn.

Den Spinnaker weit aufgeblasen,
jagt wer da durch die Wellenflur,
als ob ihm schon das letzte Glasen
Poseidons in die Knochen fuhr.

Ein anderer, der wie besessen
sich schnittig in die Kurve hängt,
lässt sich vom Wind so niederpressen,
dass bis zum Dollbord fast er krängt.

Um Raumgewinn scheint’s nicht zu gehen,
‘s ist eher was wie’n Bootsballett,
‘nen heißen Tanz zu überstehen
auf wacklig-wogendem Parkett.

Gleich tausend andern wir genießen
am Landungssteg die Skipperschau.
Bedächtig die Gespräche fließen,
die Hände frei von Schot und Tau.

Der schönste Kahn in diesem Haufen
liegt unbewegt am Ufer fest –
halb schon mit Wasser vollgelaufen,
und auf der Plicht ein Entennest.

Lieber kein Stückwerk

Lieber kein StückwerkStell dir mal vor, du bist beim Bauen
und mitten in der Arbeit drin:
Wirst streng du auf die Uhr da schauen
und schmeißt Klock fünf die Brocken hin?

Nein, wenn du dich mit einer Ecke
so grade richtig mal befasst,
dann rührst du dich doch nicht vom Flecke,
bis du sie fix und fertig hast.

Genauso werkel am Gemäuer
ich jede Nacht der Poesie
und fahr kein Verslein in die Scheuer,
dem ich nicht letzten Schliff verlieh.

Das kann dann auch mal länger dauern –
noch länger als die Handwerkskunst,
da ich im Unterschied zum Mauern
dazu noch brauch der Musen Gunst.

Sie müssen mir Ideen schicken,
sonst hock ich hier vorm leeren Blatt,
anstatt mit Zeilen es zu spicken,
die keiner noch erfunden hat.

Ach, grade heute, meine Lieben,
winkt mir ein spätes Nachtgebet –
muss das Finale noch verschieben,
dieweil ich auf der Stelle tret!

In diesem Augenblick, o Segen,
morst mich die Muse doch noch an:
Ich – soll – mich – endlich – schlafen – legen –
damit – sie – Fofftein – machen – kann.

Schöne Symbiose

Schöne SymbioseHat das Quartier sich denn verschworen,
dass es mich heut in Frieden lässt?
Vergeblich spitze ich die Ohren:
Kein einz’ger Pieps in diesem Nest.

Ja, ja, am Tage dies Gejammer
von wegen Lärm und dies und das,
und abends in der stillen Kammer,
da fehlt dir plötzlich irgendwas!

Man ist auch wirklich nie zufrieden.
Mal will man, dass die Hütte brennt,
mal eine Klause, abgeschieden,
die nicht einmal der Förster kennt.

Mal spielt die Seele offen Karten,
mal zieht sie die gezinkten vor;
mal scheint sie teuflisch zu entarten,
mal jauchzt sie wie im Engelschor.

Den Zwiespalt trug das Menschenwesen
ja auch hinaus in seine Welt.
Man muss nur täglich Zeitung lesen,
da sieht man, wie sie steht und fällt.

Was mich betrifft, so konnt ich lösen
zumindest diesen Widerstreit –
soll nachts ich vor ‘ner Buddel dösen,
soll ich was dichten zu der Zeit?

Ich koppel diese beiden Fragen
zu einem schönen Zweierbund:
Die Fantasie soll Früchte tragen,
die Rebe macht sie reif und rund.