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Dunkle Rauchzeichen

Dunkle RauchzeichenEs ist den Leuten nicht entgangen,
die weise unser Land regiern,
dass viele Menschen sich verfangen
in Dünsten, die sich schwer verliern.

Und dass die blässlich blauen Schwaden,
die rhythmisch deren Mund entfliehn,
den inneren Organen schaden
mit Giften wie dem Nikotin.

Beflissen sie auch hier verpfänden
ihr Wort für Wohl und Sicherheit –
zumal ja, Schaden abzuwenden
vom Volk, verpflichtet durch den Eid!

Wie ernst sie diese Sache nehmen,
rein menschlich schon und qua Mandat,
erkennt man – wie bei andern Themen –
ganz beispielhaft durch ihre Tat.

Mit Eifer fing man an zu streiten
gegen dies tödliche Toxin!
Ihr Kampf füllt tausende von Seiten
in Brüssel, Straßburg und Berlin.

Dass es kein Ruhen gab und Rasten,
ist ebenso protokolliert,
wie dass bis aufs Diätenfasten
man jede Lösung diskutiert.

Die Menschen sterben wie die Fliegen,
weil man die Lulle ihnen lässt.
Doch wie ein Gegenmittel kriegen,
das auch politisch wasserfest?

Man sollt es nicht für möglich halten –
der Durchbruch kam dann über Nacht.
Das schaffen nur die Staatsgewalten,
so raffiniert war das gemacht!

Man schob die lästigen Probleme
zurück dem Bürger in den Hals:
Dass er nur schön in Acht sich nehme,
weil Exitus droh andernfalls!

Mit Inschrift und ‘nem Trauerrande
verziert man nun die Schachtelgruft.
Am Grabe greint die Heuchlerbande
und freut sich der verschafften Luft.

Mehr Schildwachen

Mehr Schildwachen„Mit saubren Füßen nur betreten!“
und „Vorsicht. Stete Keimgefahr!“ –
die Schilder hätt ich mir erbeten,
wann immer ich am Strande war.

Im Gegensatz zum Badebecken,
in das man abgeduscht nur steigt,
darf man die Käsequanten stecken
in jede Bucht, die höflich schweigt.

Wahrscheinlich weil noch schlimmre Übel
dem mordsgeduld’gen Meer passiern:
der Frachter stinknormale Kübel,
das Altöl, das sie gern verliern.

Kein Freibrief für die Bädegäste.
Missachtet nicht die weite See!
Nicht einmal durch die schäb’gen Reste
von Schweißgeruch am großen Zeh.

Und dass man sich nicht täuschen lasse
von ihrem schmuddeligen Grau:
Sie wiegt nicht Boot nur und Barkasse,
nein, auch die schöne Meerjungfrau.

Hier kleinlich an die Umwelt denken –
ist das nicht spießerhaft gedacht,
ein Kosmos nicht, uns neu zu schenken,
was immer wir kaputt gemacht?

Ja, könnten wir den Kosmos nutzen
beliebig als Ersatzquartier,
dann würden wir die Platte putzen
und ließen allen Unrat hier.

Wär gar nicht nötig aufzuräumen,
als Putzfrau hätt man die Natur,
die kommt mit Kräutern und mit Bäumen
und wuchert weg die Menschenspur.

Auf Erden. Doch die gleiche Chose
passiert dann eben anderswo,
denn immer geht was in die Hose,
wo Homo haust vergnügungsfroh.

Dies mag euch meine Sicht erhellen
auf diesen lehmgebornen Kloß –
es gilt ihm Schilder aufzustellen,
sonst treibt er’s weiter, uferlos.

Na, denn prost

Na, denn prostLasst heut mich mal ins Auge fassen
‘nen Bürger von Gewicht und Rang,
Idol der großen Menschenmassen,
die durstig alle Naselang.

Das Ansehn, das er sich errungen,
dem geistigen Getränk gebührt,
das auf Millionen Süffelzungen
zu flücht’gen Glücksmomenten führt.

Wie’n Köhler hat er’s mit dem Brennen,
nur dass er nicht auf Festes sinnt,
sondern beim feinen Stoffetrennen
ihm Fusel aus dem Kolben rinnt.

Ist klar, dass er mit beiden Beinen
im vollen Wirtschaftsleben steht
und ständig in den heil’gen Hainen
des Hochprozent’gen sich ergeht.

Erfolg, der stets in Geld gemessen,
klebt ihm am Leib wie ein Geschwür.
Sein Schlafanzug hat goldne Tressen,
‘nen Pförtner die Tapetentür.

Und wessen Konto so begütert,
dass es fast jeden Rahmen sprengt,
wird auch von Vater Staat betütert,
der’n Kreuz ihm an die Weste hängt.

Ein schönes Sinnbild für die Toten,
die schon geschaffen die Tinktur,
dern Ausstoß er (mit saubren Pfoten)
in schwindelige Höhen fuhr.

Doch bloß nicht Propaganda treiben!
Ideologie dahintersteckt!
Man sollte bei der Wahrheit bleiben –
politisch und sozial korrekt!

Ihm wolln ja was am Zeuge flicken
die Nörgler, die man immer trifft –
so Typen, die nicht richtig ticken,
wahrscheinlich weil sie stets bekifft.

Ein Schnäpschen, heißt’s zu Recht, in Ehren
(der Volksmund weiß, wovon er spricht)
kann keiner einem doch verwehren,
den ab und zu der Hafer sticht.

Mit Hasch ist das ‘ne andre Sache,
das ist ‘ne Droge, Hanf und Mohn!
Die wirkt bestimmt das Hundertfache,
das hört man doch am Namen schon.

Der Staat will Risiken beschränken,
nur darum ging‘s ihm überhaupt.
Und jeder sollt ihm Glauben schenken,
der an den Weihnachtsmann noch glaubt.

Bescheidene Zugabe

Bescheidene ZugabeSchluss, aus, ihr Leut, das war’s mal wieder,
mehr geht für heute leider nicht.
Ich fühl schon schmerzlich meine Glieder,
was sehr für langes Sitzen spricht.

Wie? Ist da Einspruch wo zu hören?
Ich hätt noch gar nicht losgelegt?
Nein, bei den Musen könnt ich schwören,
dass ich die Leier schon bewegt!

Na ja, ist gestern wohl gewesen,
man kommt in Tüter mit der Zeit.
Lass gern mir die Leviten lesen
von euch, die ihr nach Versen schreit.

Doch bin ich aus dem Takt gekommen,
da ich schon fertig mich gewähnt,
und sehe momentan verschwommen
ein Loch nur, das im Brägen gähnt.

Ich werd es mit dem Wetter stopfen
nach guter alter Britenart,
die gern Begrüßungssprüche klopfen
mit der klimat’schen Gegenwart.

Gut. Dies Gespann von Regentagen
mit Wind und Kälte im Geleit
liegt nicht mehr lästig auf dem Magen,
zog zur Levante „hinten weit“.

Man kann sich eines Himmels freuen
in einem frisch azurnen Kleid
und mancher Schäfchen, die da käuen
im blauen Grün der Ewigkeit.

Der Strahler, der da oben geistert
und seine Leistung runterfuhr,
schon wieder eine Hitze meistert,
die ausreicht für ‘ne Bräunungskur.

Indessen hier ich’s lieber lösche,
eh ich das Thema überdehn,
wenngleich die Inselwetterfrösche
auch dabei gerne Schlange stehn.

So recht, ihr Lauscher, seid’s zufrieden,
gestillt ist euer Strophendurst?
Jetzt, wie euch anfangs schon beschieden,
ist außer Ruh mir alles wurst.

Mein Geist versinkt allmählich wieder
in dem bewussten schwarzen Loch.
Da kommen Licht nicht raus und Lieder.
Vielleicht schon morgen aber doch.

Ein Held unserer Zeit

Der macht was herGeschäftsmann nennt er sich verschwommen
mit selbstgefäll’gem Unterton.
Wer würde mehr Kredit bekommen
in dieser Welt der Illusion?

Wo Mammon spielt die erste Geige,
sitzt er Fortuna auf dem Schoß,
denn dies „Dich unersättlich zeige!“
beherrscht er wirklich virtuos.

Wer fragt da noch nach den Objekten,
mit denen er gesund sich stößt?
Nie irgendwelche Makel fleckten
die Weste, die nur halb entblößt.

Ob’s Klampfen sind oder Kanonen,
ihn ohnehin nicht int’ressiert,
wenn nur im Umfang von Millionen
ihm auch sein Reibach garantiert.

Der schlimmste aller Parasiten,
der diese Kugel je befiel,
ist der mit goldenen Renditen
und Klimperkram als Lebensziel.

Er stopft nur in die eigne Tasche
und fühlt sich nicht einmal als Dieb –
macht’s ja nach der legalen Masche,
dem „ökonomischen Prinzip“.

Das heißt so viel wie: Investiere
in jeden Deal nach Herzenslust,
denn Vater Staat steht fleißig Schmiere,
damit du dich nicht fürchten musst.

Verantwortung musst du nicht tragen
für irgendwas und irgendwen –
du kannst dich in die Büsche schlagen,
wenn die Profite baden gehen.

Weltweit. Denn über alle Schranken
setzt sich hinweg das Kapital,
dem wir die Toleranz verdanken,
wie Vespasian sie schon empfahl.

Dies also aller Erdenländer
derzeitig heil’ge Leitfigur:
Monopolist für Bratenwender,
Diätengott der Hungerkur.

Und unsre blöde Menschenmasse,
geblendet von dem Firlefanz,
sieht nur die pralle Ladenkasse
und widmet sich dem Kälbertanz.

Nur weiter, Avignon lässt grüßen!
Als einst man tollte dort und trank,
brach unter wilden Veitstanzfüßen
die Brücke, die im Fluss versank.

Krieg der Töne

Krieg der TöneMein Nachbar mit dem großen Hammer,
der gönnt sich keinen Ruhetag –
er ist zu meinem größten Jammer
ein Meister noch vom alten Schlag.

Er hieb so konsequent und krude
auf seine Mauerhälfte ein,
dass Angst ich kriegte, meine Bude
schlüg er mir auch noch kurz und klein.

Ein Rieseln war das in den Wänden,
das hämmernd er ins Leben rief,
dass es so greifbar wie mit Händen
den Rücken förmlich runterlief.

Beließ er’s bei dem Instrumente?
Dass man sich da nur ja nicht täusch:
Der Maestro setzte auch Akzente
mit einem flotten Bohrgeräusch.

Der Generalbass sozusagen,
der brummend die Akkorde trug,
die er mit gleichem Wohlbehagen
in höhrer Leiterlage schlug.

Worunter beispielsweise fallen
(ein Ausschnitt aus der Skala nur)
Gekratz, Geschab in Intervallen
und von Geraspel eine Spur.

Bin ich darum ein Kunstbanause,
weil diese Hausmusik mich nervt
und mein Gehör mir ohne Pause
das Messer in der Seele schärft?

Am Abend hat er’s aufgegeben,
des Hau’ns und Stechens endlich satt –
Zeit, um mein Werkzeug zu erheben,
geräuschlos streichend übers Blatt.

Nun ja, nicht gänzlich ohne Rache,
doch aus Prinzip und überhaupt,
hab ich als Ratzer ihm vom Fache
die Nachtruh sicherlich geraubt.

Frühling in Meilsen

Frühling in MeilsenNoch immer hatten die Kanonen
in diesem Krieg das letzte Wort,
das Grabgeläut schon für Millionen
und donnerten noch immer fort.

Es waren Jahre schon vergangen
so ohne Menschlichkeit und Maß,
in denen die Vernunft gefangen
im Bunker der Verblendung saß.

Das Schlachten war total geworden,
ein blind befohlner Amoklauf
von waffenstarrnden Kriegerhorden,
dass jeden Tag mit Blut man tauf.

Die Fronten aber klar umrissen:
Hier, mit dem Rücken schon zur Wand,
der fast die halbe Welt zerschmissen,
der Feind in seinem eignen Land.

Und da, demselben auf der Pelle
schon dicht der Feind von anderswo,
dass er ihn zur Entscheidung stelle,
bei der ihm die Vernichtung droh.

Es war April. Die Heide blühte
in neu erwachter Lebenslust,
als sich der Mensch „im Feld“ bemühte
um seine letzte Stunde just.

Wer sollte diesen Wahnsinn stoppen,
der gegen die Natur verstieß,
dern Daseinsdrang sich niemals foppen
durch Hass und Fanatismus ließ?

Da geht ein Mann auf gut Gedeihen
in einem mutigen Entschluss
auf eigne Faust in Feindesreihen,
dass Kranke schütz er vor Beschuss.

Begegnung zweier, die sich trauen.
Hier Offizier, da Zivilist.
Nicht noch mehr Opfer, noch mehr Grauen –
ein Wunsch, der beiden heilig ist.

Sie geben sich bewegt die Hände
zu diesem ersten Brückenschlag –
und schließlich auch zum guten Ende
die Chefs ihr Ja am Schicksalstag.

Ein Federstrich und endlich Frieden.
Kanonen nur noch Schall und Rauch.
Der Untergang, Teil 2, vermieden.
In Hamburg wird es Frühling auch.

Große Auswahl

Große AuswahlDer Laden unten um die Ecke,
der hält noch mehr als er verspricht.
Gefüllt mit Krempel bis zur Decke,
hat alles er – auf lange Sicht.

Laut Schild verkauft er Eisenwaren,
was auch zum größten Teil der Fall.
Doch schränkt sich sein Geschäftsgebaren
durchaus nicht ein auf dies Metall.

Da kann ich mir ‘nen Hammer holen
und Nägel, Schrauben aller Art,
‘nen Stecker, englisch, mit drei Polen
und Schlüssel mit und ohne Bart.

Das wäre dann noch auf der Schiene,
auf der er angekündigt fährt –
doch abseits auch der Gleisroutine
er querfeldein sich gut bewährt.

So mit ‘nem Salz- und Pfefferstreuer,
‘nem Zollstock und ‘nem Klebeband,
‘nem Wachstuch auch, dass man erneuer
das fettbefleckte Tischgewand.

Und, mir zu helfen aus der Patsche,
wenn mich das Biest mal wieder beißt,
zu guter Letzt die Fliegenklatsche,
die so der Mücke wegen heißt.

Da bin ich oft schon eingetreten,
hab mein Begehren klargemacht –
und unter all den Raritäten
die seltenste nach Haus gebracht.

Fischregatta

FischregattaWie von ‘nem Startblock losgelassen,
den heulenden Boliden gleich,
schossen auf ihrem Kurs, dem nassen,
die Dampfer über Neptuns Reich.

Und alle einem Ziel entgegen,
das irgendwo im Osten lag,
wie ein Verband des Krieges wegen
sich sputet, dass er Schlachten schlag.

Fürn Feind indes in diesem Falle
kann man Geschütze sich ersparn –
es fängt Sardine, Hecht und Qualle
sich schon mit bloßem Seemannsgarn.

Die Quote scheint sich ja zu lohnen,
da macht wohl jeder seinen Schnitt,
sind erst erreicht die Positionen
nach dem furiosen Wellenritt.

Rasch ausgebracht noch an der Stelle,
wo heute Floss‘ an Flosse steht,
das Netz, dem sicher die Sardelle
als erste in die Maschen geht.

Dann wie die Kühe auf der Weide
geduldig grasen in der Flut –
gemeinsam, dass nicht einer neide
dem anderen sein Beutegut.

So füllt man innerhalb von Stunden
den Bauch mit Meeresrohkost an,
bis man sich schließlich satt gefunden
und wieder heimwärts ziehen kann.

Wie sie zurück von See gekommen,
das weiß ich ja nun leider nicht.
Doch ahn ich immerhin verschwommen,
was für die letzte Strophe spricht.

Als Schwarm sind sie ja ausgelaufen
fürn fetten Fang als seltnes Glück.
Den wolln sie möglichst rasch verkaufen –
und schwärmen zur Auktion zurück!

Erfüllte Träume

Erfüllte TräumeSein „All die werlt, ich hân mîn lêhen“
jauchzt‘ Walther einst den Knappen zu;
Begeist’rung war ihm anzusehen,
er wippte mit dem Schnabelschuh.

Genauso will ich minnesingen
und mir die Freud vom Leibe schrein,
dass mir in Immobiliendingen
auch Gönner ihre Gunst verleihn.

Ja, sogar einer der ganz Großen
im Internetgeschäft weltweit
hat meine Bitte nicht verstoßen
nach mehr Komfort und Wohnlichkeit

Und schickte die ersehnte Ware
grad so, als ob er Kaiser wär,
als rasche, reichsunmittelbare
mit ‘nem Kurier als Dienstmann her.

Ich musste nur den Eid ihm leisten
auf Heeresfolge und so fort,
wie’s in den AGB der meisten
Feudalherrn gleich ja Wort für Wort.

Modern gesagt, er wollte Knete
für sein gediegenes Objekt,
die, eh der Hahn noch dreimal krähte,
ich schwurgemäß ihm zugesteckt.

Nicht ohne Pflichten war und Lasten
das Gut, das Walther einst verliehn.
Ich kaufte mir fürs Brot ‘nen Kasten.
Muss dafür nicht in Kriege ziehn.