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Im Profil

Im ProfilLiebt man nicht an den Wochentagen
so ein, na, sagen wir Profil,
sei’s Glücksgefühl, sei’s Unbehagen,
in jedem Fall ‘nen eignen Stil.

So, wenn wir an den Montag denken,
in Grau wohl die Kontur verschwimmt –
den würden wir uns gerne schenken,
das heißt ‘nem andern, der ihn nimmt.

Dem Dienstag gelten schon geringe,
doch hoffnungsvolle Sympathien,
wer sagt: „Wenn bloß der Montag ginge!“,
dem ist hier schon Gehör geliehn.

Und Mittwoch! Halb schon überwunden
der Woche dornenreiche Bahn!
Die Ersten fühlen schon die Stunden
des goldnen Wochenendes nahn.

Den Freitag alle wir ersehnen;
er schickt uns in die Ruhezeit,
die Muße, uns zurückzulehnen
im Sessel der Zufriedenheit.

Am Samstag ist die Erdenschwere
total aus unsern Knochen raus.
Wir klappern mit der Heckenschere
und kümmern uns um Weib und Haus.

Der Sonntag schließlich, selbst bei Regen,
strahlt festlich wie’s Kalenderrot,
doch schmälert dadurch seinen Segen,
dass mit dem Montag er uns droht.

Nun habe ich doch glatt vergessen,
was eigentlich am nächsten lag,
weil heut ihn grad die Stunden messen,
den Wochenvierten, Donnerstag!

Er ist der Blasseste von allen,
ich wüsst nicht, wie ich ihn beschreib.
Drum soll dies Liedchen ihm erschallen –
als Tag für jeden Zeitvertreib.

Montagsreden

MontagsredenEin Montag. Und in Sonntagsreden
gedenkt man der Vereinigung.
Geschichte, greifbar noch für jeden,
da erst gut zwanzig Jahre jung.

Politiker quer durch die Beete
verkünden unisono heut,
wie glücklich man zusammennähte
den schlimmen Riss durch Land und Leut.

Und dass man aus den Kerkermauern,
in denen es gefesselt lag,
das Volk der Arbeiter und Bauern
erlöst mit ‘nem Befreiungsschlag.

Und wie sich dann das Blatt gewendet,
warn erst die bösen Schergen fort,
Gewalt und Willkür jäh geendet
und alles Unrecht über Bord.

Und wie den Menschen man zum Segen
erneuert ihre Wirtschaftskraft,
indem des freien Marktes wegen
man ihr Gewurschtel abgeschafft.

Ja, wie die Brüder und die Schwestern,
wie salbungsvoll sie einst genannt,
entkamen ihrem trüben Gestern,
vereint in einem Vaterland.

Soweit der Sack der guten Gaben,
den unser „Bund“ dort ausgeleert,
dass an den Freuden teil sie haben,
die nur das Kapital gewährt.

Nur selbst sich auf die Schulter klopfen
und loben übern grünen Klee!
Man möchte sich die Ohrn verstopfen,
so sehr tut dies Gehudel weh.

Gewiss hat man von mancher Bürde
den deutschen Menschen (Ost) befreit,
doch achte man auch seine Würde,
dass man’s nicht pausenlos beschreit!

Ist nicht zuletzt ihm selbst zu danken,
dass er mit Murren und mit Mut
das Staatsgebäude bracht ins Wanken
und stürzte seine Herrscherbrut?

Und wäre es nicht auch gelogen,
wenn alles, was er aufgebaut,
man rundheraus in Bausch und Bogen
verächtlich in die Pfanne haut?

Ja, kritisch müsste man sich fragen:
Was er sich da erhandelt hat,
hat’s ihm nur Gutes eingetragen –
hat er’s womöglich gar schon satt?

Kein Stoff indes für Sonntagsreden.
Da predigt stets ein Populist.
Der streut Kamellen aus für jeden.
Auch wenn tatsächlich Montag ist.

Hausnachbarn

HausnachbarnIm dritten Stock, da steckt die Bude,
die ich seit Olims Zeit bewohn.
St. Georg und nicht Winterhude,
was das bedeutet, wisst ihr schon.

Ein Mietshaus. Und ‘ne Menge Leute,
die es wie mich hierher verschlug.
Ich weiß nicht, ob es wer bereute –
es fluktuiert indes genug.

Doch einige sind auch geblieben
am Standort zwischen Bahn und Strich,
dass, auch wenn’s nicht aufs Schild geschrieben,
ich sie doch kenne namentlich.

Ja, von dem einen oder andern,
da weiß ich sogar, was er treibt.
Was man beim Treppenhausdurchwandern
sich halt so untern Zinken reibt!

Mein Nachbar grade gegenüber
ist Archivar und diplomiert,
und, werden auch die Zeiten trüber,
nicht bang, dass er den Job verliert.

Und über mir in der Etage,
die’m Pantheon am nächsten liegt,
ein Mime, der auch seine Gage
schon mal für Fernsehrollen kriegt.

Daneben Typen, die studieren
was weiß ich welche Fakultät
und mit dem Fahrrad rumkutschieren,
das andernfalls vorm Keller steht.

Von mir wird sicherlich man wissen,
dass ich vom Staat mein Geld gekriegt,
mein Haupt jedoch im weichen Kissen
des Ruhestands inzwischen liegt.

Nichts davon, dass den Pferdefimmel
ich weiter beibehalten hab
und jetzt nicht mehr des Amtes Schimmel,
doch bring das Musenross auf Trab!

Warum es wem auch offenbaren,
mit dem ich hause Wand an Wand?
Gilt der Prophet seit tausend Jahren
doch nicht mal was im eignen Land!

Hausfrieden

HausfriedenWenn manchmal ich nach unten lausche,
streng ich mein Ohr vergebens an,
ja, selbst wenn ich den Platz vertausche,
es haften höchstens Flusen dran.

Auch stethoskopisch abzuklopfen
den ganzen Boden kreuz und quer,
es hieße nur die Muschel stopfen
mit Grabesstille immer mehr.

Kein Pieps dringt hoch aus diesen Zonen
zu mir, der ich darüberhock,
und müssen da doch Menschen wohnen:
die Leute aus dem zweiten Stock.

Die über mir den Raum behausen
mein Hörsinn eher schon ergreift,
wenn dumpf sie übern Teppich sausen,
ein Stuhlbein übern Estrich schleift.

Wenn polternd Gegenstände fallen,
ein Lachen plötzlich schrill erklingt,
wenn Worte hohl wie Echos hallen
und unterm Tritt die Decke schwingt.

Doch sind auch dies nur schwache Zeichen
von Leben, das verborgen bleibt,
als würden da Gespenster schleichen,
gesteifte Laken, die entleibt.

Und ist doch Zelle hier für Zelle
wie bei ‘ner Wabe angereiht,
der Menschen Schlaf- und Futterstelle
in inniger Gemeinsamkeit.

Indessen führen dicke Mauern
um jede dieser Klausen rum,
dass ewig einsam jene kauern,
Gebein im Kolumbarium.

Gelegentlich treff so ‘nen Knochen
im Treppenhaus ich abends spät,
doch kaum zwei Worte noch gesprochen,
herrscht wieder Anonymität.

Kann etwas Fremderes es geben
als diese Nachbarn hierzuland,
die Tag und Nacht zusammenleben
so Tür an Tür und Wand an Wand?

In steinerne Kokons sich spinnen,
unnahbar in der größten Näh,
auf engstem Raume Raum gewinnen –
des Städters Lebens-Abc.

Das mögen finstere Gestalten,
die vor dem Tageslicht sich scheun,
von mir aus für ‘nen Vorteil halten
und fehl’nder Neugier sich erfreun.

Ich aber möchte mehr erfahren
von dem, der meinen Bau hier teilt,
Distanz ein bisschen wen’ger wahren
mehr Lächeln ernten, das verweilt.

Ja, dieses ganze Leisetreten,
sei’s mit den Füßen, mit dem Mund,
es weiche einem offnen, steten
und fröhlichen Bewohnerbund!

Dazu will’s mir am besten scheinen,
ich gehe selbst aus mir heraus –
wenn ich denn treffe irgendeinen
in diesem seltsam stillen Haus.

Erfolgsbilanz

ZwischenbilanzDie Republik, in der wir leben,
sucht ihresgleichen auf der Welt.
Man muss nur immer fleißig streben,
dann ist man prompt auch gut gestellt.

An Arbeitsplätzen herrscht kein Mangel,
und wer Beschäftigung nicht scheut
hat schnell auch eine an der Angel,
die Kohle ihm aufs Konto streut.

So machen uns die Medien glauben,
so uns die Politik es lehrt.
Doch dass auch sauer manche Trauben,
man gerne untern Teppich kehrt.

Das mit den Jobs ist so ‘ne Sache
und spricht der Propaganda Hohn.
Da heißt es oft ja: Tu und mache,
doch bittschön für ‘nen Hungerlohn.

So manchen wird es darum geben,
der zwei- und dreifach jobben muss –
und nur fürs nackte Überleben,
geschweige denn fürn Überschuss.

Lasst uns vom Haupterfolge reden,
den unsre Herrscher stets zur Hand:
Mehr Wachstum. – Nun, nicht grad für jeden,
doch für die Reichen hier im Land.

Dern Börse wurde schön geliftet
durch Zugewinn an Gut und Geld,
wofür ins Abseits denn gedriftet
manch Bürger aus dem Mittelfeld.

Ein Mehr an Luxus und Behagen.
Und noch ein „Plus“ ist gut zu sehn:
Mehr Kinder, die mit leerem Magen
des Morgens in die Schule gehn.

Der Gier der Großen zu genügen
durch Plünderung des Mittelstands –
das scheint mir so in groben Zügen
der Herrschenden Erfolgsbilanz.

Verdacht nur, nebulös? – Mitnichten.
Die Zahlen zeigen klipp und klar:
Der Graben zwischen diesen Schichten
vergrößert sich von Jahr zu Jahr.

Das Volk indes lässt sich verschaukeln
mit Wahlversprechen dann und wann,
die’s schaffen, ihm was vorzugaukeln
vom Paradies für jedermann.

Die Wahrheit: Timokratisch werden
regiert wir von ‘ner kleinen Crew.
Und hirtenfromme Wählerherden
tragen noch selbst ihr Kreuz dazu.

Kleines Bestiarium

Kleines BestiariumEin Käfer, der die Sonne liebt,
gerad ‘ne ruh’ge Kugel schiebt
und rücklings auf ‘nem Kresseblatt
am Bauch ein schönes Kribbeln hat.

Dem naht sich aus dem Gräserwald
ein Frosch, der eher nass und kalt
und auch nicht sehr darauf erpicht,
dass ihn besagte Sonne sticht.

Und der, das sei damit gesagt,
auch niemals lange danach fragt,
was denn da so ein Käfer treibt,
bevor er ihn sich einverleibt.

So kam es, wie es kommen muss,
der Sumsemann, der Luftikus,
gar dämlich aus der Wäsche guckt,
als ihn der Pitschepatsch verschluckt.

Wes Aug sich jetzt in Tränen löst,
sei mit dem nächsten Vers getröst’t:
Der edle Rächer sich schon naht,
der diesem Schuft vergilt die Tat.

Ein ausgewachsner Storchenmann
stakt just auf dem Gestelz heran,
als der vertilgte das Insekt
genüsslich sich die Lippen leckt.

Und da er selbst auf Beute aus,
verschmäht er nicht den jähen Schmaus
und schnappt sich flink und gar nicht faul
den Braten mit dem Klappermaul.

Was Wunder, dass das Krötentier,
das eben noch auf Wolke vier,
den letzten Seufzer ausgequakt
und so sein Leben abgehakt.

Indes der Meister Adebar
ganz glücklich mit dem Dasein war,
das er dem Quaker doch bestritt,
und selbstzufrieden weiterschritt.

O dieser Sünder, den nichts reut,
auch er hat sich zu früh gefreut!
Denn wie er so am Boden geht,
des sichren Fluges er enträt!

Und einer, dem der Magen knurrt,
des Vorteils auch gleich inne wurd
und lautlos durch die Schneise schnürt,
die ihn direkt zur Mahlzeit führt.

Der Fuchs – der in die Luft sich schwang
und jenem an die Gurgel drang,
in die er blutig sich verbiss,
bis dem der Lebensfaden riss.

An diesem kleinen Beispiel schon
zeigt sich des Friedens Illusion:
Die Wiese, schönes Blütenreich,
kommt eher einem Schlachtfeld gleich.

Es müht sich dort im Lebenskampf
ein jeder, dass er’n andern mampf,
wobei stets der, der größer ist,
mit Haut und Haar den Klein’ren frisst.

Was allerdings man doch erspart
dem Schwächeren der eignen Art.
Zwar gibt es auch mit dem Verdruss,
doch selten bis zum Exitus.

Der Mensch indes als Karnivor
nimmt sich auch seinesgleichen vor,
das heißt er zieht ihn sich nicht rein,
doch schlägt ihm gern den Schädel ein.

Das macht den Unterschied zum Tier!
Und dünkt sich doch der Erde Zier
und nennt sich Gottes Ebenbild –
ein Wesen, das aufs Töten wild!

Da lief in der Natur was schief,
dass den sie grad zum Herrn berief!
Wir hätten’s Paradies hier glatt,
wär es die Kuh an seiner Statt!

Kleines Lebenszeichen

Kleines LebenszeichenWie mag es, Leserin, dir gehen?
Hab lange nichts von dir gehört.
Nun ja, ich muss dir auch gestehen,
dein Los hat wenig mich gestört.

Um es mal offen auszusprechen:
Ich ging ganz in Gedichten auf.
Dass dabei Bindungen zerbrechen,
das nahm ich unbewusst in Kauf.

Doch neuerdings trag ich Bedenken.
Ist das der Weisheit letzter Schluss,
bedingungslos sich zu versenken
in so ein selbstgewähltes Muss?

Ist Egoismus nicht die Quelle,
die solcherart Hingabe nährt,
dass wie ein Köter um die Pelle
man zwanghaft mit der Schnauze fährt?

Kenn ich nicht auch genügend Leute,
die reiten auf ‘ner Grille rum,
dass selbst ‘ner Kuh, die wiederkäute,
die ew’ge Leier wär zu dumm?

„Die Ohren auf, ihr Einfaltspinsel,
der Meister gibt sein Wissen preis,
mit dem verglichen nur Gewinsel,
was sonst wer zu verkünden weiß“!

Und diese selbstgerechten Schlauen,
die lauthals ihre Botschaft krähn,
verstehn nicht, dass sie Böcke bauen
und allen auf den Zeiger gehn.

(An einen kann ich mich entsinnen,
dem es gelang, auf Höchstniveau
‘nen Endlosfaden abzuspinnen
über den ganzen „Teilchenzoo“.

Ein andrer pflegte gern zu stärken
für Zahlen die Gedächtniskraft
und zeigte ständig, wie man’s Merken
mit Tricks der Mnemotechnik schafft.

Sich seiner Sache zu erfreuen,
ist sicher aller Ehren wert.
Doch Hinz und Kunz sie einzubläuen,
das heißt, man setzt aufs falsche Pferd.

Das schönste Thema lässt uns gähnen,
wenn einer nicht die Kurve kriegt
und wir uns auch missachtet wähnen
in dem, was uns am Herzen liegt.

Kurzum, mir soll das nicht passieren.
Der Dialog geht allem vor.
Auf keinen Fall will ich verlieren,
o Les’rin, dein geneigtes Ohr!

Bist du wohlauf und musst nichts missen?
O dass das Schicksal dich verwöhn!
Ja, alles will ich von dir wissen.
Und sag mal, liest du mich auch schön?

Globalreform

GlobalreformDies offen mal zu sagen,
liegt längst mir auf dem Magen:
Die Welt macht keinen froh.
Man muss sie neu ersinnen,
sie könnte nur gewinnen.
Vielleicht, was meint ihr, so?

Die Vögel üben Rückwärtsfliegen,
wie Quader sehn die Wolken aus,
Pomade glänzt im Bart der Ziegen,
in Honig schwelgt die Kirchenmaus.

Die Türme stehen auf der Spitze,
die Wege führn nach nirgendwo,
Sibirien leidet unter Hitze,
mit Grundeis geht dafür der Po.

Tyrannen reuen ihre Sünden,
der Finsterling, er lacht sich schlapp,
urbi et orbi lässt verkünden
der Papst, er fiel vom Glauben ab.

Die Atheisten und die Frommen
begründen einen Dachverein,
die Polizei, zu Grips gekommen,
drischt auf Atomapostel ein.

Die gern am Gartenzaun sich schmähen:
„Wenn Sie nicht endlich schleunigst, dann …“,
sie gehen freudig Rasen mähen
beim lieben Krause nebenan.

Die Autos tragen alle Fender
und kratzen sich nicht mehr am Lack.
Dem allerletzten Kinderschänder
entzog man seinen Priesterfrack.

Es fallen bunte Regentropfen,
nach Milch und Moschus riecht der Wind.
Verfassungsschützer höflich klopfen.
Tomaten aromatisch sind.

Man kann gefahrlos alles essen
vom Hackfleisch bis zum Babybrei,
Erzeuger, sonst profitbesessen,
verkosten jedes Hühnerei.

Sogar den Bänkern kann man trauen,
sie raten ohne Hintersinn,
und Löwen, die gern B(l)öcke bauen,
verspenden ihren Reingewinn.

Und dann die Fußballplatz-Rabauken,
die immer auf Randale aus:
Sie gehen jetzt Benehmen pauken
und lassen keine Sau mehr raus.

Ihr Lieblingslied die Tauben zwitschern,
und kehlig gurrt die Nachtigall.
Die Nonnen ihre Flügel witschern
und segeln sacht zum Tuntenball.

Die UNO powert volle Kanne,
schützt nicht allein Borobodur,
auch Castrop streiten nun und Wanne
um Einzug in die Weltkultur.

Und die Geschütze produzieren,
an Tod verdienen und an Leid,
den Status quo damit verlieren
der bürgerlichen Ehrbarkeit.

Den Promis, die Millionen kriegen
für leichte Unterhaltungskost,
die goldnen Quellen nun versiegen:
Bezahlung wie bei Bahn und Post!

Pantoffeln sind und Zipfelmütze
des Feldherrn neue Uniform.
Der Jetset schwört auf Hafergrütze
in seiner Traumstadt Benidorm.

Die Menschen tragen Engelsmienen
und haben Frieden sich geschworn.
Vom Stachel trennten sich die Bienen.
Wer jetzt noch siegt, hat schon verlorn.

O Eiche, Erle, Pappel,
die Erde kriegt ‘nen Rappel,
stellt alles auf den Kopf.
Von edlem Geist befeuert
wird alles runderneuert –
drauf wett ich einen Knopf.

Sofasport

SofasportAm Freitagabend. Grabesstille.
Im Ersten läuft ein Fußballspiel.
Die Kicker kämpfen um die Pille –
verbissen, denn es geht um viel.

Herr Meier hat es vor der Kiste
sich richtig schön bequem gemacht.
Zwei Stunden lang versinkt der triste,
der Alltag in der Wadenschlacht.

Nach draußen dringen keine Laute.
Nur manchmal dumpf, gedehnt ein „Tor!“,
wenn in das Netz den Ball wer haute,
vom Sesselgucker-Jubelchor.

In ungezählten Fensterrahmen
beherrscht der Fernsehschirm das Bild,
die Bühne meist für Krimi-Dramen,
für Spannung heut, die Toren gilt.

Wer jetzt mit Schwatzen oder Schmusen
sich auf den Straßen noch bewegt,
hat sicherlich ein Herz im Busen,
das für ‘ne andre Sportart schlägt.

Aufs Gucken kann auch ich verzichten,
wünsch „unsern“ ich auch keine Schmach.
Denn grade jetzt, da muss ich dichten:
Die Stille schreit direkt danach.

 

Vaters Himmelfahrt

Vaters HimmelfahrtSchon in der Frühe spürt‘ ich heute,
dass in der Luft da etwas lag,
so freudig blickten alle Leute –
ach, morgen ist ja Vatertag!

Kein Wunder also dies Frohlocken:
Dann schont man seine Arbeitskraft,
und mancher reist in Ringelsocken
und feiert seine Vaterschaft.

Bleibt denn des Tags sakrale Würde
auf diese Weise auch gewahrt?
Natürlich, Männer, keine Hürde –
auch Christ ging ja auf Himmelfahrt!

Als Sohn indes. Dass er dem Gotte,
der ihn hienieden ferngezeugt,
dem Kreuzestod und Grab zum Spotte
lebendig seine Knie beugt.

Den Vater, will die Bibel wissen,
freut der Besuch des Filius,
setzt rechts von sich aufs Throneskissen
ihn in aeternitatibus.

Und lässt ihn fortan mitregieren
als Partner sein gewalt’ges Reich
von Sternen und Pantoffeltieren,
von Galaxien und Krötenlaich.

Und mit dem Heil’gen Geiste walten
als Dreigestirn am Himmel sie,
um alles fix in Gang zu halten
nach dem Gesetz vom Sinai.

Die Eintracht scheint mir sehr zu loben
und nachgeahmt zu werden wert,
wie ja auch sonst der Himmel droben
uns manche schöne Tugend lehrt.

Wie wär’s denn, wenn am Vatertage
mit ihren Lütten im Verein
die Väter ohne Saufgelage
sich fröhlich ihrer Rolle weihn?

Dann bräuchten sie nicht rumzutönen,
was sie für tolle Hechte sind,
führn an der Hand ja ihre Schönen –
und kümmern sich mal um ihr Kind!