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Alles eitel

Alles eitelSo Stund um Stunde vor der Kiste
und hocken sich die Backen wund!
Gehn auf der ganzen Senderliste
auf Pirsch nach Flimmerkitsch. Na und?

Der Erde, die mit stetem Schwunge
gebückt um ihre Achse schnellt,
verdirbt es nicht die Pferdelunge,
dass jäh sie japsend innehält.

Den Abend, der das Sonnenerbe
des Tages in die Schatten fährt,
nicht hindert’s, dass er sich entfärbe,
bis ihn die Finsternis verzehrt.

Und von den Sterne ganz zu schweigen,
die fern im wahrsten Sinn wir sehn,
es hemmt nicht diesen Feuerreigen,
mit dem sie ihre Runden drehn.

Was Schmidts und Meiers abends treiben,
bekümmert nicht der Welten Lauf.
Der will Naturgeschichte schreiben,
hält mit Mikroben sich nicht auf.

Doch der Poet, der höhren Gütern
die Stunden seiner Muße weiht,
kann er den Kosmos nicht betütern,
dass ihm er mehr Respekt verleiht?

Ach, nicht einmal vor Geistesgaben
geht dieser Himmel in die Knie,
so gleich sind ihm wie Küchenschaben
die Größen unsrer Poesie.

Soll Meier gerne weitergucken
und weiterkritzeln der Poet:
Die bittre Pille heißt es schlucken,
dass keiner überm andern steht!

Im Angesicht der Ewigkeiten
sind beide wie die Spreu im Wind:
die, die des Nachts Chimären reiten,
und die, die auf dem Filmtrip sind.

Dass Lust es fördre und Behagen,
das sei allein des Menschen Maß,
drum seht mich hier die Lyra schlagen
mir selbst – und euch vielleicht – zum Spaß.

Wie’n Blümchen, das im Moor verloren
sich innig seiner Schönheit freut,
so sei auch mein Gedicht geboren,
verborgen, aber unbereut!

Wochenendspaß

WochenendvergnügenO wie die Herzen höher schlagen,
wird dieser Name nur erwähnt!
Das Wochenende: Wohlbehagen,
nach dem man sich fünf Tage sehnt.

Dies lässt sich auf verschiedne Weise,
je nach Geschmack und Lust, erzieln.
Kommt mit mir auf ‘ne kleine Reise,
wir wolln ein wenig Mäuschen spieln!

„Kannst du mich nicht noch liegen lassen?
Nur ein Minütchen oder zwei?
Was, ist schon zehn? Gott, kaum zu fassen,
der Tag ist ja schon halb vorbei!“

„Der höchsten Kochkunst angemessen.
Ganz lecker, Liebling, jedenfalls.
Man muss nicht immer auswärts essen.
Am Rotkohl fehlt ein bisschen Salz.“

„Was heißt hier Küche? Cuisine!
Kein Krümchen, das den Gaumen kränkt.
Die Antipasti, Scaloppine …
Nun ja, man kriegt auch nichts geschenkt.“

„Was die fürn Mist mal wieder zeigen!
Das ist ja heut besonders krass.
Den’n sollt man mal die Meinung geigen.
Vielleicht ist ja der Spätfilm was.“

„Eh, Schatz, lass das doch kurz mal bleiben –
hier steigt gerad der große Coup.“ –
„Erst muss ich meiner Mutter schreiben.
Wann komm ich sonst denn mal dazu!“

„Hallihallo, wollt mich mal melden.
Und endlich ist mal einer da.
Allein zu Haus mit deinem Helden?
Ich mach es kurz, du kennst mich ja.“

„Kommt rein, kommt rein! Schön, euch zu sehen.
Legt ab und macht es euch bequem.
Karl-Heinz ist noch beim Rasenmähen.
Braucht wohl ein neues Schersystem.“

„Dies Stückchen noch – das allerletzte.
Mehr Kuchen geht nun nicht mehr rein.
Dass ich ihn früher höher schätzte?
Ach du, ich pack mir noch was ein.“

„Mensch, richtig wie in alten Zeiten!
Der ganze Plüsch im Vestibül.
Die Cowboys, die nach Tucson reiten.
Und viel zu eng das Klappgestühl.“

„Da, guck mal, die in ihrem Fummel,
das findet die theaterfein.
Und das bei so was von ‘nem Pummel.
Die muss ja wohl vom Lande sein.“

„Die waren doch schon längst am Wanken,
die hatten wir doch fest im Griff.
Den Sieg könn’n die dem Schiri danken.
Was der sich da zusammenpfiff!“

„Na denn, ihr Lieben, auf ins Grüne!
Die frische Seeluft tut uns gut.
Ich fahr direkt bis an die Düne.
Klar, nach dem Stau. Nur ruhig Blut.“

„Als ob ein Alpdruck von dir wiche,
so macht’s dir Kopf und Körper frei.“ –
„ Genau. Du, ich hab Seitenstiche.
Schlaucht auch ganz schön, die Lauferei.“

„Jetzt brauch’n wir nur noch auszuzählen,
dann hat die liebe Seele Ruh.
Verflixt! Zwei Augen, die mir fehlen!
Du hast geschummelt, gib das zu!“

Epilog

„Heut will und will mir nichts gelingen
und schöpf doch sonst nur aus dem Volln.
Ruhn sonntags denn des Rosses Schwingen?
Ich hätt spazieren gehen solln …“

Bürgerliches Vergnügen

Bürgerliches VergnügenDer Bürger, runter von der Piste,
befreit von seines Tages Fron,
begibt sich vor die Flimmerkiste,
dem Leichenschauhaus der Nation.

Und bierbequem in seinem Sessel
er zielbewusst ‘nen Krimi krallt,
dass er Gemütlichkeit entfessel
durch Bilder von Brachialgewalt.

Den Kick kann ihm kein Blümchen geben,
das lieblich an der Hecke blüht,
Herr Soundso braucht Menschenleben,
auf dass ihm walle das Gemüt.

‘s ist seiner Psyche anzukreiden:
Bei Salzgebäck und weit vom Schuss
sieht liebend gerne er erleiden,
was er nicht selber leiden muss.

Der schönste aller Nervenkitzel,
so denkt der brave Bürgersmann,
ist wenn mit Wonne und Gewitzel
man sich gefahrlos gruseln kann.

So hätt auch der Neandertaler
mit ähnlich technischem Produkt
als Stein-TV-Gebührenzahler
den „Faustkeil-Killer“ nur geguckt.

Ja, über tausende von Jahren
pflanzt so ‘ne Tradition sich fort,
vom blut’gen Alltag des Barbaren
bis zum modernen Tele-Mord.

Und unsre heutigen Schamanen,
beim Fernsehn sagt man „Intendant“,
sie leihen wie schon unsre Ahnen
dem Schlachten segnend ihre Hand.

Gibt’s was dagegen einzuwenden?
„Natürlich! – Alles halb so wild.
Denn alle Sachen, die wir senden,
sind der Gesellschaft Spiegelbild.“

Pilatusse! In Unschuld waschen
die Pfoten, die von Blut befleckt,
weil sie nach Sendequoten haschen
mit allem, was nach Keule schmeckt.

„Was soll denn bloß dies Kulturelle?
Kein Krimi heut?“ Der Bürger stöhnt.
Er zappt ‘nen Mord sich auf die Schnelle.
So hat die Kiste ihn verwöhnt!

Leben, rituell

Leben, rituellWie immer morgens nach dem Wecken
spult man die gleiche Leier ab:
Den Kopf ins kalte Wasser stecken,
das bringt den Kreislauf schön auf Trab.

Dann fährt man mit ‘ner frischen Klinge
die Backen lang bis an den Hals,
dass sie den Stoppelbart bezwinge –
sofern du männlich jedenfalls.

Nun kriegt die makellose Reihe
der Zähne ihre Rubbelkur
mit einem blütenweißen Breie,
der keimvernichtend von Natur.

Erledigt diese Prozeduren,
das Haar gekräuselt und gekämmt,
vergleicht man erst noch mal die Uhren
und ruckelt sich ins Oberhemd.

Dann Krönung dieser Rituale:
das flotte Frühstück eins, zwei, drei –
ein Toast, ein Kaffee, eine Schale,
die lückenlos gefüllt mit Ei.

Und so aufs Leben vorbereitet,
das feindlich vor der Haustür steht,
gemessen man durch diese schreitet,
wenn einem auch die Muffe geht.

‘ne Ewigkeit von Stunden später:
Man kommt von draußen wieder rein,
zerschlagen zwar wie Hackepeter,
doch froh, im eignen Bau zu sein.

Jetzt kann der Feierabend steigen,
jetzt macht er seinem Namen Ehr!
Von wegen! Müdigkeit und Schweigen.
Total. Wenn nicht die Glotze wär.

Ritual: Sich in den Sessel lümmeln.
Ritual: Die Beine aufgebockt.
Ritual: An Bier und Brezeln mümmeln.
Ritual: Den Spielfilm ausgehockt.

Am Ende wieder Zähneputzen,
Pyjama an, ins Bett getaucht.
Der Schlummer ist von großem Nutzen,
weil für die Leier man ihn braucht.

Untätig kann man uns nicht nennen.
Wir rennen ja von früh bis spät.
Doch ohne unser Ziel zu kennen.
Es sei denn, dieses Spielgerät …

Das geht so bis zum schönen Tage,
an dem man dich in Rente schickt
und morgens dir mit einem Schlage
die Uhr ganz friedlich weitertickt.

Du brauchst dich nicht mehr zu erheben,
du drehst dich um, den Hintern zu
dem abgehakten Arbeitsleben –
l. m. a. A., lass mich in Ruh!

Doch leider wirst du spitz bald kriegen,
dass der Triumph von Dauer nicht:
Du bleibst in deinem Kissen liegen,
weil irgendwo und -was dich sticht.

Bist du ein Jüngling denn geblieben?
Die besten Jahre sind vorbei,
in Jobscharmützeln aufgerieben,
in der Routine Einerlei.

Und die begleitet dich noch immer
und ärger, als es je dir schien.
Doch jetzt in blässlich gelbem Zimmer.
Der Nächste bitte! Arzttermin.

Festbeflaggung

FestbeflaggungWie kühn lässt er im Winde fliegen
sein buntes Tuch vom Flaggenmast,
als hätt er wen zu Füßen liegen,
dem er den Todesstoß verpasst.

Der Union Jack ist aufgezogen
und winkt mir vom Hoteldach her
und flattert dort in stolzen Wogen
Britannien überm Häusermeer.

Doch kündet er nicht Heldentaten,
bei denen man die Toten zählt,
nein, dass vor den Altar heut traten
zwei Liebende, die sich vermählt.

Auf königlichen Bühnenbrettern
wurd heut ein Märchenpaar getraut,
nicht nur vor seinen Adelsvettern,
nein, alle Welt hat zugeschaut.

Und alle Welt wird auch noch stieren,
wenn das Spektakel längst vorbei,
und hochnotpeinlich registrieren,
ob auch die Eh’ ein Märchen sei.

Da greif ich lieber still zur Leier
im Winkel wo wie Kunz und Hinz –
fühl als Anonymus mich freier
als jeder Medienmärchenprinz.

Was nützen jenen Ruhm und Ehre?
Sind sie nicht Staub wie du und ich,
dass sich der Wurm dereinst ernähre
von einem Blut, des Blau verblich?

Es werden wieder Fahnen wehen
beim Märchentrauerritual.
Doch werden diese halbmast stehen.
Am Ende heißt‘s: Es war einmal …

Der Feiertage letzte Stunden

Der Feiertage letzte StundenDer Feiertage letzte Stunden.
Die Schatten dunkeln schon zur Nacht.
Wie unter Zauberhand verschwunden,
was Lärm und was Spektakel macht.

Das große Himmelsaug’ gebrochen,
das stechend auf dem Tage lag.
Der Sterne goldne Herzen pochen
und pumpen Licht bei jedem Schlag.

Ein kühler Wind streift durch die Gassen
und stößt ganz leicht die Blätter an,
die scheu die Kronen noch umfassen,
da grad erst ihre Zeit begann.

Die Wendigen, die nach den Wonnen
von Wasser, Grün und Strand begehrt,
sind allen Stopps und Staus entronnen
und glücklich wieder heimgekehrt.

Und auch wenn sie schon alle schwächeln –
von Müdigkeit ist keine Spur,
noch die Strapazen durchzuhecheln
im Lauf ihrer Erholungstour.

Weshalb noch viel erhellte Zimmer
im Dunkel der Fassaden glühn.
Doch nach und nach erlischt ihr Schimmer;
Erschöpfte sich um Schlaf bemühn.

Wie Phönix aus der Asche: Frieden.
Nach Festgetümmel Grabesruh.
Im Wechsel strebt akust’scher Tiden
die Stille ihrem Gipfel zu

Nur ein paar Stunden zu verweilen
bis morgens, wenn der Wecker schrillt,
um als Fanal vorauszueilen
dem Lärm, der mählich wieder schwillt.

Hinaus ins Leben, Brot verdienen!
Genug geruht auf fauler Haut!
Papiere tummeln und Maschinen –
die Arbeit ist des Bürgers Braut!

Doch wird wohl mancher erst beim Schinden,
bei der Maloche, oft verflucht,
Kolumbus’ Ei der Muße finden,
das Ostern er umsonst gesucht.

Das Gesetz der Politik

Das Gesetz der PolitikDa ist sie wieder, die Konstante,
die Einstein mit ‘nem Geistesblitz
unendlich wie den Kosmos nannte:
der Menschendummheit Aberwitz!

So fröhlich spielt der mit dem Feuer
wie’n Kind, das die Gefahr nicht kennt,
dass erst ihm etwas nicht geheuer,
wenn längst die ganze Hütte brennt.

Politiker in allen Breiten:
„Wir haben alles fest im Griff.
Nie wird das Ruder uns entgleiten.
Nur Spinner faseln was von Riff.“

Und auf dem Staatsschiff transportieren
sie ruhig manches Pulverfass.
„So’n Ding kann gar nicht explodieren,
wir halten es ja ständig nass.“

Kawumm! Mit Donner und Getöse
zerplatzt die schöne Illusion –
erwischt es heute Nippon böse,
so uns vielleicht auch morgen schon.

Die Logik der Politschamanen,
die ständig Sicherheit beschwört,
da schleudert sie aus ihren Bahnen,
die ewig, hieß es, ungestört!

Das Chaos straft die Schwätzer Lügen,
und Angst befällt der Bürger Herz,
indes Atom in vollen Zügen
verströmt sich erd- und himmelwärts.

Und unbeständig mit den Winden
nach hier mal und nach da geweht,
lässt rasch das Strahlengift sich finden
in Wasser, Luft und Gurkenbeet.

Dann wird ermittelt und gemessen,
Verantwortung wird vorgeschützt,
die wen’ger Volkes Interessen
als denen der Schamanen nützt

Die gern des Umstands sich bedienen,
der in Vers eins geschildert ist,
dass schon beim Anblick ernster Mienen
Herr Meier seine Not vergisst.

Wenn dann die Trümmer nicht mehr rauchen,
der Wind die Strahlenpest verjagt,
beginnt man gleich, zurechtzustauchen,
was an der Wahrheit nicht behagt.

Vor allem heißt’s herunterspielen,
dass uns Gefahr vom Meiler droh:
„Wir stehn zu den bewährten Zielen.
Und Pannen gibt’s auch anderswo.“

O-Ton der Herrn mit weißer Weste.
Und ihre saubre Energie
verkaufen wieder sie als beste –
bis zu der nächsten Havarie.

Der Mensch wird wohl erst wirklich schlauer,
wenn’s für die Schläue schon zu spät
und er im letzten Teilchenschauer
mit allem vor die Hunde geht.

Auch um den Frühling wär’s geschehen,
der jetzt grad webt am Blütenflor.
Heut hab ich Krokusse gesehen –
nie kamen sie mir schöner vor.

Zum neuen Jahr

Zum neuen JahrWas wird das neue Jahr uns bringen?
So grübelt manche Stirne jetzt
und meint damit vor allen Dingen:
Bleibt meine Börse unverletzt?

Das Grübeln könnt sie sich ersparen.
Denn wer sie kennt, die Trickserein,
der weiß, dass auch in tausend Jahren
die Antwort leider lautet nein.

An Gründen wird es niemals fehlen,
der Fiskus ist erfinderisch.
Heut geht er nach dem Motto stehlen:
Die Schulden müssen erst vom Tisch.

Und wirklich zieht die Steuerschlinge
sich wieder enger um den Hals,
dass noch mehr Opfer sie erzwinge –
vom kleinen Manne jedenfalls.

(Vergleiche, internationale,
bezifferten erst jüngst beredt,
dass hierzulande die soziale
Gerechtigkeit auf Krücken geht.)

Ein Kreuzchen auf dem Wählerscheine
befreite von den üblen Herrn –
doch alle blöd gehaltnen Schweine,
sie folgen ihren Schlächtern gern.)

Der Punkt wär also nun im Kasten.
Wozu ist schließlich „Aldi“ da?
Nur jedes neunte Kind muss fasten –
noch sind wir nicht in Afrika!

Und sonst? Vom Geld mal abgesehen,
was kommt auf unsereins da zu?
Das sollte sich von selbst verstehen –
gibt diese Welt denn jemals Ruh?

Es werden Kriege sie erschüttern
und Wahnsinnstaten jeder Art,
sie wie gewohnt mit Blut zu füttern,
an dem ihr „Herrchen“ niemals spart.

Und weiter werden hungers sterben
die Ärmsten – Kinder allzumal,
dieweil des Krösus späte Erben
krüsch bei der Hundefutterwahl.

Und Mord wird’s geben, Hass, Intrigen –
die Menschheit bleibt gewaltbereit.
Die Tipps und Tricks dazu zu kriegen
täglich zur Krimisendezeit.

(Auf allen zig TV-Kanälen
wird das Verbrechen zelebriert,
weil nur die Gucker-Quoten zählen –
ein Mordsgeschäft, das expandiert!)

Und die sich mit Diäten päppeln,
wo immer sie die Fäden ziehn,
sie werden weiter uns veräppeln,
von Ouagadougou bis Berlin.

Die Preise werden weiter fallen –
d. h. erheblich ins Gewicht.
Man muss den Gürtel enger schnallen.
(Der Reiche aber schnallt das nicht.)

Ein Stückchen schließlich mehr in Scherben
wird auch die Umwelt wieder gehn –
bei „Ölpest“, „Gift“ und „Artensterben“
bleibt doch der „Ökonom“ nicht stehn!

Und dank der tausend Datenbahnen,
die förmlich nach Vernetzung schrein,
normiert man seine Untertanen
entzifferbar zu Zahlenreihn.

Der Papst, er wird sein Image pflegen
als des Humanen Advokat,
den zwei Millennien entgegen,
da Rom es roh mit Füßen trat.

Es werden frische Hits geboren
und Filme, die man sehen muss.
Die Liga glänzt mit Supertoren,
der Kassenwart mit Überschuss.

Gewohnt auch die Naturgewalten –
hier eine Flut, ein Beben dort,
der Schnee kann sich am Hang nicht halten,
der Krater wirft sein Feuer fort.

Kurzum, warum denn groß sich sorgen?
Die Zukunft ist nur Schall und Rauch.
Die Sensationen da von morgen,
sind es nicht die von gestern auch?

Ich will es anders formulieren:
Wer was erwartet unterm Strich,
muss übers Jahr nicht spekulieren –
er ändre selbst zum Bess’ren sich!

Weihnachtslieder

WeihnachtsliederIm Radio dudeln Weihnachtslieder.
Auf Englisch. Also Songs demnach.
Das Deutsche („Alle Jahre wieder…“)
liegt auf den Plattentellern brach.

In unsren aufgepeppten Sendern
gibt man sich gerne anglophil,
bezieht das „Christmas Flair“ aus Ländern
mit ausgemachtem Pop Appeal.

Der lang die Töne zieht und länger
und schließlich sie zum Schmelzen bringt,
der Crooner (vormals „Schnulzensänger“)
weckt heute den Gefühlsinstinkt.

(Der samt und sonders angesprochen
vom süßen Zauber der Musik –
den Text versteht ja eh kein Knochen,
am wenigsten der Denglisch-Freak.)

Und die hochheil’ge Krippennummer
lallt uns ‘ne fremde Zunge vor –
des Babelturmbaus ganzer Kummer
steigt aus der Seele mir empor.

Energisch muss ich protestieren,
grad auch als gläub’ger Atheist,
dass selbst die Sprache sie kassieren,
in der uns Jesus Jesus ist.

(Der Dummheit trieb’ge Gifte schweifen
auf allen Feldern heut umher:
Seit einem US-Flimmerstreifen
heißt jetzt Kolumbus Christopher!

O schauerlich, sich vorzustellen,
dass dies die künft’ge Richtung weist
und bald die Santa-Glocken bellen,
weil Holli Märi Dschieses kreißt!)

Die Botschaft von des Sees Gestade,
an dem der Gute sich erging,
als Trittbrett für die Hitparade –
kling, Kassenglöckchen, klingeling!

(Die aus dem Tempel Christ vertrieben,
weil Schachern sich dort nicht geziem,
sind ihren Pfründen treu geblieben
und schachern längst ja schon mit Ihm.)

Wie anders die Gesangbuchweisen,
die wir als Kinder kannten schon
und die des Schöpfers Werke preisen
für weiter nichts als Gotteslohn.

(Ich weiß, ich weiß, der soll am Ende
ja gar nicht mal so mickrig sein:
Wohnrecht auf Paradiesgelände.
Für immer. Inkl. Heil’genschein.)

Nicht jammern. Konsequenzen ziehen!
Hat nicht die Kiste auch ‘nen Knopf,
dass, diesem Schmonzes zu entfliehen,
das Maul, das große, man ihr stopf?

Gesagt, getan. Die Schmachter schweigen.
Und in die stille Dämmerstund
wie Nebel aus den Tälern steigen
die Melodien vom Herzensgrund.

Vom Himmel hoch…, …ein Schiff geladen,
Ihr Kinderlein…, …die Tor macht weit –

und ziehn sich wie ein roter Faden
durchs Bild der alten Weihnachtszeit.

Muss man denn mit ‘ner Mode gehen,
die stets sich nach dem Winde dreht
und schon vorm ersten Hähnekrähen
den eignen letzten Schrei verrät?

Und wann, wenn nicht an solchen Tagen
mit Tannenduft und Lichterschein,
wolln wir’s, bei Gott!, denn sonst noch wagen,
so richtig antiquiert zu sein?

Schon dunkelt Dämmer die Fassaden,
verkündet Frost des Abends Näh.
Der Himmel graut in weißen Schwaden.
Und leiser rieselt noch der Schnee.

Nachgedacht

NachgedachtAllein der Wein, der diese Stille
mit leichtem Gluckern unterbricht.
Ich sitz am Tisch, die Lesebrille
als Krücke vor dem Augenlicht.

Und freue mich auf klare Zeilen,
das heißt im Stile und im Sinn,
die stetig meinem Stift enteilen
als bleibender Kulturgewinn.

(Verzeiht, dies rutschte meiner Feder
wohl nur des Reimes wegen raus –
sie zieht ja sonst nicht so vom Leder,
bescheiden wie sie ist von Haus!)

Der Abend bildet die Kulisse
mal wieder für mein Küchenstück,
das Hintergründig-Ungewisse,
aus dem ich mir die Funken pflück

Dass sie den schlappen Geist erhellen,
der dunkel noch im Licht verharrt,
im düsteren der Kerkerzellen
des Tags, der uns mit Freiheit narrt.

Kurzum: Erlösung der Gedanken
aus Fesseln der Geschäftigkeit.
Und runter von den schmier’gen Planken
der Kogge, die nur kauffahrteit.

Allein der Wein, der diese Stille
mit leichtem Gluckern unterbricht.
Ich sitz am Tisch, die Lesebrille
als Krücke vor dem Augenlicht

Und lasse meinen Pinsel kreisen,
dass er mir male eine Welt,
die nicht von denen nur zu preisen,
für die sie Gold im Munde hält.

Ein Kind, das mit gereckten Händen
begeistert nach der Rassel greift,
warum muss es als Bänker enden,
statt dass es „bloß“ zum Menschen reift?

Die Unschuld, in der wir geboren,
man Stück für Stück uns wegerzieht,
bis wir sie schließlich ganz verloren
an Titel, Ehre und Profit.

Lässt sich ein größrer Irrsinn denken
für die paar Jahre hier auf Schicht?
Man soll den Großen Rasseln schenken,
dann spielen sie und schaden nicht!

Kein Wein nun mehr, der mir die Stille
mit leichtem Gluckern noch versüßt.
Sein Pegel sank; so sank mein Wille
zu wachen. Morpheus, sei gegrüßt!