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Eine Nacht im Wald

Eine Nacht im WaldDer Mondschein in der Regentonne,
die gern ihm mal den Spiegel hält,
betrachtet sich mit solcher Wonne,
dass gar ein Schauer ihn befällt.

Es war der Wind, der ewig säuselt
in Sommernächten matt und mild,
der hat das Wasser leicht gekräuselt
und so des Mondes Ebenbild.

Die Kiefern auch lässt er erzittern,
die düster um die Hütte stehn,
und ihren Harzgeruch, den bittern,
auf seinen Flügeln sich ergehn.

Bisweilen noch Geräusche glimmen
wie Flämmchen aus der Dunkelheit;
ein Rascheln, Knacken: Waldesstimmen
im Nachtgewand der Heimlichkeit.

Sonst Stille, Stille ohne Grenzen,
die sich am Firmament verliert,
wo regungslos die Sterne glänzen,
von feinen Dünsten grau meliert.

Der Mond indes geht ruhig weiter
auf seinem ausgetretnen Pfad,
und Mücken nehmen, wen’ger heiter,
in seinem Fass ihr letztes Bad.

Der Wind frischt auf: Die Wipfel dösen
nicht länger stumm in Hain und Hag!
Schon erste Zapfen, die sich lösen –
da wach ich auf mit einem Schlag.

Ausgeschwitzt

AusgeschwitztWie Schinken schlapp am Fleischerhaken,
so baumeln sie an ihrem Mast,
die buntgestreiften Fahnenlaken,
die heut kein Wind mehr unterfasst.

Und Mitternacht ist längst verstrichen;
bis morgen früh kein Lüftchen mehr.
Wie sich die Tage alle glichen,
von Sonne und von Schwüle schwer!

Im Juli ist es losgegangen,
jetzt zählt die Stunden der August,
dass dies Gestirn mit glüh’nden Zangen
Respekt zu schaffen sich gewusst.

Der Sommer, ja, in allen Ehren,
sofern er sich in Grenzen hält.
Wie aber seiner sich erwehren,
wenn einem Koller er verfällt?

Bei 30 krieg ich schon ‘ne Krise,
und öfter war’s darüber noch.
Trotz ständ’ger Ventilator-Brise
litt ich wie’n Hund in meinem Loch.

Solln andre in der Sonne schmoren,
bis sie rundum goldgelb gegart;
ich bin mehr für den Herbst geboren,
der wohlig sie mit Frische paart.

Seit langem geben erste Zeichen
Augurn, dass es sich ausgebräunt:
Allmählich wird die Hitze weichen.
Na, nichts für ungut, Sonnenfreund!

Im Waldpark

Im WaldparkMit sanfter Kühle uns umfingen
die Hölzer ringsherum zuhauf;
die, die am Boden sich umschlingen,
und die zum Himmel ragen auf.

Am Bollwerk mächt’ger Buchenstämme
erschöpfte sich des Winds Gewalt,
und Kiefern waren, wen’ger Dämme,
doch schwarzer Schatten Aufenthalt.

Im Dämmer gleichsam ‘ner Kapelle,
die uns zu stiller Andacht lädt,
nichts als das Surren der Libelle
wie ein geflüstertes Gebet.

Die Schneise, in den Wald geschlagen,
damit es leichter sich spaziert:
dem Fuße reines Wohlbehagen,
weil sie gefühlvoll ihn massiert.

Doch plötzlich sahn wir Rauchsignale,
gerieten in Indianerland.
Da lichtet’ sich’s mit einem Male:
Grillwiese, uff, Gefahr gebannt!

Auf diesen Schreck erst mal ‘ne Pause.
Da war auch schon das Waldlokal:
Kirschkuchen, Bratkartoffeln, Brause.
Nur eine Wespe – kolossal!

Trip in den Volkspark voll gelungen.
Entspannt zurück zu Heim und Herd.
Ein schöner Samstag ausgeklungen,
der Leib und Seele reich genährt.

Glänzender Fischzug

Glänzender FischzugIn einem Netz aus schwarzen Schwaden
verfing der Mond sich heute Nacht,
als hätte man aus tausend Faden
geborgen ihn und hochgebracht.

Ein Leuchtfisch von enormer Größe,
doch schuppenlos und kugelrund
und ohne Flossen für die Stöße,
ihn zu bewegen über Grund.

Was für ein Fang! Seit hundert Jahren
sah wohl kein Mensch so ‘n Exemplar.
Nur Männer, die das Meer befahren,
beschwören’s in der Hafenbar.

Kaum kann ich meine Augen wenden
von diesem Prachtstück, das da glänzt!
Wird das mal im Museum enden?
Auf einer Tafel, dillbekränzt?

Die ihn gefischt aus finstren Tiefen,
die freuen jedenfalls sich schon,
dass ihre Börsen morgen triefen
vom schweißbedeckten Finderlohn.

Wird niemand denn ‘nen Finger rühren,
dass man lebendig ihn erhalt?
Bassin und Futter und Gebühren!
‘s ist billiger, man macht ihn kalt.

Man füllt sich lieber gleich die Taschen
und murkst selbst Schöpfungswunder ab.
Zum Heulen. Aber da, die Maschen,
er ist entwischt, sie hängen schlapp!

Keine Entwarnung

Keine EntwarnungVerloren hat er ihn, den langen,
den glühenden Kometenschweif,
der ihm seit Wochen angehangen
wie eine Frucht, die endlich reif.

Der Sommer atmet wieder freier
bei angenehmen 20 Grad.
Die Wolken, diese Wasserspeier,
sie dürsten wieder nach der Tat.

O dies Gefühl, neu aufzuleben,
wenn erst der Schweiß dahingetaut
und wenn die Hemden nicht mehr kleben
wie Krötenzungen auf der Haut!

Und wenn wir aus den Federkissen
in unserm dumpfigen Gelass
trotz Fenstern, die weit aufgerissen,
nicht mehr erwachen klitschenass.

Dass das ich noch erleben durfte
nach dieser mörderischen Glut!
Wie kläglich unlängst ich noch schlurfte,
ein Schatten ohne Bein und Blut!

Dass jetzt ich wieder ohne Wanken
recht munter auf den Füßen schon,
dem Ventilator muss ich’s danken
mit seiner luft’gen Infusion.

Allein, ich traue nicht dem Braten,
wer weiß, was übermorgen ist?
Die Wetterfrösche sammeln Daten;
der Hahn kräht fröhlich auf dem Mist.

Dicke Luft II

Dicke LuftHeut nahm die große Himmelsglucke
auf einmal sich vom Hocken frei –
man weiß nicht, ob nur so als Mucke
oder als Schluss der Brüterei.

Prompt zeigte Celsius’ Hühnerleiter
sich reichlich weniger besonnt;
der Himmel, kühl, noch immer heiter,
doch schwarz zog’s auf am Horizont.

Nach diesen hundstäglichen Wochen,
da mir die Zunge hing am Knie,
hab endlich Lunte ich gerochen
und mich gefreut wie ‘s liebe Vieh.

Ich ging nach draußen. Eine Kühle,
wie sie seit langem mir schon fremd,
gab frischen Wind wie von ‘ner Mühle
und erstmals kein verschwitztes Hemd.

Das blaue Wunder dann zu Hause:
Kaum hinter mir die Straße lag
und ich betrat die kleine Klause,
da traf’s mich wie ein Hammerschlag.

Die Luft, ‘ne eingedickte Brühe,
stand schwül und schwer wie eine Wand,
so dass ich nur mit großer Mühe
den Weg in meine Bude fand.

Ich glaub, dass es noch Wochen dauert,
bis da man wieder atmen kann.
Falls nicht die Glucke wieder kauert –
dann kommt wohl eh’r der Weihnachtsmann!

Winzige Welt

Winzige WeltEin Stäubchen irrt im Weltenraume,
ein winz’ges Stäubchen irrt da rum,
es irrt wie in ‘nem irren Traume,
‘nem Horror im Delirium.

Und dieses Stäubchen, gottverlassen,
und dieses Stäubchen, so verlorn,
muss noch Milliarden Stäubchen fassen,
die noch viel winziger geborn.

Die müssen sich ans Stäubchen klammern,
das ihnen Heimat ist und Halt
in einem All von Weh und Jammern,
in einem Kosmos, wüst und kalt.

Wenn es ein Schwarzes Loch verschlänge,
ein Roter Riese es verzehrt’,
in diesem Galaxiengedränge
wär’s nicht einmal ein Fünkchen wert.

Es würde einfach so verschwinden
wie ‘n Schiff im Sturm mit Mann und Maus.
Kein Kreuz, kein Grab, kein Wiederfinden.
Und keiner drückt ‘ne Träne aus.

Und die da an dem Stäubchen kleben
in gleicher Hoffnung, Angst und Pein,
wie eifrig müssten sie doch streben,
sich gegenseitig Trost zu sein.

Doch ach, ganz wirklichkeitsvergessen
ist dieses Stäubchen ihre Welt,
an der sie blind sich überfressen,
dass es schon vor der Zeit zerfällt.

Auslaufmodell

AuslaufmodellJetzt bin ich soundso viel Jahre,
8 Monate, 4 Tage alt
und so als angegangne Ware
wohl aus dem Sortimente bald.

Zwar trägt der Mensch noch keinen Stempel:
„Haltbar genau bis dann und dann“,
doch die Natur entsorgt den Krempel
nach ihrem Zeitplan irgendwann.

Nun, Zeit und Stunde nicht zu wissen,
wie’s ja die Bibel uns schon lehrt,
ist eher noch ein Ruhekissen,
als wenn man’s vorderhand erfährt.

Wer weiß, wohin wir da noch kämen,
wenn das datierte Ende droht?
Man würd sich gar das Leben nehmen
aus lauter Angst vor seinem Tod!

Nein, nicht vom alten Wege biegen,
wie immer frisch drauf los marschiert;
so kann man keine Panik kriegen,
weil nichts passiert, bis was passiert.

Und überhaupt: Warum mich sorgen?
Als ob verpasst ich etwas hätt!
Was mir als Frist noch bleibt für morgen,
das macht den Kohl nun auch nicht fett.

Doch würd’s mich freun, wenn ich ‘ne Weile
noch schöpfte aus dem Musenfass.
Die eine oder andre Zeile
vertragt ihr doch noch, oder was?

Endliche Abendfrische

Endlich AbendfrischeErst mal die Türe aufgerissen –
ein Hauch von Kühle wischt herein.
Der Abendwind, er weht beflissen,
und kalt erglänzt der Sternenschein.

Gemurmel höre ich verschwommen
von irgend ‘nem Balkone her,
als ob zum Plausch zuhauf gekommen
die halbe Nachbarschaft da wär.

Oh, nach des Tages Höllenhitze
kein Wunder, dass man draußen gluckt
und nach zehn Stunden Saunaschwitze
genüsslich unter Böen zuckt!

Wie gut kann ich das nachempfinden,
der ich mir kaum zu helfen weiß,
wenn mich die Sonnenstrahlen schinden
bis auf das Blut, das heißt den Schweiß.

Und vieles kann man besser tragen,
wenn nach dem Leid man Lindrung find’t –
so Flächen, die aus Mauern ragen,
Refugien in Luft und Wind.

Mir reicht indes die Tür, die offen
mir fächelt etwas Frische zu,
mehr will ich gar nicht mir erhoffen –
nach draußen setz ich keinen Schuh!

Wie zu sensibel vor der Sonne,
so auch vor dieser Szenerie:
Gerüst vorm Haus für Baukolonne;
Staub auf Balkon bis fast zum Knie!

Heiße Erwartung

Heiße ErwartungDie Dächer grade, würd ich sagen,
die voll der Sonne ausgesetzt
und ausgedörrt bis an den Kragen,
den First, der Wochen unbenetzt

Die Front der staubigen Fassaden,
dern Haut, die dürstende, schon reißt
und die gequält von höchsten Graden
in unwillkommnem Lichte gleißt

Die Straße, deren feste Decke
von groben Rissen übersät,
dass es den Wegwart gar erschrecke,
der prüfend seine Runde geht

Die Bäume, die gern Kühle fächeln
mit ihren Blättern, derb und dicht,
und selber jetzt nach Wasser hecheln,
da ihrem Grün das Auge bricht

So auch die Menge der Passanten,
wie sie da glühend und verschwitzt,
vorbei an rostigen Hydranten
fortlaufend auf dem Trocknen sitzt

Besonders aber die Poeten,
sensibel und mimosenhaft,
die immer um Erlösung beten,
gleich welcher Gott sie ihnen schafft

Sie, die Vertreter aller Sparten,
die wenig nur gemein zumeist –
sie alle auf den Regen warten,
zu einer Einheit fest „verschweißt“.