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Reichlich arm

Reichlich armDer Reiche: bestens angesehen
bei jedermann landauf, landab,
weil, was wir alle uns erflehen,
ihm niemals die Dukaten knapp

Und er von allen Lebenszielen
(sofern man flüchtig nur vergleicht)
nach Meinung wenigstens der vielen
das höchste zweifellos erreicht.

Wie das? Würd jeder nicht beschwören,
es käm nicht an auf Prunk und Pracht,
und möge dir die Welt gehören,
dass Geld allein nicht glücklich macht?

Und preist nicht auch die Christenlehre
die Armut als das höh’re Gut,
damit man den Erlöser ehre,
dem nichts zu eigen als sein Blut?

Wie wolln wir eine Welt erbauen,
die besser als die heut’ge ist,
solang wir durch ‘ne Brille schauen,
die nur den Eigennutz bemisst?

Da können noch so viel wir ringen,
am Ende siegt die Tiernatur,
dieselbe zu Verstand zu bringen
wär wie des Kreises Quadratur.

Lässt man der Gier die Zügel schießen,
hält ein System man nur in Schuss,
dass Wen’ge Überfluss genießen,
die Mehrheit aber darben muss.

Pervers nur ist, dass sich Parteien,
die diesen Zustand zementiern,
nach außen hin dem Volkswohl weihen,
indem sie mit ‘nem C sich ziern!

Womit sie sich doch nahtlos fügen
in eine Kirchentradition,
wie sie mit Heucheln und mit Lügen
schon immer sprach der Lehre Hohn.

Solln Hass wir drum im Herzen tragen?
Nein, Mitleid für den Reichen bloß.
Ist denn nicht er grad zu beklagen,
dass auch sein Hemd einst taschenlos?

 

Abendstille

AbendstilleEin seltner Vogel, meine Güte!
Was der da noch zu flöten hat!
Kommt eigentlich nicht in die Tüte
jetzt im November. Ich bin platt.

Nun fragt mich bloß nicht, was für einer!
Hab ja die Töne nur gehört,
ein Piepen, fein und immer feiner,
bis ‘ne Sirene es gestört.

Wie’n Habicht, der von Gier entfesselt
sich hungrig auf die Beute stürzt,
kommt da so’n Blaulicht angekesselt,
das ihm die Arie abgekürzt.

Dann hat’s die Stimme ihm verschlagen.
Die Nacht nun wieder mäuschenstill.
Kein Sänger und kein Krankenwagen,
der diesem an die Gurgel will.

Ein hoher Vollmond kreuzt den Himmel,
die Venus leuchtet ihm am Heck,
in diesem trüben Sterngewimmel
der einzig richtig helle Fleck.

Und vor den fröstelnden Fassaden,
an denen längst schon Dunst gedieh,
schwebt in der Finsternis ein Schwaden
wie eine ferne Galaxie.

So was von Ruhe und von Leere;
totales Schweigen, Totentanz.
Wenn wenigstens ein Piepmatz wäre –
ja, sei’s drum, selbst ‘ne Ambulanz!

Einsame Klasse

Einsame KlasseDer hat ja schwer was auf dem Kasten!
Der weiß ja mehr als Hans und Franz!
Wo andere im Dunkeln tasten,
hat er den Durchblick voll und ganz.

Tagtäglich ragt er vor der Klasse
dem rhodischen Kolosse gleich
im Glanze seiner Wissensmasse,
gewaltig und gebärdenreich.

Ein Heer von Schülern, das sich ducken
in Demut vor dem Riesen muss,
der ohne nur ein Wimpernzucken
wirft Fakten in den Redefluss.

„Die Römer, da und da geschlagen,
indessen siegten da und da,
und zwar nach so und so viel Tagen,
gezählt ab urbe condita.“

Auch in mehr friedlichen Belangen
kennt er sich selbstverständlich aus:
„Wenn sie mal grad das Schwert nicht schwangen,
die Sense dann des Ackerbaus.“

Wie lebhaft weiß er zu erzählen
vom Feld, gefurcht in einer Flucht,
und von dem Brauch, nicht zu verfehlen
das Opfer seiner Erstlingsfrucht!

Und wie die Bäume sich vermehren,
wenn sie in Liebeslust erblühn,
obwohl zwei Häuser oft verwehren,
dass sie sich ungehindert grün.

Und so mit allen Dingen weiter:
Kaum eine Wissenslücke klafft.
Er ist kein blinder Glaubensstreiter:
ein Mann der breiten Wissenschaft.

Mit so viel Schmalz im Hirn da oben,
was Wunder, dass ihn Stolz befällt
und er sich göttlich dünkt erhoben
über ‘ne schülerhafte Welt.

Ist ihm nicht klar, dass all sein Wissen
vorm Richterstuhl einst blöd und blass?
Schon hör sein Echo ich, beflissen:
„Als Oberlehrer weiß man das!“

Herbstlich

HerbstlichO Bäume, wieder nackt und bloß!
Die meisten Blätter sind gefallen,
verstreut von einem blinden Los,
dass sie verwaist im Winde wallen.

Wie zeitig tritt die Dämm’rung ein
und wirft ihr altersgraues Linnen
um jeden First und Pflasterstein
und lässt zu Schatten sie gerinnen!

Und auch wie frisch es wieder ist!
Grad an der Hose Eingangstüren
am Bein ein feines Frösteln frisst,
das bis zum Schenkel noch zu spüren.

Ein dichter Wolkenpelz umschlingt
das kleine Mondgesicht der Sonne,
die atemlos nach Fassung ringt
wie’n Goldfisch in der Regentonne.

Doch nicht genug der Hiobspost:
Heut gilt’s, die Uhren umzustellen,
dass Dämmer, Dunkelheit und Frost
noch rascher sich dem Tag gesellen.

Auf einmal gibt’s kein Halten mehr,
die letzten Dämme sind gebrochen –
der Sommer ohne Wiederkehr,
ein Steinwurf bis zu’n Winterwochen.

Wer jetzt noch auf der Vorratsschau
und fleißig für den Winter sammelt,
hält morgen schon den stolzen Bau
zum Schlaf verriegelt und verrammelt.

Längst sind die Vielgereisten weg,
der Sommersonne nachgeflogen
in einem ungeheuren Treck,
den hunderttausend Flügel zogen.

Was immer fröhlich, blühend, bunt –
sie trugen’s fort auf ihren Schwingen
und ließen nichts dem Dichtermund
als triste Elegien zu singen.

Such ich mir deshalb auch ‘ne Ruh
wie zwischen Eicheln die und Nüssen
und klapp so lang die Li(e)der zu,
bis Zephir mich und Aura küssen?

Trifft mich die Witt’rung gar so bös,
dass sie an Flucht mich denken ließe
und ich von einem Ort mich lös,
den ich nur sommertags genieße?

Gewiss nicht; bin ich doch von Stand
rein vogelmäßig sozusagen
und nähre mich von diesem Land
in warmen wie in kalten Tagen.

Ich werfe keine Blätter ab.
Lass mich zum Schlummer nicht verleiten.
Mein Pegasus, der bleibt auf Trab.
Hat nicht der Herbst auch schöne Seiten?

Nachklang

NachklangSoll ich euch einmal was verraten?
Komm grade aus dem Hospital,
wo unter Pilln und Apparaten
ich mich dem Äskulap empfahl

Der würdevoll mit grauen Ecken
persönlich sich ans Bett bemüht,
Vertraun und Ehrfurcht zu erwecken
beim Kranken, dem wer weiß was blüht.

In ruhig fließenden Sentenzen
aus unfehlbarem Göttermund
tat er der Krankheit Grund und Grenzen
und seinen schönen Heilsplan kund.

Den weisungsmäßig auszuführen
er seinem Hilfskorps überließ,
das wen’ger göttliche Allüren
als edlen Eifer mir bewies.

Ein ganzer Schwarm von Amoretten
umkreiste mich den ganzen Tag,
als ob sie nur den Auftrag hätten
mich zu erfreun, wie ich da lag.

Mit Instrumenten in den Händen,
die wunderlich wohl von Gestalt,
doch wussten sie sie zu verwenden
so meisterlich wie Putten halt.

Aus Gummi eins, das wie ‘ne Klette
an beiden Enden spitz und rau,
das schlang man mir wie ‘ne Manschette
um meines Armes Oberbau

Um lang an einer Schnur zu lauschen,
indes ich kunstverständig schwieg,
obwohl ich selbst nicht mal ein Rauschen
erhascht von seiner Sphär’nmusik.

Sie ließen immerhin mich wissen
der beiden Saiten Schwingungszahl,
dass in mein stilles Krankenkissen
die Ahnung eines Tons sich stahl.

Ein Röhrchen auch, aus Glas gegossen,
das vorne eine Nadel trug,
kam öfter auf mich zugeschossen
in seinem raschen Wespenflug

Und tauchte tief in eine Vene,
verweilend dort gedankenvoll,
bis ihm aus dieser Hippokrene
mein Dichterblut entgegenquoll.

Bisweilen ließen sie auch schwanken
‘ne Flasche hoch zu Häupten mir,
die, tropf, tropf, tropf, mir armem Kranken
im Takt verströmt ihr Elixier.

Es war ein wundersamer Reigen,
ganz einzigartig, ungeprahlt,
so wie die Hölle einst mit Geigen
der alte Meister Bosch gemalt.

Die liebsten, segensreichsten Wesen,
wie man nur im Spital sie sieht –
und doch, gerettet und genesen,
die einz’gen Engel, die man flieht!

 

Wechselwarm

WechselwarmGeschrieben hab ich und geschrieben,
dass ein Tag in den andern floss
und mir fast unbemerkt geblieben,
wie wild dahin, die Zeit, sie schoss.

Nun lagert ja schon der Oktober
sein Laub in rauen Mengen ein
und braucht dazu nicht mal ‘nen Schober –
die Straße nur, den Pflasterstein.

Wie glitschig pappen da die Blätter
auf lippenfeuchtem Untergrund –
sie Opfer auch der wend’schen Wetter,
die grün sie hauen oder bunt.

Ein grauer, greisenhafter Nebel
sich reglos unterm Himmel hält.
Die Götter haben schon den Hebel
fürn Winterfahrplan umgestellt.

Und immer früher sieht man lecken
die sachte Flut der Dunkelheit
da, wo des Tages Füße stecken
in seinem luft’gen Sonnenkleid.

Und wenn ich an die Kühle denke,
dann fang ich an zu frösteln gleich,
als ob ich Gletscherwasser tränke,
das Gegenteil von warm und weich.

Im Auf und Ab der Jahreszeiten,
wie Korken tanzen wir da mit.
Und doch ‘ne Gnade, so zu gleiten,
so unbewusst im gleichen Schritt!

Man sieht sich ja nicht älter werden,
nimmt draußen wahr den Wechsel nur
als wiederkehrende Gebärden
‘ner stets sich gleichenden Natur.

Und diese Stürme, dieser Regen?
Am warmen Herd bei Kerzenschein
träum ich dem Frühling mich entgegen
mit Chianti- und Burgunderwein.

Selbst nach dem Flämmchen, Pustekuchen!,
der stärkste Wind vergebens fischt.
Es hilft mir still, mich selbst zu suchen –
bis jäh es von allein erlischt.

Manöver

ManöverAuf unserm Staatsschiff, wie ich glaube,
das protzig seine Segel bläht,
bestimmt den Kurs die Steuerschraube,
an der die Alte gerne dreht.

Der Henker weiß, wohin wir treiben!
Das Eldorado sei ihr Ziel,
wir würden uns die Augen reiben:
Ich trau ihm nicht, dem ganzen Spiel.

Ay, ay, an Bord die Offiziere,
die wissen schon, wohin es geht –
im Gegensatz zum Passagiere,
der’s höchstens aus den Sternen rät.

Soll ich euch sagen, was ich denke?
Die flunkert nicht, wenn sie so spricht.
Sie müht sich ja um Goldgeschenke.
Nur eben für den Fahrgast nicht.

Hinter so’m Dickschiff, weiß doch jeder,
steht, und noch überm Kapitän,
der Eigner, also hier der Reeder –
und der will die Penunse sehn.

Da mag sie noch so sehr beteuern,
sie segelte am Winde hart,
um das Gemeinwohl anzusteuern:
Für den geht sie auf große Fahrt!

Die Beutestücke unsrer Reise
falln immer dem Magnaten zu.
Der teilt sie nach des Löwen Weise –
9/10 ich, 1/10 du.

Die Helfershelfer seiner Pläne,
die profitiern ein bisschen mit.
Der Käptn und die Brückenszene,
die machen keinen schlechten Schnitt.

Die aber in Kabinen hocken,
laut, ohne Tageslicht und klein,
missbraucht man, um sie abzuzocken
fürs „Privileg“, dabei zu sein.

Und hilft kein Maulen und kein Motzen,
der Kurs erwecke Übelkeit.
Es bleibt nichts andres als zu kotzen –
ein Jammer, der zum Himmel schreit.

Kleine Möwe, flieg zur Brücke rauf,
bring der Alten, beste Grüße!, dieses Wort:
Selbst die Blinden einst erwachen,
und dann gibt es bannig Zoff an Bord.

Schufterei

SchuftereiDas will mir so’n Berufsbild scheinen,
auf das man nicht studieren kann.
Berichtigt mich. Ich möchte meinen,
da braucht es eh’r ‘nen Selfmade-Mann.

Investor kann man wohl nicht lernen.
Man wird es oder wird es nicht.
Gebäude kaufen und entkernen:
In keinem Studienfache Pflicht.

Vermutlich ist so’n Mensch geboren
für dieses schwierige Metier –
so wie fürs Fleisch die Karnivoren,
so er fürs dicke Portemonnaie.

Und dieses immer prall zu halten,
den Bogen hatte früh er raus:
Das Taschengeld von seinen Alten
trug zinsfroh er der Bank ins Haus.

(Musst er sich Bontjes drum verkneifen?
I wo, war keineswegs der Fall!
Er braucht’ nur kräftig zuzugreifen
bei seinen Kumpels überall.)

Dass Arbeit auch das Geld verrichte,
wenn es nicht faul im Sparstrumpf liegt,
ist was statt Mathe und Geschichte
er von der Schule mitgekriegt.

Man nimmt es lieber aus der Lade
und wählt ein lohnendes Objekt,
das, auch mit steuerlicher Gnade,
mehr einbringt als man reingesteckt.

Am lukrativsten sind die Sachen,
die sich um Stein und Erde drehn.
Mit Bau’n und Buddeln Reibach machen,
das kann im Grunde schief nicht gehn.

So danken wir den Investoren
den Fortschritt, den man dringend braucht:
Hier’n Baumarkt, da, im Grün verloren,
ein Schornstein, der für jene raucht.

Hier’n Einkaufszentrum, das inmitten
sich eines früh’ren Dorfs erhebt,
da ein Hotel, das unbestritten
die Landschaft irgendwie belebt.

Natürlich auch Büropaläste
in bester Lage, Innenstadt,
und tilgend die histor’schen Reste
für immer vom Katasterblatt.

Heißt: Kubisch-funktionale Formen
ersetzen das vertraute Bild,
wobei statt der ästhet’schen Normen
nur des Profits Primat noch gilt.

In Stadt und Land hört man erschallen
der Abrissbirne Glockenschlag
und Gläub’ger auf die Knie fallen
vor ihrem Götzen, dem Ertrag.

Was braucht Soldaten es und Waffen,
die Welt allmählich zu zerstörn?
Man kann’s auch per Rendite schaffen.
(Hiergegen, Raffkes, gern empörn!)

 

Rundgang

RundgangEin kleiner Rundgang kann nicht schaden.
Bewegung. Na, Sie wissen schon.
Und frische Luft. Die Lungen baden.
Kein Internet. Kein Telefon.

Nicht mal in ländlichem Gefilde:
Zum Hauptbahnhof paar Schritte nur.
Und doch strömt herbstlich feuchte Milde
aus diesem Torso der Natur.

Ein bisschen abseits jener Pfade,
auf denen der Verkehr sich staut,
den man bisweilen hört so grade
wie eines Echos fernen Laut.

In diesen stillen Seitengassen,
wo’s Auto lieber ruht als fährt,
hat man den Pflasterstein gelassen
und nicht getiegelt und geteert.

Da ist’s mir wie in Kinderjahren,
als der Asphalt noch nicht in Schwang
und von den Straßen, kaum befahren,
das Surrn der Reifen kräft’ger klang.

Man konnt es schon von Weitem hören,
wenn so ‘ne Karre sich genaht,
und ließ sich kaum beim Spielen stören,
nur kurz mal von der Fahrbahn trat.

Schön, so was grade hier zu finden,
wo man im Leben nicht dran denkt –
Idyll mit Kopfstein und mit Linden,
das auch Erinnerung noch schenkt!

Wie viel im Lauf der Zeit wir ließen,
was einmal teuer uns und wert!
Drum rasch die Reste noch genießen,
bevor ‘n Investor sie verzehrt!

 

Alttiere

AlttiereMillionen und Millionen Arten
besuchen diesen Erdenball,
doch nur ganz wen’ge wollen warten
und fliehn nicht wieder Knall auf Fall.

Dem Affen scheint’s hier zuzusagen,
er hält es 50 Jahre aus,
stopft sich Bananen in den Magen
bis zu den ersten Zeichen Graus.

Ein Grautier schon von Kindesbeinen,
berüsselt und mit Runzelhaut,
der Elefant, so will mir scheinen,
lebt länger noch als Terranaut.

Durch die Savanne seht ihn stampfen,
dass selbst den Löwen es erschreckt,
und 80-jährig Gräser mampfen,
wenn Karnivoren längst verreckt.

Ein Dauergast ist auch der Rabe,
den wird so schnell man nicht mehr los –
wohl weil er dank der Weisheitsgabe
gebrütet einst auf Odins Schoß.

Ja, mit dem Vlies aus schwarzer Seide
und seinem würdevollen Gang
gleicht wirklich er, bei meinem Eide!,
‘nem Richter 90 Jahre lang.

An Alter ihm noch überlegen:
der Papagei, das Plappermaul –
gewiss des schrillen Fummels wegen,
der Ohs ihm sichert und Gekraul.

Wer kann den bunten Vogel toppen?
Wen hält’s hienieden länger fest?
Hört zu, und ohne euch zu foppen:
Das Tier, das ihr Silvester esst!

Nun, das mit Schale und mit Scheren
sich rosig durch die Tiefen zwackt.
Dem Hummer kann man’s nicht verwehren,
dass manchmal er die 100 knackt.

Und sollte es am Wasser liegen?
‘nem Mitbewohner dieser Flur,
dem Stör, den wir nach Zentnern wiegen,
schlägt 150 gar die Uhr.

Was mag ihm so viel Spaß bereiten,
dass in dem salz’gen Sud er schwimmt
und manchmal nur beim Wellenreiten
auch süßen untern Kiel sich nimmt?

Wir werden es wohl niemals wissen,
der Störfall bleibt uns rätselhaft.
Gewiss nicht, dass als Leckerbissen
dem Menschen er Genuss verschafft!

So wird auch jenes Tier nicht denken,
das träg sich wälzt durchs eis’ge Meer,
wenn in den prallen Speck ihm senken
die Feinde den Harpunenspeer.

Der Eskimo auf karger Scholle,
geht, auch wenn’s reichlich tranig schmeckt,
dem Grönlandwale an die Wolle,
zeigt auch vor Greisen kein’ Respekt.

Der aber, kann er Land gewinnen,
wird eines langen Lebens froh
und mag sich manchmal gar entsinnen
entfernt der Schlacht von Waterloo.

So wären wir denn nun am Ende
mit der Aktion Methusalem?
Ach, wenn sich doch noch einer fände!
Natürlich, bin ich denn plemplem?

Wie sollte sie ich denn vergessen,
für biblisch’ Alter doch bekannt?
Die längste Laufzeit ward gemessen
ja an der Schildkröte. Per Hand!

Die Riesin, Gangart: zuckel, zuckel,
was gut zu ihren Jahren passt,
hat oft schon auf dem breiten Buckel
250 – welche Last!

Limit erreicht. Und wo dazwischen
bezieht der Homo Position?
Gewiss nicht bei den großen Fischen,
nur an den Hummer reicht er schon.

Doch statt dass Freude er empfände,
mit zu den Ält’sten zu gehörn,
scheint 100 ihn als Lebensende
im Grund des Herzens zu empörn.

Denn der Beteuerung zum Hohne,
sein Ziel sei das Elysium,
bringt unsrer Schöpfung Dornenkrone
am liebsten seinesgleichen um.

Anstatt in Ruhe zu verzechen
die Zeit, die rasch genug verstreicht,
bemüht er Schießen, Hau’n und Stechen,
dass er sie gar nicht erst erreicht.

Der Erde einz’ger Kostverächter.
Ein Berserker im Paradies.
Ein geistgestützter Rundumschlächter,
der sich noch niemals zähmen ließ.

Demnach ein Tier? Dass Gott bewahre!
Sinkt denn das Tier auf dies Niveau?
Es raubt sich nicht die Lebensjahre.
Denn sterben muss man sowieso.