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Stets korrekt

Stets korrektWir werden uns daran gewöhnen,
dass anders oft als James er heißt,
und einen Mangel nicht bestöhnen,
der selbst ihn nicht vom Hocker reißt.

Zumindest weiß der kluge Leser
bereits, um wen es heute geht:
Just um den Haus- und Leibverweser
der hohn und niedren Majestät

Den Butler. Mal die Augen schließen:
Was für ein Bild stellt sich da ein?
Ein Frack, um Whisky einzugießen?
Ein Handschuh, weiß wie Elfenbein?

Genau. Indes nur äußre Zeichen
von unbewusstem Seelenleid –
sich stets vergeblich zu vergleichen
mit der erlauchten Fürstlichkeit.

Und da ihm Adel und Vermögen
nun mal gegeben nicht von Haus,
gleicht mit der Art, der nobel-drögen,
den Fehler der Geburt er aus.

Nicht ohne gleich zu übertreiben:
So vornehm ist sein Habitus,
dass den ‘nem König zuzuschreiben
man reiflich sogar zögern muss.

Die fleischgewordene Noblesse!
Genäsel mit Accent aigu!
Ein Mensch, der wohl gar Brunnenkresse
noch filetierte zum Menü!

Und wirkt unendlich überlegen
so leicht blasiert und unterkühlt,
dass man trotz Mantel, Hut und Degen
sich irgendwie erbärmlich fühlt.

Nun, kommt wer, der in solchem Maße
sich der Vollendung schon genaht,
wie Hinz und Kunz einst von der Straße
des Lebens auf den Höllenpfad?

Klar. Doch bemüht, dass er bewahre
auch Contenance im Totenkleid.
Und wirklich: Jetzt erst auf der Bahre
der letzte Grad der Vornehmheit!

Aussichten

AussichtenVoll Neugier lass ich durch die Scheibe
die Blicke wandern in die Welt –
vom Küchentisch in meiner Bleibe,
der mir als Musenpult gefällt.

Da seh ich auch schon diese Dame,
gestützt auf ihre Fensterbank –
o dass nicht Schatten nur sie rahme,
ein Blumennimbus sie umrank

Weil sie so lieblich da gelegen
wie auf ‘nes alten Meisters Bild
und auch der schönen Treue wegen,
die dieser tristen Aussicht gilt

Die heute Abend ausnahmsweise
von allem Finsteren befreit,
da ihr der Mond auf seiner Reise
ein volles Maß an Glanz verleiht!

Grad steht er übern Fahnenmasten
und stellt in seinem Licht sie bloß:
als Hungertücher, die beim Fasten
schlapp vorm Altar und regungslos.

Doch unaufhaltsam kreist er weiter,
ein Raumschiff ohne Halt und Ziel
und folglich ohne Jakobsleiter
und Gästebetten überm Kiel.

Ab der Trabant. Und ein Getöse
erschüttert jäh die bange Nacht –
dies doppelt, ach, Spektakulöse,
das Lärm und bunte Blitze macht!

Ein Fest, mit Feuerwerk zu feiern!
So’n Jahr ist ja nicht an(t)lassarm –
vielleicht ein Löffellauf mit Eiern,
gesponsert von ‘ner Hühnerfarm?

Vielleicht ein sonstiges Geschehen,
das hochgejubelt zum Event –
ein Wettbewerb im Däumchendrehen,
vor und zurück (der neuste Trend!).

Wie immer auch, die ganze Szene
mit Mond, Spektakel, Fensterfrau,
die ich Vers 2 als „Welt“ erwähne,
ist ja die ewig gleiche Schau

Die hier sich meinem Auge bietet
als winz’ger Bühnenausschnitt nur
von einem Platz, der fest gemietet –
Abonnement rund um die Uhr.

Wohl Welttheater? Pustekuchen!
Nicht mal ein derbes Bauernstück.
Guckloch für Typen nur, die suchen
im Winkel ihr bescheidnes Glück.

Wie auch, dass man es hier vermisse?
Die Zeit, verfließend sonst, gebannt
ins ewig Gleiche der Kulisse.
Verhängt die Spiegel an der Wand!

Ein Treffen

Ein TreffenErfrischend, diese Abendkühle!
Wir saßen draußen vorm Lokal.
Die letzten beiden freien Stühle;
na bitte, Glück gehabt noch mal!

Das Plätzchen war nicht zu verachten.
Kaum eingenommen, schäumte Bier.
Und auch den Hunger wir bedachten,
mit Würstchen gut zu stillen hier.

Die Backen hatten was zu beißen,
die Kehle blieb nicht unbenetzt.
Wir mussten uns kein Wort entreißen –
ham munter darauflos geschwätzt.

Kein Wunder. Alte Amtskollegen
sahn wieder sich nach langer Zeit,
da sie des Ruhestandes Segen
vor Jahr und Tag vom Dienst befreit.

Bis auf die üblichen Wehwehchen,
die teilnahmsvoll wir ausgetauscht
(er seine Kur, ich mein OPchen),
ward uns nur Gutes abgelauscht.

Berichte etwa über Reisen
von Singapur bis Hadramaut –
Exotik würzte unsre Speisen,
so heimisch wie das Sauerkraut.

Das Treffen war total gelungen.
Die Straße auch trug dazu bei,
obwohl da manchmal schrill geklungen
das Martinshorn der Polizei.

Ein letzter Schluck. Die Rechnung bitte!
Der netten Kellnerin ade!
Und noch mit halbwegs festem Schritte
vom Beisel raus auf die Allee.

Da trennten bald sich unsre Wege.
Ich nahm den Steindamm, er die Bahn.
Und weitertappend, satt und träge,
sah ich das Unglück auch schon nahn!

Erst die beklagenswerte Puppe,
die honigsüß mich angemacht,
und der ich sagte, bist mir schnuppe,
doch höflich: „Nein, nicht heute Nacht.“

Dann lag wer, Beine angezogen,
direkt in einem Hauseingang,
vom Rausch um jenes Bett betrogen,
in das er sonst sich immer schwang.

Stück weiter und noch jung an Jahren
‘ne Bettlerin, die ‘n Becher streckt
vom kalten Pflaster – ein Verfahren,
das, hofft sie, noch mehr Mitleid weckt.

Dies das Quartier, das wir uns teilen:
Hier Menschen, sorglos im Genuss,
und um zwei Ecken, Häuserzeilen:
die nackte Not im Überfluss.

So hocken Seite wir an Seite
auf Erden hier in einem Boot
und teilen unsres Sitzes Breite –
warum nicht endlich auch das Brot?

Jacke wie Hose

Jacke wie HoseWenn’s stimmt, dass Kleider Leute machen,
dann ist die Folgerung nicht weit,
dass die, die schneidern solche Sachen,
Personen von Bedeutsamkeit.

Und mehr als denen, die nur schneidern,
muss jenen man Bewundrung weihn,
die diesen hochsozialen Kleidern
gestaltend Form und Pfiff verleihn.

Die sind gerade nicht bescheiden
bezüglich ihrer Profession,
indem sie in das Wort sie kleiden
vom „Schöpfer“: Gottes Kollektion!

Und göttergleich sie auch regieren
wie Hirten übers liebe Vieh,
wenn Jahr für Jahr sie uns diktieren
Gesetze wie vom Sinai.

Wohl oder übel heißt es kuschen,
wenn so eins wieder mal ergeht
und uns vom Hut bis zu den Puschen
zum Paradigmenwechsel rät.

Es wär ja auch kaum auszudenken
(ist nicht der Ochse auch ein Beau?),
die schöne Chance zu verschenken,
sich zu erneuern comme il faut!

Ja, die besagten Modezaren
sind auch in Menschenkunde fit
und machen mit den Fummelwaren
entsprechend ihren guten Schnitt.

Was sie auch gerne demonstrieren,
indem sie selbst in bestem Tuch
wie auf dem Laufsteg paradieren
so wie Hansnarr im Märchenbuch.

Gestylt bis in die Fingerkuppen,
von allen Düften Punts durchtränkt,
sind sie so echt wie jene Puppen,
auf die man die Entwürfe hängt.

Die haben wahrlich nichts begriffen,
die freun wie Kinder sich an Tand
und fühln sich in den Arsch gekniffen,
nennt „Kreation“ man schlicht „Gewand“.

Und weil sie die Klamotten schustern,
für eine lumpige Saison,
ham sie die Stirn, sich aufzuplustern
wie’n Gigolo im Tanzsalon.

Doch kann der Finger unten bleiben,
zu mahnen sie an Ziel und Zeit:
Entlarvt es sich nicht selbst, ihr Treiben,
im Doppelsinn der Eitelkeit?

Vom Sang der Leier

Vom Sang der LeierVerträgt sich mit dem Weltgeschehen,
das fürchterlich die Zähne bleckt,
die Lyra, die auf leisen Zehen
die Hörner in den Sand nur steckt?

Verträgt sich mit den Obrigkeiten,
die gerne auf die Pauke haun,
das sanfte Tremolo der Saiten,
die auf den Klang der Stille baun?

Verträgt sich mit des Nächsten Keifen,
den an der Wand die Fliege stört,
Akkord nur um Akkord zu greifen,
der falsche Harmonien beschwört?

Da sei der große Spötter Heine,
das Lästermaul Villon davor,
die ließen Laute von der Leine,
da sträubte sich das Bürgerohr!

Denn ihrer Töne muntre Wellen,
mal heiter und mal sturmbewegt,
musst ja das grobe Wort entstellen,
das Gift und Galle in sich trägt!

(So unser Spießer in dem Wahne,
der Dichter lebe auf dem Mond
und sei dem Gott nur Untertane,
der in olymp’schen Wolken wohnt.)

Drum ohne Zag und ohne Zittern
wirf, Lyra, kühn dich in die Schlacht!
Magst unterm Hieb du auch zersplittern –
den Kampf hast du vorangebracht!

Doch bleib auch für die Töne offen,
die dem verträumten Herzen nah –
dann ist die Welt, auf die wir hoffen,
für einen Augenblick schon da!

Hochsommerhitze

HochsommerhitzeNimmt denn die Hitze gar kein Ende?
Längst sank die Sonne, die sie nährt,
längst lodern auch die Sternenbrände
vom tausendflamm’gen Himmelsherd.

Kein Wind auch, der mit dicken Backen
mal pustet wie in einen Brei,
damit die Temp’raturen sacken
und jene gut genießbar sei.

Da seht die Fahnen, bunte Lappen
als Hoheitsgruß dem fremden Gast,
sie wehn und flattern nicht, sie schwappen
wie faule Wellen um den Mast!

In den Fassaden Lichter blühen
wie Hahnenfuß im feuchten Grund,
als fing das Dunkel an zu glühen
mit jeder weitren Hitzestund.

Es ist nicht anders auszuhalten
als mit der quirl’gen Dienstbarkeit
des Ventilators, dessen Walten
von dem des Schweißtuchs mich befreit.

So hocke ich in meinen Puschen
frontal gewendet zum Gerät,
um in dem Hauche mich zu duschen,
der frisch mir um die Nase weht.

Hielt’s der Poet, der abgebrannte,
nicht ebenso im Dachgeschoss,
als einen Regenschirm er spannte,
weil ihn die Dichtung da verdross?

Ich fürcht, ich werd ihm mehr noch gleichen,
wenn Morpheus mich zur Ruhe klopft
und mir, die Kissen durchzuweichen,
der Schweiß aus allen Poren tropft.

Dann heißt es triefen, troff, getroffen –
Grammatik muss nicht trocken sein.
Doch bleiben alle Fenster offen:
Kommt Kühle, kommt sie auch herein.

In solchen wetterwend’schen Fällen,
wer könnte da was garantiern?
Ich werd das Ding ans Bett mir stellen
und meine Träume ventiliern.

Hüter des Hauses

Hüter des HausesEine der mächtigsten Gestalten,
die wandeln wohl auf Gottes Erd,
ist jener Meister, dessen Walten
so manches Haus das Fürchten lehrt.

(Auf dass man einfach nur vereine
die Substantive sechs und vier,
zu wissen, wen ich damit meine:
Capito? Also weiter hier.)

Meist ist er unscheinbar gekleidet,
begnügt sich mit ‘nem grauen Ton,
weil, denkt er, man ihn eh beneidet
um seine prächt’ge Position.

Er muss auch keine Waffen tragen,
‘n Hammer und ‘ne Zange langt,
die Übel aus dem Feld zu schlagen,
an denen so ‘ne Klitsche krankt.

Wie Petrus an der Himmelspforte
schwenkt er zudem ein Schlüsselbund,
indes als englische Eskorte
ihm dient ein deutscher Schäferhund.

Samt diesen Amts- und Würdezeichen,
mit denen er verwachsen scheint,
sieht man ihn durch die Gänge schleichen,
den Zerberus kurz angeleint

Dass wie ein Polizist auf Streife,
der wachsam seine Runde geht,
im Treppenhaus er seine Schleife
des öfteren am Tage dreht.

Ist er nicht auch ein Ordnungshüter
und stets bereit, sich zu empörn,
sobald rebellische Gemüter
den Frieden im geringsten störn?

Dazu steckt er die Schnüffelnase
nach Möglichkeit in jeden Bau
und kennt vom Opa bis zur Base
den ganzen Stammbaum haargenau.

Und keine Kiste und Kommode,
entgeht dem Kuckuckskleberblick,
er weiß, was gut ist und marode
und wer es dünn hat oder dick.

Ein typ’scher Fall von Herrschaftswissen.
Er kennt zwar nicht den Terminus,
doch kann er ihn auch gerne missen –
er weiß ja, was er wissen muss.

Frau Meier, tach. Wo ich Sie sehe,
erklärn Se mal dem Sohnemann,
dass er da in der Haustürnähe
sein Rad nicht stehen lassen kann!

Und tagte da bei Ihnen gestern
vielleicht der ganze Sparverein?
Ich sitz gemütlich vor ‘nem Western
und denk, gleich stürzt die Decke ein!

Mit Müllers hab ich schon gesprochen,
die warn darüber auch nicht froh,
ham ihr Canasta abgebrochen.
Das sach ich Ihnen nur mal so.

Nicht lange um den Brei rumreden.
Nur immer herzhaft und direkt.
So zieht er munter seine Fäden,
auch wenn’s der Nachbarschaft nicht schmeckt.

Das gilt besonders für die Kinder,
dern harmlos-unbeschwertes Spiel
als Regel- und Verbotserfinder
zu störn ihm immer schon gefiel.

Woraus im Weitergang zu schließen,
dass gern er auf die Schwächsten drischt,
um eine Stärke zu genießen,
die nicht an Stärkeren erlischt.

Doch wird auf ewig es so bleiben,
dass er so herrscht, so unbeschränkt?
Bald wird man einen Nachruf schreiben,
der seiner „herzensgut“ gedenkt.

Dann weilt er schon in Minos’ Höhle,
im Labyrinth der Unterwelt,
gespenstisch wandernd mit ‘ner Töle,
die nur noch wie ein Schatten bellt.

Herr Ober

Herr OberGott und die Welt wird er wohl kennen,
die Gäste wechseln Tag für Tag.
Bis auf den Stamm, der sich nicht trennen
von seinem „Zum Ambiente“ mag.

(Der Name hier ist frei erfunden,
ein solches Haus, das gibt es nicht,
obwohl, ich sag es unumwunden,
im Grunde nichts dagegen spricht.)

Versuchen wir, sie zu beschreiben,
wär das Verbindende wohl dies:
dass ein Gewerbe sie betreiben,
das sie noch niemals hungern ließ.

Die halbwegs seidene Elite,
die gerne mal was Bessres kaut
und für ‘ne Restaurantvisite
nicht kleinlich auf ‘n Fuffi schaut.

Der Kreis, ums noch mal zu betonen,
in dem auch unser Held verkehrt –
allabendlich mit Millionen
inkognito an Geldeswert.

Wer aber so mit reichen Mackern
und Damen umgeht, die mondän,
wird nicht nur gern als Ober ackern
und stets Gewehr bei Fuße stehn

(Geruhten Sie bereits zu wählen?
Die Schnecken…Das Filet…Sehr gern.
Heut ganz besonders zu empfehlen.
Noch mal das Gleiche für den Herrn…)

Nein, irgendwann wird er sich fühlen
in einem geistigen Spagat
so zwischen den sozialen Stühlen
auch selber als ‘ne Art Magnat.

Der Gäste vornehmes Gebaren,
ihr Ruch der Exklusivität,
ist längst ihm schon ins Kreuz gefahren,
das wie ‘ne Fahnenstange steht.

Genauso steif wie seine Miene,
der keine Regung anzusehn,
wenn Worte wie „la haute cuisine“
ihm auf der Zunge glatt zergehn.

Dazu als approbate Würze
ein Näseln, das Noblesse verrät –
so denk ich mir in aller Kürze
den Promi-Kellner als Poet.

(Und ist doch Borcherts Schischyphusch,
der immer Teller schleppen musch,
achtarmig gleich dem Oktopusch,
ergeben wie ein Hindu. Kusch!)

Spaziergang am Spital

Spaziergang am SpitalNur in der Bude Trübsal blasen?
Ein kleiner Rundgang ums Spital!
Putzmunter mümmelten da Hasen
(Kaninchen! Aber reim das mal!).

Der Weg lag wunderbar im Schatten,
die Linden dichtbelaubt: August!
Die hohen Stämme zu begatten,
umhalste Efeu sie voll Lust.

Passanten kamen mir entgegen,
Patienten auch, noch leicht lädiert,
mit Schritten, schlurfenden und trägen,
und mit Bandagen ausstaffiert.

Oft saßen diese auch auf Bänken,
die längs des Hospitals gereiht,
um einer Krankheit zu gedenken,
die schon vom Bettenzwang befreit.

Und immer wieder mir zu Füßen
‘ne Amsel flink im Trippelschritt,
ganz dicht und ohne Angst zu büßen
ihr Zutraun mit ‘nem Hackentritt.

Ich glaub, dass kaum ein Weg sich findet,
der friedlicher und stiller wär,
obwohl zwei Adern er verbindet,
gewichtig für den Stadtverkehr.

(Das alte Bild von der Oase
inmitten einer Wüste X
schafft optisch immer noch Emphase,
und ich bedien mich dieses Tricks!)

Ein kurzes Glück, doch tief genossen.
Nach Hause mit gelöstem Gang,
die Wohnungstüre aufgeschlossen,
die quietschend in den Angeln schwang.

Was störn mich die profanen Wände,
die Bleibe hier im Mietgeschoss?
‘n Katzensprung nur zum Gelände,
dem heil’gen des „Asklepios“!

Von Staatsdienern

Von StaatsdienernWas ist es, des Beamten Leben?
Na, eins der Treue und der Pflicht.
Dem Staat in Liebe hingegeben
mit einer Sorgfalt, die besticht.

Drum sind ihm Dinge übertragen,
„sofern, solange und soweit…“,
die alle andern überragen
an Hoheit und Bedeutsamkeit.

Und dass er sichtbar aus dem Rahmen
des ganzen Apparats auch fällt,
gebührt als Beiwort seinem Namen:
„beamtet“ und nicht „angestellt“.

Er ist befugt zu manchem Akte,
der den Tariflichen verwehrt.
Dazu benutzt er Artefakte
wie Siegel, die metallbeschwert.

Muss man sich wundern, wenn zuzeiten,
von so viel Ehren überhäuft,
dem Mann beim Paragrafenreiten
die werte Galle überläuft?

Was wollen denn bloß all die Leute!
Der eine dies, der andre das –
und alles heute gleich noch, heute:
Bin ich denn Jesus, oder was?

„Nun sagen Sie schon, was Sie wollen,
ich hab nicht alle Zeit der Welt!
Ihr Ausweis also ist verschollen.
Wie ham Sie das denn angestellt?“

Petent/Petentin schrumpft zusammen.
Respektsperson gerät in Brunst,
das ganze Feuer zu entflammen
der amtlich trocknen Redekunst.

Darauf gerichtet, zu belehren,
zu schikanieren in dem Sinn:
„Hübsch langsam mal mit dem Begehren,
mein Gott, wo kämen wir dahin!

Akten, Akten, ganze Fluten,
Akten, Akten, sapperment!
In Faszikeln, Konvoluten
respektive als Retent.

Gerne würde ich mich teilen,
dass ich wie ein Oktopus
achtfach Fälle könnt befeilen,
die ich einhand lösen muss!

Und da kommen Sie und legen
einfach noch was obendrauf!
Ihr Gewissen sollt sich regen,
passen S’ auf die Sachen auf!“

Die Sache zieht sich in die Länge.
Geduld, Geduld, man kriegt Bescheid.
Zum Teufel die Behördengänge!
Staat.de/Verdrossenheit…

Doch nun zurück zu unserm Hammel,
der gerne mal sein Mütchen kühlt
am Bürger, mittels dessen Bammel
sein Ego sich wer weiß wie fühlt.

Er wird dem Schicksal nicht entgehen,
das wenig nach Beamten fragt
und eines schönen Tags sich sehen
beerdigt und bewitwenklagt.

Da liegt er denn im Leinenkleide –
unnahbar nicht mehr; fast intim.
Tut keiner Fliege was zuleide –
die Fliege diesmal aber ihm.