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Schläfrigkeit

SchläfrigkeitEs hat zu regnen angefangen.
Die Straßen glänzen feucht und glatt.
Der Himmel, tief und grau verhangen,
liegt unbeweglich auf der Stadt.

Indes bei milden Temp’raturen.
Das Thermometer zeigt auf zehn.
Ein Hauch von Frühling streift die Fluren;
schon glaubt die Knospen man zu sehn.

Ist drum der Winter abzuhaken?
Noch steht der Februar bevor,
in dessen frisch gestärkten Laken
manch frühe Hoffnung schon erfror.

Wie wenn den Regen wir befragen,
der stumm sich in die Nacht ergießt?
Er wird nichts anderes uns sagen
als philosophisch „Alles fließt“.

Da heißt es in Geduld sich üben.
Gewissheit kriegt man eh ja nie.
Das Wetter ist wie Kraut und Rüben:
Ein Fall der Chaostheorie.

Noch immer hör ich Regen rauschen.
Das geht wohl so die ganze Nacht.
Ich werd im Schlaf ihm weiterlauschen:
Schon schaukelt Morpheus mich ganz sacht!

Hintergrundgeräusche

HintergrundgeräuscheNennt dies man Eremitenleben,
wenn rings man nur die Vögel hört
und lautlos ihre Netze weben
die Spinnen, die kein Lüftchen stört?

Und wenn bisweilen nur ein Knistern
wie’n Funke in die Stille fällt,
sich hin und wieder zu verschwistern
mit einem Knacken wie bestellt?

Na ja, in diesem strengen Sinne,
da fehlt’s mir noch an Einsamkeit,
steck ich vom Knöchel bis zum Kinne
im Lärm, den mir der Nachbar leiht.

Nicht dass da ständig Töpfe scheppern
in kakofon’schem Blechgesang
noch jemand, Teller zu zerdeppern,
sich anschickt alle Naselang.

Auch die uns heut die Medien machen,
die stets beliebte Hausmusik,
hör ich in Tönen nur, in schwachen,
wo ich (im Klo!) den Sender krieg.

Nein, das was mir mit kaltem Schauer
periodisch fährt in Mark und Bein,
das ist, vergiss die dickste Mauer!,
ein Quietschen voll ins Ohr hinein.

Es ist, wie wenn ein Güterwagen
mit Eisenrädern, unbereift,
dem jäh die Bremsung aufgetragen,
ein Stück noch auf der Schiene schleift.

Doch will ich keinem unterstellen,
dass er zu Haus mit Loks rangiert –
in diesen wie in andren Fällen
ein Möbel diese imitiert!

Denn einem Stuhl, auf dem wir hocken,
wie auch ‘nem Tisch, der nicht zu schwer,
lässt leicht sich so ein Laut entlocken,
rückt man ihn rüde hin und her.

Und die Sensibelchen von Nerven
sind hierzulande so gestählt,
um eh’r sie aus dem Gleis zu werfen,
wenn es an solchen Reizen fehlt.

Doch ich, ein Fremdling, hergelaufen,
soll ich die Hiesigen bekehrn
und sie mit Alsterwasser taufen,
als ob sie’s nicht im Jordan wärn?

Bin nicht zum Missionar geboren
und schulde schließlich auch Respekt
dem Usus, der hier ausgegoren
und mir ein bisschen bitter schmeckt!

Kein Grund, den Platz hier zu vertauschen.
Die Nacht macht alles wieder gut:
Ich hör nur leis die Wellen rauschen,
das Flüstern der gewalt’gen Flut.

Zurückgeblickt

TagesrückblickDen Tag lass ich Revue passieren:
Nichts von Bedeutung allerdings.
Zum Amt und wieder heim marschieren.
Es gilt noch immer rechts vor links.

Das Haus steht an der alten Stelle.
Die Treppe führt zum dritten Stock.
Im Flur den Schalter drücken: Helle.
Musik dröhnt mir entgegen, Rock.

Kein Bulle da ’ner Untat wegen,
kein Feuerchen im Winkel pafft.
Verschont von allen Schicksalsschlägen,
lebt friedlich laut die Nachbarschaft.

Mein Bau liegt, wie ich ihn verlassen,
der ganze Schrott am selben Fleck.
Die Latschen an: Na klar, sie passen.
Zu Tisch: Das alte Essbesteck.

Ich muss den kleinen Knopf nur drücken,
dann rattert schon das Radio los.
Verlässlichkeit → Vertraun → Entzücken.
Gefühle wie in Abrams Schoß.

Des Nachbarn tierisches Gegröle
hallt pünktlich durch die Küchenwand.
Zur Schnecke macht er seine Töle,
als wär’s ein Wesen mit Verstand.

Und wie ich mit der Kunst poussiere
und aufs Papier Gestammel klecks:
Das gleiche Bürschchen und Geschmiere
wie gestern und die Jahre ex.

Der einz’ge Wandel, den ich sehe,
das ist der Staub, der höher liegt.
Allmählich häuft er sich zur Wehe –
bis er sich einst zum Hügel biegt.

Bräunungsfaktor

BräunungsfaktorEin Sonnentag der ersten Güte,
wie er dem jungen Lenz gebührt,
der Kugeln schon (Akazienblüte!)
für seinen Sieg ins Feld geführt.

Die Hülsen seiner prallen Schüsse,
da liegen sie versprengt am Grund,
vergilbt, verschrumpelt wie die Nüsse,
doch nichts für den verwöhnten Mund.

Kein Kunststück, sich da auszumalen,
dass hier ein zäher Kampf getobt
und ihre Kräfte die Rivalen
bis hin zum Äußersten erprobt.

Dann der gewohnte Scherbenhaufen.
Wer überlebt, der triumphiert,
um mit der Krone Schau zu laufen,
die er beim nächsten Streit verliert.

Doch sachte, sachte. Stopp das Ganze
und mit der Spule mal zurück.
Den Frühling jetzt im Siegenkranze,
ja, noch nach links ein kleines Stück!

Nun sind wir wieder an der Stelle,
wo oben uns die Sonne schien
als kämpferische Wärmequelle,
die ihm den Lorbeer erst verliehn.

‘ne Schande wär es da gewesen,
hätt man zu Hause nur gehockt
und brav im Tageblatt gelesen,
was heute in der Welt verbockt,

Statt dass mit Hemd und offnem Kragen
man selber vor die Tür geschaut,
um schleichend Kapital zu schlagen
aus diesem Licht für Herz und Haut.

Gesagt, getan. Ich ging ‘ne Runde
dem Meer um seinen schaum’gen Bart,
dass mir der Pelz so nach ‘ner Stunde
gebräunt, getoastet und gegart.

Doch weit entfernt von diesem Grade
der pfannenhaften Knusprigkeit,
die einen Anstrich von Panade
des Hochseefischers Teint verleiht!

Ihr meint, ich müsst nicht richtig ticken
mit so ‘nem Bild von Konterfei?
Ich seh sie doch tagtäglich flicken
die Netze auf dem Platz am Kai!

Da kauern sie auf bloßer Erde,
egal, wie hoch die Sonne steht,
dass Masche, Masche fertig werde
ihr eingerolltes Fanggerät.

Und sind den violetten Kräften
genauso offen ausgesetzt
wie was man in den Grillgeschäften
so durch die Mikrowelle hetzt.

Genug. Ich muss die Kurve kriegen,
sonst läuft’s auf ‘ne Ballade raus –
und schleunigst lasse links ich liegen
das Netzwerk mit dem Ruch des Taus.

Mir kommt’s nicht wie manch‘ Zeitgenossen
nur deshalb auf die Sonne an,
weil auf der Jagd ich nach dem krossen
Gesichtsfleisch à la Lebemann.

Viel lieber gehe ich spazieren,
an der Natur mich zu erfreun.
Da mag’s bei Sonnenschein passieren,
dass ich so nebenher mich bräun.

Dachschmuck

DachschmuckAuf hohem Dache eine Fahne,
die aus drei Farben wohl besteht.
Aus Schwarz, das ich nur dunkel ahne,
aus Gelb und Rot. Die Fahne weht.

Schon ist die Nacht hereingebrochen.
Die Fahne, ganz in Licht getaucht,
glänzt bleich und blutlos wie ein Knochen,
wie heiß ihn der Samum behaucht.

Am Mast, stocksteif und aufgeschossen,
bewegt verknittert und verbeult
ihr buntes Tuch sich unverdrossen
im Wind, der übern Dächern heult.

Darüber als ein luft’ger Rahmen:
Der graue Himmel, weit und hohl.
O wie viel Hass in ihrem Namen,
o wie viel Blut für ein Symbol!

„Bei dieser Fahne will ich’s schwören!“
„O heilig vaterländisch Tuch!“
„Die Farben, die nur uns gehören!“
„Dem Feind und seinem Fetzen Fluch!“

Das hebt den Menschen ab vom Tiere:
Er beißt nicht los wie’n scharfer Hund.
Bevor er höhnt und kreischt „Krepiere!“,
braucht sein Gewissen einen Grund.

Der Gründe gibt’s indessen viele,
daran wird niemals Mangel sein –
und so ein Stoff an steifem Stiele,
der reiht sich da ja nahtlos ein.

Verletzlich ist des Menschen Ehre,
die sich an tausend Dinge hängt
mit bleierner und blinder Schwere
– und tödlich, fühlt sie sich gekränkt.

Ach, was für düstere Gedanken!
Gewiss bin ich nur eingenickt,
dass kurz in einen Traum sie sanken,
den mir ein böser Alp geschickt.

Nun weiter ohne abzuschweifen:
‘ne Fahne hell im Strahlerlicht.
Wie hübsch die beiden farb’gen Streifen!
Den schwarzen Streifen sieht man nicht.

Etwas Frohsinn

Etwas FrohsinnNa bitte, geht doch, lauthals lachen
kann man in diesem Hause auch,
wo meistens nur die Türen krachen
nach antifonischem Gefauch.

Und wo die liebenswerten Kleinen,
die man zu Duckmäusern dressiert,
des Öftern herzerweichend weinen,
weil man ihr Seelchen ignoriert.

Lang könnt ich im Gedächtnis kramen
und käm so was nicht auf die Spur –
die Fröhlichkeit fällt aus dem Rahmen
der häuslichen Geräuschkultur.

Und klingt mir deshalb in den Ohren
nur umso lieber allemal,
als wenn wie sonst, humorverloren,
man kläffend diesen sich empfahl.

Wer aber, blabla, mein Erstaunen,
als dies Empfinden stärker noch
und durch die Wände wie ein Raunen
es, blabla, in die Muschel kroch?

Ein Liedchen, leicht dahingeträllert
in jugendlichem Überschwang
und schön mit Worten unterkellert,
in deren Dunkel ich nicht drang.

Na, wird wohl an der Woche liegen,
die zuläuft auf das Osterfest
und sich aufs Bunte-Eier-Kriegen
den Christenmenschen freuen lässt.

Man muss nicht an der Kasse kleben,
wo tausend Kunden defiliern,
um aus dem Korb aufs Band zu heben,
was nach der Zahlung sie kassiern.

Man muss nicht mit dem Hammer hauen
bei Leuten, die man sonst nicht kennt,
um hübsch ein Nestchen auszubauen,
wie man es nie sein eigen nennt.

Und losgelöst von allen Pflichten,
die so der Alltag mit sich bringt,
muss nach sich selbst man nur noch richten –
was an und für sich schon beschwingt!

Ich schließ daraus: Mehr Feiertage,
und schon das Barometer steigt
der allgemeinen Stimmungslage,
die mehr zu Mußestunden neigt.

Das aber, meint der Arbeitgeber,
wär Gift für unser Glückssystem,
wenn jeder frisch nur von der Leber
beliebig zur Maloche käm.

Was mag er unter Glück verstehen?
Was man an laus’gem Lohn gewinnt,
der, magst du jeden Cent umdrehen,
dir untern Fingern gleich zerrinnt?

Vielmehr wird ihn die Sorge treiben,
dass ihm an Reibach was entgeht,
falls fern die Antriebskräfte bleiben
der Mühle, die für ihn sich dreht.

Wie dem auch sei: Nicht räsonnieren,
was nur den schönen Eindruck schwächt.
Oh, jetzt Gesang zu dritt, zu vieren –
so wär’s mir jeden Abend recht!

Mammonitis

MammonitisAuf einmal in die Welt geschmissen,
als ob du einen Dreck nur giltst,
wolln alle plötzlich von dir wissen,
wie diese du verändern willst.

Denn jene, die darin schon hocken,
ha’m dafür selber kein Rezept
und wolln der Neugeburt entlocken,
was sie an Weisheit mit sich schleppt.

Um eine Antwort nicht verlegen,
orakelt unser Frischling frei
mit flinken feuchten Zungenschlägen,
dass Pampe wohl das Beste sei.

Und, bitte sehr, die Neunmalklugen,
schon haben sie ihr Lustobjekt
und lehrn, die Welt ging aus den Fugen,
wenn man nicht fleißig Pampe schleckt.

So, etwas überspitzt gesprochen,
nimmt Überzeugungen man an –
so einfach übers Knie gebrochen,
nicht lange fragend, was daran.

Das sind mir schöne Kantianer:
Die reinste Feigheit vorm Verstand!
Der tapfre Königsberger Mahner
hätt sich mit Grausen abgewandt.

Auch heut noch tappt die Menschenmasse
im Dunkel der Unmündigkeit
wie’n bäuerlicher Hintersasse
zur gnadenreichen Gutsherrnzeit.

Wobei man jetzt nicht mit der Knute
die krit’schen Geister überzeugt,
dass nur zum Wohl von Herrn und Gute
man schweigend seinen Nacken beugt.

Nein, kaum dem Junkerjoch entkommen
und aller Obrigkeiten frei,
hat man ein neues angenommen,
dass Mammon untertan man sei.

Und nur aufs Fressen ausgerichtet
wie jeder Straßenköter auch,
am höchsten man das Moos gewichtet
als nöt’ges Polster fürn Verbrauch.

Und falls sich mal den „höhren“ Fragen
die satte Seele stellen mag,
dann weiß sie noch aus Kindertagen:
Die Antwort kennt der Kirchentag.

So futtert man sich durch das Leben
wie durch die süße, dicke Wand,
nach der die Schlemmer alle streben
zum Durchbruch ins Schlaraffenland.

Doch fortgesetzte Paradiese
(erst irdisch, dann im Himmel wo)
entspringen nur der Expertise
des Geists auf bloßem Wunschniveau.

In Wirklichkeit weiß kein Schamane,
egal von welchem Betverein,
ob wir nach Charons düstrem Kahne
erneut uns in den Stammbaum reihn.

Gewiss ist nur, dass uns schon morgen
Freund Hein die Rechnung präsentiert.
Wird Mammon uns fürn Aufschub borgen?
Ja, wie ‘ne Jungfrau, die gebiert.

Carpe diem

Carpe diemEin Tag, die schönste Gottesgabe,
indes nicht ohne Bitterkeit.
Am Morgen stolz empfangne Habe,
Gelump zur Abendzeit.

In aller Herrgottsfrüh geboren,
wirkt frisch er und voll Tatendrang.
Doch mittags geht sein Schwung verloren,
verpufft zum Abgesang.

Bald liegt er in den letzten Zügen,
Punkt zwölf dann Aus und Exitus.
Bewein ihn. Doch du musst dich fügen.
Die Zeit bleibt stets im Fluss.

Auf dieser Fahrt der Nacht entgegen,
auf der man nie sein Ziel verfehlt,
wen hätte, Hand an sich zu legen,
nicht schon der Wunsch beseelt?

Doch einen solchen Trip zu buchen,
das wäre wohl zu kühn gewagt.
Muss ich denn grad die Hölle suchen,
wenn Höllenfurcht mich plagt?

Heroisch ist es auszuharren,
wenn dich Verzweiflung übermannt.
Du nennst verfahrn den Weltenkarren?
Zieh selbst, davorgespannt!

Und wär’s in Nano nur zu messen,
dass du ihn aus dem Schlamm bewegst,
dein Leben hätte Sinn besessen,
wenn du zur Ruh dich legst.

Kein Jammern also und Theater,
wenn Voland auch die Sense wetzt.
Ich halt’s wie Fredmans Dichtervater:
Den Krug hoch bis zuletzt!

Ein Vivat fröhlich diesem Tage,
der sich, auch er, zu Ende neigt.
Gab er denn Anlass mir zur Klage?
Nur dass er geht und schweigt.

Im Schöpfungsplane fehlt „Verweilen“;
was sich bewegt, tut’s ohne Rast.
Befehl an Sterne: Eilen, eilen,
Befehl ans Dasein: Kurzgefasst!

Drum lass ich in den Becher fließen
den Wein, als ob ich Bellman wär,
die Stunden selig zu genießen
mit Liedern so wie er.

Heilslehrer

Heilslehrer1Na, kommt doch schneller durch die Schranken,
die meinem Brägen vorgebaut,
und naht euch zügig den Gedanken,
die wundersam er schon geschaut!

Ihr glaubt, dass sie den euren gleichen?
Ein Holzweg, wertes Publikum!
Da eure in der Gosse schleichen,
weiln meine im Elysium!

So hat er wörtlich nicht gesprochen,
der Bursche, der mich fast geschafft,
als heut ich meine müden Knochen
zu einem Ausflug aufgerafft.

Doch sinngemäß – wenn ich bedenke,
was er da so vom Stapel ließ
am sonn’gen Plätzchen vor der Schänke,
wo unversehns er zu mir stieß.

Ich sag mal: Hippie alter Schule,
der die Verspießerung verschlief –
und voll noch hatte auf der Spule
den ganzen Esoterik-Mief.

Kaum dass ich nur ‘ne halbe Stunde
dem Guru höflich zugehört,
hat er mit Kreuz- und Karma-Kunde
mich hirschgerecht schon vollgeröhrt.

Den ganzen Katalog der Weisen,
den die Geschichte uns tradiert,
ließ flink er auf der Zunge kreisen
wie wer mit Bällen rumjongliert

So von der Rechten in die Linke
und vice versa unverwandt,
dass Christ und Buddha sich die Klinke
mit Laotse gaben in die Hand.

In gleicher Weise hielt vom Leben
er nach dem Tod nicht hinterm Berg,
dass mit der Seele Weiterschweben
er mir die weichen Knie stärk.

Klar, dass die Götter, die uns lieben,
behütend uns von früh bis spät,
die Speisen uns auch vorgeschrieben,
uns zu erlösen per Diät.

Und auch beim Kampfe, den Dämonen
mit Engeln fechten um die Welt,
würden sie reichlich den belohnen,
der’s mit den guten Geistern hält.

Warum ihn so viel Weisheit ziere
nebst Heilungskraft bei Knochenbruch?
Weil er in Höhlen meditiere
und lauschend auf der Erde Spruch!

Nun, so ein Lehrer oder Heiler
lebt sicher komfortabel hier
und hat im nächstgelegnen Weiler
gewiss ein himmlisches Quartier.

Ich frag: ‘ne Finca seine Bleibe,
in der er nur als Wächter wohnt,
dass dreiste Diebe er vertreibe,
für die das Gartenobst sich lohnt.

Hat er nicht unter Mangoblüten
sein Domizil geschickt gewählt,
um in der Stille auszubrüten,
was seiner Weisheit wohl noch fehlt?

Von Lauten und Leisen

Von Lauten und LeisenGewiss, gewiss, wenn es beim Sprechen
um die Geschwindigkeit nur ging,
wär ich mit meinem Radebrechen
wohl ein verträumter Schmetterling.

Ich lad nicht gerne meiner Zunge
des Vollbluts leichten Sattel auf,
dass sie mit wahrer Pferdelunge
den Laberlorbeer sich erlauf.

Eh’r teil ich in bedächt’gem Trabe
mit sicherem und festem Schritt
das, was ich so zu sagen habe,
dem Lauscher gegenüber mit.

Und immer in der Muttersprache,
was sich für mich von selbst versteht,
da ich ‘ne andre nur als Brache
des Worts besitz, die dünn besät.

Doch andre Völker, andre Sitten.
Vielleicht bin ich ein Sonderfall.
Denn Nacht für Nacht sitz ich inmitten
der Nachbarn wüstem Redeschwall.

Der einerseits der Schnelle wegen
und andrerseits der Klanggewalt
mir niemals nur als Abendsegen
für ungetrübten Schlummer galt.

Ja, ungewollt sein Ohr geliehen
dem Donner, der die Stille bricht,
erfährt’s, was hinter Jalousien
verborgen sonst vorm Tageslicht.

Doch um es ehrlicher zu sagen:
Verstehn tu ich’s nur insoweit,
als öfter jemand platzt der Kragen
im fortgesetzten Ehestreit.

In diesen Breiten, zugegeben,
geht man mit Lärm zwar freier um,
doch wenn so hoch sich Stimmen heben,
nimmt man’s auch hier den Leuten krumm.

Daraus zieh ich für mich die Lehre:
Auch hier wär jetzt die Stille tief –
wenn halt nicht dieses Klopfen wäre
am Haussegen, der wieder schief.