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Nase verstopft

nase verstopftWie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen,
der im Gesicht sich grade offenbart.
Wisch von der Nase dir den ew’gen Tropfen,
und schnäuz dich, dass die Röte sie bewahrt!

Kannst du noch für ’nen ganzen Menschen gelten,
wenn aus den Nüstern dir die Bilge leckt?
Nein, vom Gesunden trennen, ach, dich Welten,
der’n Riecher kühn in alle Winde reckt.

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen,
wenn dir die Birne dröhnt wie’n Glockenstuhl,
in dem frenetisch alle Klöppel klopfen,
als käm mit Heeresmacht der Großmogul.

Man traut sich ja nicht mal mehr unter Leute!
Du denkst: Pack die Gelegenheit beim Schopf –
ein kleines Schwätzchen; „Schönes Wetter heute.“
Da fegt ’ne Hustenbö dir aus dem Kropf!

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen:
Die Klüsen rot wie nach durchzechter Nacht.
Dann lieber doch mit Reben oder Hopfen
dem Bacchus dieses Opfer dargebracht!

Man möchte sich wer weiß wohin verkriechen.
Man fühlt sich wie’n Rosinenbrötchen schlapp.
Man kann nichts mehr vernünftig schmecken, riechen.
Man ist so grade noch am Leben, knapp.

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen.
Die Nase läuft, als flöss das Hirn dir aus.
Hast du mit wem ein Höhnchen noch zu ropfen?
Verschieb’s – er macht dich Mickrigen zur Maus!

In allen Ecken Taschentücher lungern,
dass sie zum Niesbrauch unverweilt zur Hand.
Der Zinken soll nach Windeln ja nicht hungern,
wenn ihm der Rotz mal wieder durchgebrannt.

Ach, Schluss! Ich werd die Ohren mir verstopfen.
Will nichts mehr hörn von diesem kranken Kram.
Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen –
jetzt legt er mir sogar die Hand noch lahm!

Lästiger Gast

lästiger gastVor einer Woche ist er aufgekreuzt,
bezog im Oberstübchen sein Quartier.
Seitdem hab ich mich tausendmal geschnäuzt,
den Müll bekränzt mit fleckigem Papier.

Er gilt mir zwar als unwillkommner Gast,
doch werd ich ihn nicht ohne Weitres los.
Was hab ich ihm für Sächelchen verpasst –
doch leider schert er sich darum nicht groß!

Ich aber wurd zum wahren Jammerbild:
Im stolzen Haupte haust die nackte Not.
Es hämmert drin, dass mir der Schädel schwillt,
die Augen rändert trübe trocknes Rot.

Und meine Kehle, der sich schön entringt
so mancher Laut, dem Ausdruck ich verleih,
wie eine Kräh im Feld des Herbstes singt
und hebt und senkt wie Nebel sich dabei.

Erwehr mit Schweigen ich mich dieses Leids,
das Stimme mir und Stimmung gleich vergällt,
befällt es ab und zu ein Hustenreiz,
der wütend wie ein Straßenköter bellt.

Nun, diese Sorte Gäste kenn ich schon:
Dass sie nicht ewig bleiben ist mein Trost.
Auch meinen hält`s nicht mehr bei dem Patron –
noch ein, zwei Tage wohl. Na, denn mal prost!

Poetentraum

PoetentraumVon rechts fällt aus der Küchenecke
das Licht mir schräg ins Stübchen rein,
dass schummrig es den Raum bedecke
mit safrangelbem Dämmerschein.

Von links brennt eine Straßenlampe
sich bernsteinfarben in den Store,
dern Glas so prall wie eine Wampe
im sel`gen Augustinerchor.

Und vorne vor der Nase grade,
erzitternd in der linden Luft,
in seines Wachses weichem Bade
ein Flämmchen mit Vanilleduft.

Das sind so ziemlich alle Quellen,
die mir erleuchten mein Papier,
wenn ich, den Musen mich zu stellen,
Gedichte ihnen apportier.

Dass auch aus meiner eignen Birne
ein Fünkchen sich dazugesellt,
hab ich zu sagen nicht die Stirne,
bevor ihr Urteil sie gefällt.

Ich lege meine Meterware
beharrlich ihnen vor das Tor,
dass ihnen einst der Ruf entfahre:
„Nicht übel, Bursche, tritt doch vor!

Die Kunst, mit der du dies gewoben,
macht selbst uns Götterschwestern Spaß –
wenn auch noch fern von der hier oben,
so höher doch nach Menschenmaß.“

Mit einem Herzen zum Zerspringen
trät ich in ihre Hallen ein,
voll Ehrfurcht, ihnen darzubringen,
wofür sie Lorbeer mir verleihn.

Was gäb es dann noch zu verlieren?
Gedichte auf Parnass-Niveau –
und wenn sie damit tapezieren
am Ende nur ihr Musenklo!

Muttersprache

MutterspracheKommt ihr gut klar mit dieser Gabe,
die in die Wiege uns gelegt?
Ich da so meine Zweifel habe,
trau dem Verein mehr, der sie pflegt.

Wenn heftig ich um Reime ringe
und hab das rechte Wort gekürt,
zieht enger sich wohl auch die Schlinge,
die mich des Irrtums überführt.

Was für das Einfachste wir halten,
weil’s leicht uns von den Lippen geht:
Ein ständ`ger Grund zum Haarespalten
und Fehlerquell von früh bis spät!

O wie viel Fischlein da im Teiche,
der von Millionen Lauten tönt
und dass man aus dem Weg sich weiche,
an Regeln des Verkehrs gewöhnt!

Wie daraus Hecht und Hummer angeln,
wenn er auch reichlich Stint enthält?
Da heißt es oft des Glücks ermangeln,
weil Gammel in die Maschen fällt.

Der Edelfisch, den wir goutieren,
entkommt dem Haken dennoch nicht.
Darum nur nicht den Mut verlieren-
Geduld ist erste Anglerpflicht!

Ein windiger Tag

Ein windiger TagWind, Wind, warum denn dieses Feuer,
das deiner Lunge du entringst,
dass mit `ner Glut, die ungeheuer,
du gar das Meer zum Kochen bringst?

Was für ein Wellen und ein Wogen
hast aus dem Wasser du gestampft,
mit Wolkenqualm es überzogen,
wie er in Hexenküchen dampft!

Vom Mond natürlich keine Rede
und von den Sternen keine Spur –
wie immer liegst du ja in Fehde
mit andern Mächten der Natur.

Wie gierig saugst du an den Spitzen,
die aufgeworfen deine Wut,
dass weißen Gischt sie um sich spritzen
als ihrer Adern salz`ges Blut!

Wie sinnlos wirfst du auf die Klippen
die Brandung, die sich panisch bäumt
und, Hals gebrochen jäh und Rippen,
verebbend sich im Meer verschäumt!

Hier lass ich mein Lamento enden,
weil ich zu Hause angelangt
und mir in sturmerprobten Wänden
nicht vor dem Ohrenbläser bangt.

Doch da er sich in seiner Hitze
auch polternd gegen Türen stemmt,
hab ich die meine an der Ritze
schön mit `nem Zettel festgeklemmt!

Wieder Streit

Wieder StreitIst erst die Liebe mal erkaltet,
entflammt sie meistens Bitterkeit,
und im verstörten Herzen waltet
die Asche einer süß`ren Zeit.

Doch die vulkanisch einst gewesen,
noch immer so von Funken schwirrt,
dass manche Frau dadurch zum Besen
und mancher Kerl zum Ekel wird.

Ihr ahnt schon, dass ich diese Zeilen
nicht ohne Not dahingeschmiert
und dass Erlebnisse dran feilen,
die jüngst mir selber erst passiert.

Doch ehe wir nun weiterwandeln,
erbitt ich eure Diskretion –
denn grad von meinen Nachbarn handeln
die Verse hier in dem Sermon.

O.k., ihr wollt darüber schweigen:
Ich danke euch und fahre fort.
Um ihre Meinung sich zu geigen,
falln sie beständig sich ins Wort.

Heißt: In des Weibes helles Keifen
mischt sich des Mackers Unverstand,
zu brummig, jemals zu begreifen,
was sie an ihm zu tadeln fand.

So geht das dann aus voller Lunge,
ich hab nicht auf die Uhr geschaut,
bis endlich Müdigkeit der Zunge
ihn übermannt, sie überfraut.

Von Herzen wünsch ich ihnen Frieden,
aus Egoismus nicht zuletzt,
weil mir die Gabe nicht beschieden,
zu grübeln, wenn es faucht und fetzt.

Im Übrigen würd ich beschwören,
dass wenn`s um Leidenschaften geht,
der Sinn genau herauszuhören,
auch wenn das Wort man nicht versteht.

Dies scheint mir sicher zu beweisen,
dass nicht rein geografisch nur
Europa als geeint zu preisen –
nein, auch als eine Streitkultur.

Die Könige kommen

Die Könige kommenFühlt unter Wundern, unter Zeichen
man sich im Glauben nicht bestärkt?
Da kann ein Regenbogen reichen,
den jäh am Himmel man bemerkt.

Hat so nicht einst den Bund besiegelt,
den Jahve mit den Juden schloss,
der IrisSchopf, der schön gestriegelt
in Kurven auf die Erde floss?

Dreikönigstag. Die Majestäten,
anstatt Kamelen unterm Stert,
ham für den Aufmarsch sich erbeten
`nen Lieferwagen als Gefährt.

Da thronen sie in bunten Trachten,
die ein gewalt’ger Turban krönt,
indes nach Süßigkeiten schmachten
die Kinder, die nicht goldverwöhnt.

An Weihrauch ebenso wie Myrrhe,
die an die Krippe einst gelegt,
herrscht heute eh ja große Dürre,
weil Krösus selbst zu sparen pflegt.

Die Kirche aber, nie verlegen
um Tricks, die Welt zu hintergehn,
behilft sich mit `nem Bontje-Regen,
der schön wie Manna anzusehn.

So zieht sie hin, die Karawane,
dass laut es durch die Straßen hallt,
indem auf rollnder Ottomane
sie zu den Gotteshäusern wallt.

Da macht sie jeweils eine Pause
für ein, zwei Augenblicke dann,
weil hier ja Jesus auch zu Hause,
vertreten durch den Gottesmann.

Die Stimmung: feierlich gehoben,
wie sich`s fürn Staatsbesuch gehört,
den auch der dunkle Himmel droben
nicht mit `ner kalten Dusche stört.

Obwohl sich immer schwärzer ballen
die Wolken , die da eilig ziehn,
doch ohne dass noch Tropfen fallen
auf Purpur und auf Hermelin.

Statt dessen wölbt ein Regenbogen
sich lächelnd über ihn hinweg
und senkt, o Wunder, ungelogen
sich haargenau auf diesen Fleck!

Freizeitgestaltung

FreizeitgestaltungBist du nach langem Arbeitsleben
davon auf Ewigkeit befreit,
was solln die Tage dir noch geben,
nach denen der Beschäft`ge schreit?

Die schönen Sonn- und Feiertage,
der Urlaub, der bedächt`ger flieht,
und selbst die man in Rückenlage
vom Krankenbett verdämmern sieht?

Das Farbenspiel auf dem Kalender,
der wechselweise schwarz und rot,
bedeutet nichts dem Sechzehnender,
dem ja der Abschuss nicht mehr droht!

Das ganze Jahr liegt ihm zu Füßen
als Tummelplatz der Festlichkeit,
und jeden Tag kann er begrüßen
als Botschafter der freien Zeit.

Doch freut er sich in gleicher Weise
an den geschenkten Stunden satt
wie der, der noch im alten Gleise
die Schippe in den Fäusten hat?

Muss nicht der Überfluss an Muße
in ihrem Wert sie reduziern,
dass wir als jener Freiheit Buße
dafür den Spaß daran verliern?

Ums ökonomisch auszudrücken:
Der Nutzen, den ein Ding uns schenkt,
und sei es, um den Tag zu pflücken,
an sparsamer Verwendung hängt.

Da liegt der Finger in der Wunde:
Was einst wir uns herbeigehofft,
entpuppt sich nun zur späten Stunde
als Langeweile allzu oft.

Indes sich dies bewusst zu machen
ist ja schon Teil der Therapie –
nur so kann Funken man entfachen
aus seiner grauen Apathie.

Noch Fragen? Ihr müsst selber wissen,
wie ihr die Tage euch vertreibt.
Ich jedenfalls möcht keinen missen,
an dem die Hand nicht so was schreibt.

Wetterkapriolen

WetterkapriolenAn manchen Tagen möcht man meinen,
die gute Erde sei beseelt.
Grad heute scheint sie mir zu weinen,
als ob ihr irgendetwas fehlt.

Die Tränen haben sich gefangen
am flachen Fenster-Firmament,
begrenzt durch die Gardinenstangen
und durch das Holz der Tür getrennt.

Den Juli wird sie wohl beklagen,
der wieder gründlich ihr missriet.
Die Hitze ist nicht zu ertragen:
In Fett erglänzt schon jedes Glied.

Feist kam die Schwüle angekrochen
wie eine Schlange in ihr Nest.
Passionszeit in den Sommerwochen,
die Perln dir aus den Poren presst.

Doch Regen lauthals zu verspritzen,
krümmt diesem Ringeltier kein Haar,
denn nach dem Donnern und dem Blitzen
ist alles wieder wie es war.

Die Zeit ist aus dem Lot geraten,
Prognosen kommen ihr nicht bei.
Die Wetterfrösche liefern Daten –
und Petrus reißt sie gleich entzwei.

Des Bauern Weisheit wie schon immer
am zuverlässigsten noch ist:
Es bleibt, wird besser oder schlimmer,
sooft der Hahn kräht auf dem Mist!

Stummgeschaltet

StummgeschaltetDie Brandung hör ich heut nicht rauschen,
den Wind nicht rütteln an der Tür,
mag noch so ich ins Dunkel lauschen
mit stethoskopischem Gespür.

Ich liege warm in meinem Kissen,
die Decke bis ans Kinn gerafft,
und kau an den Gedankenbissen,
die flüchtig mir das Hirn verschafft.

Von meinen unsichtbaren Füßen
`ne grade Linie fortgedacht,
käm aus der Stube sie, der süßen,
rasch in die raue Meeresnacht.

Von meinen unsichtbaren Händen
`ne grade Linie fortgedacht,
wär sie aus festgefügten Wänden
in schwanke Wellen schnell gebracht.

Nur Schritte sind es bis zum Strande,
der oft mit Spitzen sich besäumt,
wenn wütend auf die trocknen Lande
die Woge ihren Geifer schäumt.

Von meinen unsichtbaren Knochen
`ne grade Linie fortgedacht,
hätt bei Polypen sie und Rochen
schon nach Sekunden haltgemacht.

Noch größer könnte wohl die Nähe
zu diesem Wasser gar nicht sein,
es sei denn, dass ich nachts die Zehe
im Liegen tauchte darin ein.

Ihr Mächte, die ihr sonst entfaltet
der Tiefe ganzen Lautbestand,
was hat euch heute stummgeschaltet,
so stumm wie dieser Ufersand?

Wollt mit dem Schweigen den ihr mobben,
den sonst ihr gern in Schlummer singt?
Ich zähle Schafe, zähle Robben –
was höchstens mich auf achtzig bringt.

Und wie ich noch so bei mir denke,
dass selbst `ne Nadel, die jetzt fällt,
weil sie ja weich ins Wasser sänke,
sich ihrer Stimme wohl enthält,

Bemerk ich, wenn die Ohrn nicht trügen,
im Hause wo ein Atmen leicht,
wie es mit regelmäß’gen Zügen
dem Auf und Ab des Meeres gleicht.

Willkommne Laute! Nehm sie gerne
als Wiegenlied für heute an –
und lass für Wellen, Mond und Sterne
die Stille, die mich jetzt mal kann!