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Verwandtschaftsbande

VerwandtschaftsbandeNatürlich haben wir den Affen
nicht ausgesprochen viel voraus.
Das Leben hat uns gleich geschaffen
im groben Kleid des Körperbaus.

Dern Beine kürzer, Arme länger,
die Augen höher im Gesicht –
allein für Glaubensrattenfänger
noch Unterschiede von Gewicht.

Und auch, was diese gern behaupten,
ist eben nicht des Pudels Kern:
dass geistig wir so hoch uns schraubten,
dass jenen wir unendlich fern.

Mag sein zwar, dass des Menschen Brägen
mehr Masse auf die Waage bringt
und diesen ganzen Zellensegen
zu engeren Kontakten zwingt

So dass auf den gefurchten Fluren
in großer Vielfalt Frucht gedeiht,
dern oftmals unheilvolle Spuren
zum Buch man der Geschichte reiht.

Doch dafür tat auch Jahrmillionen
der Mensch sich mit dem Fortschritt schwer
und half sich mangels von Neuronen
mit Faustkeil aus und Schleuderspeer.

Der Sprung hat niemals stattgefunden
vom dumpfen Dämmer gleich ins Licht –
ein Bär, den die uns aufgebunden,
denen ’s an Märchen nie gebricht.

Doch dieses ganze Geistgelaber
ist eh nur Augenwischerei –
wie’n Tier muss ohne Wenn und Aber
er in die Kiste eins, zwei, drei!

Der alte Egotrip

Der alte EgotripNun, als Geschlecht von Karnivoren
sollte uns das geläufig sein:
Man ist zum Frieden nicht geboren
und eher Wild- als Kobenschwein.

Seh ich die Menge der Verbrechen,
die selbst in Staaten schon passiern,
wo Richter meistenteils sie rächen
und sie durch Gitter minimiern –

Was soll ich von den Gräueln halten,
die ‘ne brutale Mörderbrut
im Rücken schwacher Herrschgewalten
an ungeschützten Völkern tut?

Und die von Ehrgeiz angetrieben
nach Macht und Münze unentwegt,
die alten Wölfe doch geblieben,
in denen sich kein Mitleid regt?

Und was von dieser Menschenmasse,
die sich ‘nes guten Rufs erfreut
und doch im Winkel ihrer Gasse
dem Nachbarn tausend Gifte streut?

Bilanz: Was alle sie vereinigt,
ist Selbstsucht als ihr Leitmotiv,
um ein paar Weicheier bereinigt,
die machen sie nicht weiter schief.

So ist auf jeweils eigne Weise,
über das Trennende hinweg,
der Mensch stets auf Erob‘rungsreise,
den Geist der Hölle im Gepäck.

Kann er ein Schnäppchen wo erhaschen,
mit welchen Mitteln immer auch,
wird er vom Baum des Frevels naschen
für seinen nimmersatten Bauch.

Wie soll da einer ruhig schlafen
mit den Gedanken unterm Dach?
Ich pfeife auf das Zähln von Schafen
und bleibe lieber weiter wach.

Kuschelweihnacht

Heiße WeihnachtHeut grüße aus dem schönen Süden
ich die verschnupfte Leserschar
mit einer meiner Vers-Etüden,
die Frühling atmen, Adebar.

Soll ihrem Ohre wohl bekommen
und ihrem nordischen Gemüt,
auf dass auch mir, dem Musenfrommen,
ein neues Mauerblümchen blüht.

Die Sonne frisst sich alle Tage
hier durch den saftigen Azur
und bringt ‘ne Masse auf die Waage
mit leicht erhöhter Temp’ratur.

Erst wenn der Abend angebrochen,
der letzte Schimmer sich verzehrt,
kommt jene Kälte angekrochen,
die dich auch hier das Fürchten lehrt.

Der goldnen Münze andre Seite.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Heißt: Trotz der geograph’schen Breite
auch Wolle hier Furore macht.

Doch dies allein der Wahrheit wegen.
Tagsüber noch Spätsommerflair.
Und mit den reichen Lichterträgen
geht leichte Bräunung auch einher.

Dezember herrscht in diesen Landen,
die man sich weiß nicht denken kann.
Über den Straßen Lichtgirlanden –
mit Schlitten und mit Weihnachtsmann.

Schöne Nachbarschaftshilfe

Schöne NachbarschaftshilfeEs hat zum Guten sich gewendet,
ich freue mir ‘n Loch in’n Bauch:
Mein Internet, das schon verendet,
erblühte wie ein Frühlingsstrauch.

Und welcher Sonne war’s zu danken,
die aus der Starre es erlöst,
aus dieser Haft der Passwortschranken,
in der es tatenlos gedöst?

Der Nachbarin! Der guten Seele,
die unter mir den Laden führt
und, dass dir nichts im Haushalt fehle,
die Lust auf Eisenwaren schürt.

Die ließ mich nicht erst lange bitten,
als ging es um den heil’gen Gral –
ist gleich zum Apparat geschritten
und zeigte mir die Zugangszahl.

Ich wie der Blitz zu mir gesprungen,
den Laptop aus dem Schlaf geweckt
und mit dem Schlüssel, just errungen,
ins neue WiFi eingecheckt.

Das lief tatsächlich wie am Schnürchen:
„Verbunden“ mit dem www!
Ich wieder raus aus meinem Türchen,
Vollzug zu melden meiner Fee.

Sie freute sich, weil ich mich freute,
es war ihr deutlich anzusehn.
So lernt man kennen Land und Leute –
und die, die mit den Zeiten gehn.

 

Spätes Neuland

Spätes NeulandDenkt euch, auf meine alten Tage,
Methusalem steht vor der Tür,
ich mutig noch was Neues wage
und mich aus meinen Puschen rühr!

Denn der, der stets mich treu begleitet,
der Rechner revoltierte jäh
und nicht mehr das Programm bestreitet
der www.odyssee.

Zum ersten Mal in meinem Leben,
das, siehe oben, lang genug,
hab ich mich ins Café begeben,
das „Internet“ im Schilde trug.

Und das auch noch in fremden Landen,
da nennt man das nicht einmal so,
missachtet die, die es erfanden,
und spricht vom „locutorio“.

Gut. Nummer drei! Gehorsam sackte
ich auf den harten Untersatz
und zögernd auf die Tasten hackte
wie’n ohrenfeuchter Hosenmatz.

Zu suchen galt es ja der Zeichen
und Lettern labyrinth’sche Spur,
die sich erlauben, abzuweichen
vom Zickzack unsrer Tastatur.

Die Hürde war zu überwinden.
Ich kam, verstolpert leicht, ins Ziel,
um dort mich schön belohnt zu finden
mit ‘nem gelungnen Einkaufsdeal.

Klar weiß ich nicht, wie viele Jahre
mir bleiben noch für meinen Stolz –
ich weiß nur, dass mich bis zur Bahre
verfolgen wird dies harte Holz!

Ziemlich blauäugig

Ziemlich blauäugigGenetisch gleichen den Schimpansen
und psychisch wir den Wölfen mehr,
doch nennen Meier uns und Hansen
und tun uns mit den Tieren schwer.

Ja, schmeicheln uns, als Sonderposten
im Sortimente der Natur
von gleicher Lethe nicht zu kosten
wie Elefant und Totenuhr.

Nur weil die Schöpfung uns Gedanken
allmählich im Gehirn entfacht,
an denen wir doch eher kranken,
als dass sie je uns Glück gebracht.

Denn böse waren’s mehr als lichte,
die herrschten übern Menschengeist –
wie ’n Blick nur auf die Weltgeschichte
als blut’ge Wahrheit es erweist.

Um des geringsten Vorteils willen
schlug man sich schon die Birne ein,
und niemals war die Gier zu stillen
nach Reichtum, Macht und Hudelei‘n.

Auch darin glich man noch dem Tiere,
dass aufgeplustert wie zur Balz
man sich in dieser Horrorschmiere
geschmückt vom Hintern bis zum Hals.

In Samt und Seide die Prälaten,
in Purpur, was sich König nennt,
das heißt ein Aufzug von Primaten,
wie ihn nur diese Bühne kennt.

Und alle flitzten wie die Irren
stets um das goldne Kalb herum,
um es vor ihren Karrn zu schirren
als Zugpferd für ihr Gaudium.

Man gab sich fromm. Doch nicht in Taten.
Da stach man ab nach Herzenslust
und ließ das Fleisch im Feuer braten –
die Helden- wie die Hühnerbrust.

Erst kurz vorm unseligen Ende
man in das Horn des Friedens stieß,
gab Hab und Gut in Pfaffenhände
als Schmiergeld für das Paradies.

Abstruser kann man wohl nicht denken
in eitler Selbstgefälligkeit,
als einen Krümel Dreck zu schenken
dem Schöpfergott von Raum und Zeit.

Und so ‘nen Lohn sich zu erhoffen,
der alles Ird’sche übersteigt –
das Tor zum ew’gen Leben offen,
die Todesfuge ausgegeigt.

Die Wahrheit ohne Lobgehudel:
Der Mensch, wenn er nicht angeleint,
ist bissig wie der Wolf im Rudel
und gegen den gestellten Feind.

Er ist ein Teil des Stirb und Werde,
da beißt die Maus kein’n Faden ab.
Und sicher auch der Herr der Erde –
für seine achtzig Jahre knapp.

Dunkle Rauchzeichen

Dunkle RauchzeichenEs ist den Leuten nicht entgangen,
die weise unser Land regiern,
dass viele Menschen sich verfangen
in Dünsten, die sich schwer verliern.

Und dass die blässlich blauen Schwaden,
die rhythmisch deren Mund entfliehn,
den inneren Organen schaden
mit Giften wie dem Nikotin.

Beflissen sie auch hier verpfänden
ihr Wort für Wohl und Sicherheit –
zumal ja, Schaden abzuwenden
vom Volk, verpflichtet durch den Eid!

Wie ernst sie diese Sache nehmen,
rein menschlich schon und qua Mandat,
erkennt man – wie bei andern Themen –
ganz beispielhaft durch ihre Tat.

Mit Eifer fing man an zu streiten
gegen dies tödliche Toxin!
Ihr Kampf füllt tausende von Seiten
in Brüssel, Straßburg und Berlin.

Dass es kein Ruhen gab und Rasten,
ist ebenso protokolliert,
wie dass bis aufs Diätenfasten
man jede Lösung diskutiert.

Die Menschen sterben wie die Fliegen,
weil man die Lulle ihnen lässt.
Doch wie ein Gegenmittel kriegen,
das auch politisch wasserfest?

Man sollt es nicht für möglich halten –
der Durchbruch kam dann über Nacht.
Das schaffen nur die Staatsgewalten,
so raffiniert war das gemacht!

Man schob die lästigen Probleme
zurück dem Bürger in den Hals:
Dass er nur schön in Acht sich nehme,
weil Exitus droh andernfalls!

Mit Inschrift und ‘nem Trauerrande
verziert man nun die Schachtelgruft.
Am Grabe greint die Heuchlerbande
und freut sich der verschafften Luft.

Mehr Schildwachen

Mehr Schildwachen„Mit saubren Füßen nur betreten!“
und „Vorsicht. Stete Keimgefahr!“ –
die Schilder hätt ich mir erbeten,
wann immer ich am Strande war.

Im Gegensatz zum Badebecken,
in das man abgeduscht nur steigt,
darf man die Käsequanten stecken
in jede Bucht, die höflich schweigt.

Wahrscheinlich weil noch schlimmre Übel
dem mordsgeduld’gen Meer passiern:
der Frachter stinknormale Kübel,
das Altöl, das sie gern verliern.

Kein Freibrief für die Bädegäste.
Missachtet nicht die weite See!
Nicht einmal durch die schäb’gen Reste
von Schweißgeruch am großen Zeh.

Und dass man sich nicht täuschen lasse
von ihrem schmuddeligen Grau:
Sie wiegt nicht Boot nur und Barkasse,
nein, auch die schöne Meerjungfrau.

Hier kleinlich an die Umwelt denken –
ist das nicht spießerhaft gedacht,
ein Kosmos nicht, uns neu zu schenken,
was immer wir kaputt gemacht?

Ja, könnten wir den Kosmos nutzen
beliebig als Ersatzquartier,
dann würden wir die Platte putzen
und ließen allen Unrat hier.

Wär gar nicht nötig aufzuräumen,
als Putzfrau hätt man die Natur,
die kommt mit Kräutern und mit Bäumen
und wuchert weg die Menschenspur.

Auf Erden. Doch die gleiche Chose
passiert dann eben anderswo,
denn immer geht was in die Hose,
wo Homo haust vergnügungsfroh.

Dies mag euch meine Sicht erhellen
auf diesen lehmgebornen Kloß –
es gilt ihm Schilder aufzustellen,
sonst treibt er’s weiter, uferlos.

Na, denn prost

Na, denn prostLasst heut mich mal ins Auge fassen
‘nen Bürger von Gewicht und Rang,
Idol der großen Menschenmassen,
die durstig alle Naselang.

Das Ansehn, das er sich errungen,
dem geistigen Getränk gebührt,
das auf Millionen Süffelzungen
zu flücht’gen Glücksmomenten führt.

Wie’n Köhler hat er’s mit dem Brennen,
nur dass er nicht auf Festes sinnt,
sondern beim feinen Stoffetrennen
ihm Fusel aus dem Kolben rinnt.

Ist klar, dass er mit beiden Beinen
im vollen Wirtschaftsleben steht
und ständig in den heil’gen Hainen
des Hochprozent’gen sich ergeht.

Erfolg, der stets in Geld gemessen,
klebt ihm am Leib wie ein Geschwür.
Sein Schlafanzug hat goldne Tressen,
‘nen Pförtner die Tapetentür.

Und wessen Konto so begütert,
dass es fast jeden Rahmen sprengt,
wird auch von Vater Staat betütert,
der’n Kreuz ihm an die Weste hängt.

Ein schönes Sinnbild für die Toten,
die schon geschaffen die Tinktur,
dern Ausstoß er (mit saubren Pfoten)
in schwindelige Höhen fuhr.

Doch bloß nicht Propaganda treiben!
Ideologie dahintersteckt!
Man sollte bei der Wahrheit bleiben –
politisch und sozial korrekt!

Ihm wolln ja was am Zeuge flicken
die Nörgler, die man immer trifft –
so Typen, die nicht richtig ticken,
wahrscheinlich weil sie stets bekifft.

Ein Schnäpschen, heißt’s zu Recht, in Ehren
(der Volksmund weiß, wovon er spricht)
kann keiner einem doch verwehren,
den ab und zu der Hafer sticht.

Mit Hasch ist das ‘ne andre Sache,
das ist ‘ne Droge, Hanf und Mohn!
Die wirkt bestimmt das Hundertfache,
das hört man doch am Namen schon.

Der Staat will Risiken beschränken,
nur darum ging‘s ihm überhaupt.
Und jeder sollt ihm Glauben schenken,
der an den Weihnachtsmann noch glaubt.

Zur Dämmerstunde

Zur DämmerstundeSchon lag in ihren letzten Zügen
die Dämmrung über Meer und Land,
als ich zum Strandspaziervergnügen
die Rappen noch mal angespannt.

Ein Stück schon hatte ihre Scheibe
die Sonne in die See getaucht,
wobei sie noch aus vollem Leibe
Orange und Rosa ausgehaucht.

Die Wolken hatten sich verdichtet
zu einem riesenhaften Keil,
direkt aufs letzte Blau gerichtet,
dass er es brüderlich zerteil.

Kein Schiff mehr irgendwo zu sehen,
nur Flut, bewegt vom Wellenschlag,
um fern im Dunste aufzugehen,
der schwärzlich auf der Kimm noch lag.

Der Wind war hinter Schloss und Riegel,
was ungestörten Schlaf verhieß;
kaum kräuselt er den Meeresspiegel –
wie dass er in die Träume blies?

Da soll man nicht zufrieden werden,
wenn man’s Revue passieren lässt?
Die schönste Szenerie auf Erden
gleich hinter meinem Rentnernest!

Das wollt ich schnell noch niederschreiben.
Ihr sagt: Das übliche Gedröhn?
Ja, Wind und Wolken werden bleiben –
doch immer wieder anders schön.