Archiv der Kategorie: Mensch

Ein Geständnis

Ein GeständnisIch weiß nicht recht, ob ich’s erzählen soll –
Egal, es will ja offensichtlich raus:
Die xx Jahre sind soeben voll,
jetzt bin ich’s wirklich, Freunde: Altes Haus!

Könnt ich’s wie weiland Meister Rembrandt halten
und selbst von Zeit zu Zeit mich porträtiern,
ich schüf euch einen veritablen Alten,
den man nicht klonen will und nicht kopiern.

Doch da mir seine schöne Kunst versagt,
vertrau ich statt der Leinwand dem Papier.
Mein erster Pinselstrich: „Ich bin betagt“,
mein zweiter: Cannae, Bramsche, Abukir.

(Ein Fußnotvers hier für die 4. Zeile:
Die Schlachtenorte sind nur angeführt,
das Ausmaß zu verklickern jener Keile,
mit denen mich die Jahre demoliert.)

Der Fluss der Zeit geht immer abwärts nur,
nur immer fort vom fröhlich-frischen Quell –
so auch das Leben: Hin und nicht retour,
und wie der Wildbach strömt, so reißend schnell!

Da seht das Kerlchen mit der kurzen Hose,
die erste Armbanduhr am Handgelenk!
Wem stand ich vor so vielen Jahren Pose?
Als wär es gestern, wenn ich es bedenk.

Toi, qu’as-tu fait? Was hab ich draus gemacht ?
Ist im Vergangenen ein Sinn zu sehn?
Oder, banal, ein Wandel nur der Tracht,
mehr Stoff, um auch die Wade zu umwehn?

Ein bisschen Sinn und jede Menge Mode –
beschämt und resigniert gesteh ich’s ein ,
und doch, käm unversehens ich zu Tode,
mein letztes Wort gehörte Wittgenstein.

(Dem Kritiker tu hier ich’s helfend kund,
damit er lange Suche sich erspar:
Der letzte Laut aus jenes Weisen Mund:
“Mein Leben, dass ihr’s wisst, war wunderbar.“)

Paläste schuf ich nicht als Monumente,
mich zu verewigen in Stahl und Stein,
es mangelten mir selbst ja die Talente,
vom Mietling mich zum Häusler zu befrein.

Auch als Entdecker kann man mich nicht feiern,
was ich bereist, ist alles längst kartiert.
Und Göttin Gäa gänzlich zu entschleiern,
hab ich Europas wegen mich geniert.

Bleibt mir als Wissenschaftler Ruf und Ruhm?
Hab kosmisch nicht geforscht, nicht atomar.
Mein kümmerliches geist’ges Eigentum
weiß nichts von Ohm, von Torr und Millibar.

Gewiss hab ich Meriten als Artist?
Genie, begnadet, vor der Staffelei?
Ach, wenn die Kunst man nur am Pinsel misst,
tanz ich auch hier ganz kläglich aus der Reih.

Was ich der Nachwelt freundlich überlasse,
sind Nachtgedanken, aufs Papier geblaut,
Gedanken, die ich in Gedichte fasse,
dieweil der Mond mir durch die Finger schaut.

Die meisten schätzen so was nur gering
und nicht als eines Mannes würd’ge Tat,
ihr Beifall gilt allein dem großen Ding,
dem Bau, der Transaktion im Weltformat.

Rekorde liebt der Mensch, Superlative
Und was sich brüstet mit dem Wörtchen neu,
das Kleine aber eher ich, Naive,
der ich seit je die große Glocke scheu.

Man betet noch die falschen Götter an,
die Herren Eitel, Nimm und Suchestreit,
obwohl durch sie nur eines man gewann –
ach, eine Erde, die zum Himmel schreit.

Mir reichen die bescheidenen Meriten
der Musenkunst, die nicht den Ehrgeiz hat,
stets groß mit größer noch zu überbieten,
nie richtig hungrig und nie richtig satt.

Sei’s, dass man ihn missachte, meinen Sang,
sei’s, dass man Plunder ihn, Geplapper heiß!
Für mich bezeugt er jenen starken Drang,
dass ich dem Leben dankbar mich erweis.

Es ist ja immer schon mein Wunsch gewesen,
dass etwas Schönes ich der Welt verehr.
Hier kriegt ihr einen Teil davon zu lesen –
gereicht hat’s nun mal leider nicht zu mehr.

Wie „As ik kan“ der alte Meister spricht,
wenn er ein unerhörtes Werk vollbracht.
Die Verse, liebt sie oder liebt sie nicht:
Mir haben sie zumindest Spaß gemacht.

Festgedanken

FestgedankenSo lasst uns jauchzen, lasset uns frohlocken,
denn heute ist der Heiland uns geborn;
Choräle lasst erschallen, Weihnachtsglocken,
Marie zu ehrn, die Jungfrau auserkorn!

Von Kanzeln lasst die frohe Botschaft künden
und per Antenne, Kabel, Satellit;
in Kapstadt hör man sie, Hannoversch-Münden,
der Indio lausche ihr, der Innuit.

In tausend Sprachen hat er Pax beschworen,
der hier auf Erden Gottes Reich vertritt,
ein Rufer, in der Wüste Welt verloren,
die auch durch Seinesgleichen Schlimmes litt.

Egal: Ein Tannenbaum soll Stimmung bringen,
mit Silberfäden, weißem Wachs bestückt
und Mündern, die zu seinen Zweigen singen:
“O still, o fröhlich“, seliglich entrückt.

Na, na! Wer wird sich denn so gehen lassen!
Bin doch längst ab von solchem Firlefanz.
Drei freie Tage: Gut. Mit „Hoch die Tassen!“
und meinetwegen auch ’ner Martinsgans.

Mein Kaktus soll als Bäumchen mir genügen,
die winz’ge Säule mit dem Stachelbart.
So hären, kann er keine Wunder lügen,
so dröge, lebt er nur der Gegenwart.

Die raue Art indes will mir behagen,
werd ich die gute Haut doch auch gewahr –
so borstig möcht ich sein an Feiertagen,
so fromm und friedlich übers ganze Jahr!

Möwen satt

Möwen sattDa hab ich nun mein Bett bezogen
zumindest für ein halbes Jahr
nur einen Katzensprung von Wogen
und Nixen weit mit Tang im Haar.

Und halten die sich auch verborgen,
da sie des Fischers Netze scheun,
muss ich um Möwen mich nicht sorgen,
die frei der Lüfte sich erfreun.

Ich weiß nicht, ob sie wer gezählet
(mal abgesehn von Gott, dem Herrn),
weil mir ein Nachweis dafür fehlet,
an dem statistisch nicht zu zerrn.

Doch was allein die Augen sehen,
ersetzt mir noch die klügste Schrift:
Die Menge dieser Meereskrähen
bei Weitem alles übertrifft.

Wie sie zu Tausenden da flattern
dem vollen Kutter hinterher,
um eine Beute zu ergattern,
die schon geborgen aus dem Meer,

Und wie sie haufenweis erscheinen,
wirft jemand Spatzen Krümel hin,
auf ihren kurzen Storchenbeinen
zu sehn, ob auch für sie was drin,

Und auch wie sie zur Dämmerstunde,
die Klüsen seewärts stets gewandt,
erwartungsvoll als Tafelrunde
sich strecken übern Ufersand,

Sind sie die Herrscher dieser Breiten,
egal in welchem Element,
und auch zu allen Jahreszeiten
in ihrem Küstenreich präsent.

Nur manchmal, wenn sie statt zu fliegen
in heillos aufgeregter Schar,
entspannt sich auf den Wellen wiegen,
wird ihr Geheimnis offenbar.

Dann kann man weithin ihr Gefieder
im Silbergrau der Wogen sehn,
ein schwaches Weiß, das auf und nieder
die gut gelaunten Winde wehn

Und das doch da im Meer verloren
wie Schaum, der in der Strömung treibt
gleich dem, der Venus einst geboren,
zu einem Wesen sich beleibt.

Der Tethys selbst sind sie entsprungen,
die weiterhin sie säugt und nährt,
dass gierig ihnen aus den Lungen
des Kindes Kreischen noch entfährt.

Kleines Nachbeben

Kleine NachwehenAllmählich ist der Schnupfen abgeklungen,
nur selten brauch ich noch ein Taschentuch.
Der Husten, konvulsivisch aus den Lungen,
schlägt nur als Räuspern manchmal noch zu Buch.

Die Stimme, die sich mit gebrochnen Lauten
unsäglich mühsam nur Gehör verschafft,
entwand sich ihres Atems Flüsterflauten
und segelt wieder mit gewohnter Kraft.

Verflüchtigt haben sich auch jene Zwingen,
die an die inn’re Schädelwand gepresst,
zum Bersten dieses spröde Haupt zu bringen
gleich einem Ei, das seine Brut entlässt.

Die Schlappheit schließlich raus aus allen Gliedern:
Zu alter Form und Stärke lauf ich auf!
Hier seht mich meine Worte schon befiedern,
dass ich um Dichterlorbeer wieder rauf.

Ist erst der Wurm aus deinem Leib gewichen,
muss auch dem Geist die Mattigkeit entfliehn:
Jetzt schweift er wieder in den Himmelsstrichen,
die auch die Musen sel’gen Sangs durchziehn.

Um dort…chrr…dort am göttlichen Gestade,
um…chrr…Pardon!…chrr, chrr…was soll das bloß?
Zum Teufel auch – die alte Keuchkaskade –
werd ich denn diesen Jammer niemals los?

Ich könnte schier vor Wut die Krätze kriegen,
dass ich mich grad so triumphal gezeigt!
Beschämt lass ich den Kugelschreiber liegen:
Pandora hat das Wort. Die Muse schweigt.

Imagepflege

ImagepflegeWer hat dir diesen Namen, der so dröhnt, verliehen,
wer weihte dich dem Wütrich mit dem Hammerschlag?
Ich seh dich sang- und klanglos ja vorüberziehen,
in Windeseile wie gewöhnlich, Donnerstag.

Kaum würd ich deines Auftritts heut mich noch entsinnen,
wär’s beim Lever nicht stets das gleiche Ritual –
mit Katzenwäsche einen neuen Tag beginnen,
dann Frühstück fassen: Brötchen oder Toast nach Wahl.

Und auch danach kann deine Fährte ich nur finden,
weil ich wie stets die Zeit mir im Büro vertreib,
um größtenteils in klugen Worten mich zu winden,
die aus dem Hals ich hauche oder niederschreib.

Du lebst ja nicht im Striche kräftiger Konturen –
als vager Abglanz nur der Dinge, die geschehn.
Auch heute hab ich auf des Klappkalenders Spuren
nur flüchtig dich mit deinem Kürzel „Do“ gesehn.

Kannst, graue Maus, du dich nicht endlich mal ermannen?
Renn doch nicht immer fix und feige aus dem Blick!
Die Götterkeile, lass mit Stürmen sie bespannen
und stolz als deine Boten auf die Erde schick!

Wo nicht, dann lass dich doch auf andre Weise spüren:
Die Mittagssonne färbe grün am Firmament,
zeig blond und busig uns die wackeren Walküren,
`nen armen Sünder, der im Fegefeuer brennt!

Bestirn die Nacht mit Diamanten, Amethysten,
dem vollen Mond gib – Punkt, Punkt, Bogen – ein Gesicht,
lass Rosen blühen an den sand`gen Meeresküsten,
die man für Nixen, zum Verlieben schön, nur bricht!

Hör auf, so blutlos schemenhaft davonzuhuschen,
und würdig deinen mächt`gen Namen wieder trag.
Lass dir nicht mehr ins altverbriefte Handwerk pfuschen:
Sei wieder Donnerstag, der mit dem Paukenschlag!

Familientag

FamilientagDie Augen heute aufzuschlagen
heißt freudig blicken in den Tag,
womöglich dass man mit Behagen
ein Stündchen gar noch dösen mag.

Man muss nicht ruck, zuck in die Puschen,
nicht kleinlich die Minuten zähln,
um irgendwo vorm Chef zu kuschen
und sich im Joch des Jobs zu quäln.

Den Frühstückskaffee und die Eier
wirft man nicht hastig in sich ein –
wie bei des Abendmahles Feier
empfängt man sie wie Brot und Wein.

Entspannt lässt so sich dann verplaudern
die Zeit, bis dir die Glocke schlägt
oder, sollt`s dich vor Kirchen schaudern,
die Gaumenlust sich wieder regt.

Das tut sie pünktlich hierzulande,
dem Rhythmus folgend der Natur
wie`n Geysir an Europas Rande
mit einem Schlag um vierzehn Uhr.

Dann wälzt sich eine Riesenmenge
schön grüppchen- und familienweis
in einer Futterstelle Enge,
dass sie ins Gras der Teller beiß.

Und wenn sie schließlich satt geworden
(es lichten sich um fünf die Reihn),
verdrücken sich die Hungerhorden,
der Völle ihren Herd zu leihn.

Am Abend dann: Verdaut die Stunden,
die unbeschwert man wo verbracht,
und aus dem Herzen brechen Wunden,
die schwellen noch im Schutz der Nacht.

Dann brausen aus des Hauses Dunkel
auf einmal Stimmen mir ans Ohr,
die aus dem üblichen Gemunkel
sich schaukeln bis zum Schrei empor.

Und irgendwo im Hintergrunde,
der meinen Blicken sich entzieht,
bekämpft sich bis zur letzten Runde
ein Paar, das noch kein Pfaffe schied.

Wie gerne brächte ich die Liebe
ein wenig wieder dann auf Trab,
weil schade so ein Zwist der Triebe –
und lenkt auch sehr vom Dichten ab.

Verlorene Liebesmüh

Verlorene LiebesmühDu kommst, du gehst: Ein Menschenwesen,
das kurz sich aus dem Staube regt,
bevor des Schicksals borst’ger Besen
dich wieder in den Kehricht fegt.

Unsterblichkeit willst du erlangen
mit der und jener Therapie –
die nützlich nur beim Grillenfangen
im Zwielicht deiner Fantasie.

So: Körperlich zu kollabieren
bis hin zum ew‘gen Exitus,
doch seine Seele nicht verlieren,
die unverwüstlich gut in Schuss

Und die nach kurzer luft’ger Reise,
vom alten Adam losgeknüpft,
auf noch nicht ganz geklärte Weise
in eine neue Hülle schlüpft.

So: Sich in Erde aufzulösen,
um in Dornröschenschlaf zu falln
und hundert Jahr und mehr zu dösen,
bis sich die Klumpen wieder balln,

Um vor dem höchsten Richterstuhle,
als wäre weiter nichts geschehn,
zum Hohne jeder Ärzteschule
lebendig wieder aufzustehn

Und dann Vergeltung zu empfangen
für jene Tage vor dem Tod –
sei’n es der Hölle glühnde Zangen,
sei es des Himmels Gnadenbrot.

So: Aus den Wünschen, die sie wiegen,
dass stets es sie in Atem hält,
die Seele endlich freizukriegen,
dass sie in ew’ge Leere fällt,

Wo ledig aller Lust und Launen
die Stille sie des Glücks genießt
wie jemand, der in Eiderdaunen
unmerklich in den Schlaf zerfließt:

Nirwana, klar. Wie andre Lehren
mit diesem schönen Makel nur,
dass just das Siegel sie entbehren:
„Geprüft, beglaubigt von Natur“.

So baut die Furcht sich viele Krücken,
um rauszuhumpeln aus dem Sein
und irgendwo sich neu zu pflücken
`nen Trost mit eitel Sonnenschein.

Und wird bestärkt von Scharlatanen
in würdewallendem Ornat,
die diesen Weg angeblich bahnen,
weil sie zu Gott `nen heißen Draht.

Was heißt, dass mit den Illusionen,
in die man seinen Abgang hüllt,
wie der Schamane vor Äonen
der Pfaffe noch sein Säckel füllt.

Der Mensch, der selbst dem Lauf der Sterne
schon grübelnd sein Geheimnis stahl,
er bleibt ansonsten herzlich gerne
dat Jüppken vom Neandertal.

Nase verstopft

nase verstopftWie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen,
der im Gesicht sich grade offenbart.
Wisch von der Nase dir den ew’gen Tropfen,
und schnäuz dich, dass die Röte sie bewahrt!

Kannst du noch für ’nen ganzen Menschen gelten,
wenn aus den Nüstern dir die Bilge leckt?
Nein, vom Gesunden trennen, ach, dich Welten,
der’n Riecher kühn in alle Winde reckt.

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen,
wenn dir die Birne dröhnt wie’n Glockenstuhl,
in dem frenetisch alle Klöppel klopfen,
als käm mit Heeresmacht der Großmogul.

Man traut sich ja nicht mal mehr unter Leute!
Du denkst: Pack die Gelegenheit beim Schopf –
ein kleines Schwätzchen; „Schönes Wetter heute.“
Da fegt ’ne Hustenbö dir aus dem Kropf!

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen:
Die Klüsen rot wie nach durchzechter Nacht.
Dann lieber doch mit Reben oder Hopfen
dem Bacchus dieses Opfer dargebracht!

Man möchte sich wer weiß wohin verkriechen.
Man fühlt sich wie’n Rosinenbrötchen schlapp.
Man kann nichts mehr vernünftig schmecken, riechen.
Man ist so grade noch am Leben, knapp.

Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen.
Die Nase läuft, als flöss das Hirn dir aus.
Hast du mit wem ein Höhnchen noch zu ropfen?
Verschieb’s – er macht dich Mickrigen zur Maus!

In allen Ecken Taschentücher lungern,
dass sie zum Niesbrauch unverweilt zur Hand.
Der Zinken soll nach Windeln ja nicht hungern,
wenn ihm der Rotz mal wieder durchgebrannt.

Ach, Schluss! Ich werd die Ohren mir verstopfen.
Will nichts mehr hörn von diesem kranken Kram.
Wie lästig so’n vermaledeiter Schnopfen –
jetzt legt er mir sogar die Hand noch lahm!

Lästiger Gast

lästiger gastVor einer Woche ist er aufgekreuzt,
bezog im Oberstübchen sein Quartier.
Seitdem hab ich mich tausendmal geschnäuzt,
den Müll bekränzt mit fleckigem Papier.

Er gilt mir zwar als unwillkommner Gast,
doch werd ich ihn nicht ohne Weitres los.
Was hab ich ihm für Sächelchen verpasst –
doch leider schert er sich darum nicht groß!

Ich aber wurd zum wahren Jammerbild:
Im stolzen Haupte haust die nackte Not.
Es hämmert drin, dass mir der Schädel schwillt,
die Augen rändert trübe trocknes Rot.

Und meine Kehle, der sich schön entringt
so mancher Laut, dem Ausdruck ich verleih,
wie eine Kräh im Feld des Herbstes singt
und hebt und senkt wie Nebel sich dabei.

Erwehr mit Schweigen ich mich dieses Leids,
das Stimme mir und Stimmung gleich vergällt,
befällt es ab und zu ein Hustenreiz,
der wütend wie ein Straßenköter bellt.

Nun, diese Sorte Gäste kenn ich schon:
Dass sie nicht ewig bleiben ist mein Trost.
Auch meinen hält`s nicht mehr bei dem Patron –
noch ein, zwei Tage wohl. Na, denn mal prost!

Poetentraum

PoetentraumVon rechts fällt aus der Küchenecke
das Licht mir schräg ins Stübchen rein,
dass schummrig es den Raum bedecke
mit safrangelbem Dämmerschein.

Von links brennt eine Straßenlampe
sich bernsteinfarben in den Store,
dern Glas so prall wie eine Wampe
im sel`gen Augustinerchor.

Und vorne vor der Nase grade,
erzitternd in der linden Luft,
in seines Wachses weichem Bade
ein Flämmchen mit Vanilleduft.

Das sind so ziemlich alle Quellen,
die mir erleuchten mein Papier,
wenn ich, den Musen mich zu stellen,
Gedichte ihnen apportier.

Dass auch aus meiner eignen Birne
ein Fünkchen sich dazugesellt,
hab ich zu sagen nicht die Stirne,
bevor ihr Urteil sie gefällt.

Ich lege meine Meterware
beharrlich ihnen vor das Tor,
dass ihnen einst der Ruf entfahre:
„Nicht übel, Bursche, tritt doch vor!

Die Kunst, mit der du dies gewoben,
macht selbst uns Götterschwestern Spaß –
wenn auch noch fern von der hier oben,
so höher doch nach Menschenmaß.“

Mit einem Herzen zum Zerspringen
trät ich in ihre Hallen ein,
voll Ehrfurcht, ihnen darzubringen,
wofür sie Lorbeer mir verleihn.

Was gäb es dann noch zu verlieren?
Gedichte auf Parnass-Niveau –
und wenn sie damit tapezieren
am Ende nur ihr Musenklo!