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Dezemberabend

DezemberabendDezemberabend. Ringsum Schweigen.
Vom Dunkel jeder Laut erstickt.
Die Stadt, erschöpft vom Zähnezeigen,
ist endlich wieder eingenickt.

Kein Reifen reißt sie aus dem Schlummer,
kein Streithahn kräht sie zeternd wach.
Der Wind selbst, tags ‘ne große Nummer,
er atmet kläglich jetzt und flach.

Kein Stern schwimmt in den Wolkenwogen
als traulich-trüber Feuerschein,
die auch das Mondlicht aufgesogen
wie Mark aus bleichendem Gebein.

Kein Vogel flattert seine Runde,
kein Köter, der noch blafft und bellt.
Die Stille red’t der Nacht zum Munde.
Das Schweige-Barometer fällt.

Man spürt in diesem Winterfrieden
schon jenes Festes Gegenwart,
wenn sich die halbe Welt hienieden
um ein geschmücktes Bäumchen schart.

Nur noch die Federn müssten fliegen,
die schüttelnd uns Frau Holle schickt
und die in heil’gem Weiß dann liegen,
so weit geblendet ‘s Auge blickt.

Denn diese sind’s, die uns beschwören
der schönen Ruh Vollkommenheit:
den stummen Sang von Engelschören,
kristallnen Tons herabgeschneit.

Man muss sich überraschen lassen.
Man kriegt nicht alles, was man will.
Sind sie auch grau, die Straßen, Gassen,
sind sie doch wunderbar auch still.

Kürze des Lebens

Kürze des Lebens„Ich werd’s im Leben nicht vergessen“ –
ein Spruch, den man sehr häufig hört
und der, an dessen Frist gemessen,
was Kurzes eher doch bschwört.

In allem Treiben, allem Reden
klingt unbewusst Gewissheit mit,
dass abgesehn von Unfallschäden
für die Unsterblichkeit man fit.

Das lügt der Mensch sich in die Tasche,
weil’s schmeichelt seinem eitlen Geist
und nach der Kirche alter Masche
nicht Wahrheit, aber Trost verheißt.

Wie sollte man es besser sagen?
„…hat mich erschüttert und erschreckt
und werd so lange Trauer tragen,
bis selbst mich einst die Erde deckt“?

Das wäre ehrlicher gesprochen,
weil’s an der Tatsache nicht dreht,
dass nur aus Fleisch und Haut und Knochen,
nicht zu recyceln, man besteht.

Wie Würmer wir im Staube wohnen,
die Partner uns im Totentanz –
und schmücken uns mit goldnen Kronen
zum lächerlichsten Mummenschanz.

Am poppigsten gehn die Prälaten,
voran der Papst als Friedensfürst,
Moral gebietend allen Staaten –
im Samt gestopfte arme Würst.

Danach die Herrn Hochwohlgeboren
und Damenschaft von blauem Blut,
die sich in unsre Zeit verloren
samt Hochzeitspomp und Rittergut.

Und schließlich noch die Reichsgebieter
aus Politik und Kapital,
die in Karossen fahrn, 3.Liter,
und Fummel tragen erster Wahl.

Und mit welch Wichtigtuer-Mienen
stolziern die andern durch die Welt –
als ob sie völlig sicher schienen,
dass sie mit ihnen steht und fällt!

Das kleinste Licht im Unternehmen,
die größte Null im ganzen Land,
statt ihres Status sich zu schämen,
gerieren sich als Geistgigant.

So paradiert in Wichs und Würde
der Mensch durch seine Lebensspur,
dem Schafe gleich in seiner Hürde,
nichts ahnend von der großen Schur.

Wenn mehr wir auf das Ende sähen,
sähn wir nicht auch, wie hirnverbrannt
nach Reichtum, Macht und Ruhm wir spähen,
die uns zerrinnen doch wie Sand?

Gewiss: Dem Augenblicke leben –
doch voller Demut vor der Frist.
Wie viel kann uns ein Blümchen geben
an Schönheit, die unsterblich ist!

Noch ‘n Leser

Noch 'n LeserMoin, moin. Ich freu mich zu begrüßen
Sie als ‘ne neue Leserin.
Zwar leider nicht mit einem Süßen,
so doch von Herzen immerhin.

Hat Ihnen jemand mich empfohlen?
Hat mich der Zufall ausgewählt?
Ach, letztlich bleibt es mir gestohlen –
Sie sind ja da, allein das zählt.

Und dass Sie auch in etwa wissen,
was Ihnen alles mit mir blüht,
sei meine Kunst hier kurz umrissen
als Blick gleichsam in mein Gemüt.

Seit Jahren hock ich in der Küche
so wie ein Hund am Grab des Herrn
und klopfe treulich meine Sprüche,
beäugt von Mond und Abendstern.

Und die mir aus der Feder fließen,
sie folgen keinem festen Plan.
Ich lass die Zügel einfach schießen,
der Fantasie geb freie Bahn.

Dabei spielt sicherlich ‘ne Rolle,
dass hier die Szene immer gleich
und ich wie’n Bauer auf der Scholle
stets um denselben Acker schleich.

Um mich herum der Schweinekoben,
der mich mit Speis und Trank versieht,
und vor der Tür der Himmel droben,
der luftig auf den Dächern kniet.

Das Universum der Gedanken
um diese beiden Dinge kreist,
mit aller Freiheit, allen Schranken
des Wurms, der in den Schwanz sich beißt.

Doch innerhalb der kleinen Spanne,
die sich in diesem Bild verrät,
verzapf ich Verse volle Kanne
in möglichst großer Varietät.

Und zwar mit eher kurzen Zeilen,
was mich vor Schwafelei bewahrt,
das heißt davor, mich aufzugeilen
an Adjektiven aller Art.

Dabei will ich vom Reim nicht lassen –
für mich der Lyrik Inbegriff,
so wie die Kanten, die ihn fassen,
des Diamanten letzter Schliff.

Und wenn ich’s auch nicht übertreibe,
geb oft ich meinen Unmut kund,
denn dieses Blatt, das ich beschreibe,
ich nehm’s weiß Gott nicht vor den Mund.

So weit ein paar von den Maximen,
die grad mir durch den Schädel schwirrn.
Sie mögen nur als Anhalt dienen,
ich will Sie schließlich nicht verwirrn.

Vor allem möcht ich auch vermeiden
ein Übermaß an Theorie.
Sie solln ja das Ergebnis leiden
und nicht das ganze Was und Wie.

Sie sehn, wie sehr mir dran gelegen,
dass ich Sie fester an mich bind.
Man muss ja seine Leser pflegen,
grad wenn es nur ein Dutzend sind.

Ich finde also Ihr Interesse?
Besuchen Sie mich im Büro!
Nein, besser bei der Hausadresse –
St. Georg. Steindamm sowieso.

 

Trautes Heim

Trautes HeimWie für die finsteren Fassaden
als Außenlicht zur Nacht bestimmt,
aus himmelweiten Nebelschwaden
ein müder Mond herüberglimmt.

Doch zöge jetzt auf wilder Heide
noch heimatlos ein Wandersmann,
wär bald ihm dieses Licht zu Leide,
das niemals er erreichen kann.

Zum Glück hock ich in meiner Kammer,
wo heiß ein Kerzchen sich verzehrt,
in die ich schon, o Freud und Jammer,
vor dreißig Jahren eingekehrt!

Mir gegenüber diese Mauern
hab düster ich und hell erlebt,
doch ständig auf der Stelle kauern,
korallenhaft da festgeklebt.

Und Weine führe ich zur Kehle
seit je von erd’ger Trockenheit,
die mir der Spindel treue Seele
vom Korken-Zerberus befreit.

Die Heizung summt genauso lange
beharrlich schon ihr Wiegenlied
da über dieser Kupferschlange,
die schimmernd ihr zu Füßen kniet.

Und alle Möbel, Apparate,
die hilfreich um mich her gestellt,
sie stehn seit jenem Tag mir Pate,
da einzog ich in diese Welt.

Ein Ort, an dem man angekommen.
Zu dem kein Licht mehr führen muss.
Nichts liegt im Dunkeln, schwarz, verschwommen.
Zuhause bis zum Überdruss.

Ja, und ich wage gar zu denken,
dass übers hohe Firmament
allabendlich die Sterne schwenken
ihr Feuer, wie man’s ewig kennt.

Wie Kühe friedlich auf der Weide,
von Fliegenwölkchen nur umschwirrt.
O wie den Wandrer ich beneide,
des Herz jetzt pochend heimwärts irrt!

 

Unrentierlich

UnrentierlichDass man als Rentner kürzer trete,
als Muss nahm ich es immer hin –
wie sehr indes man kappt die Knete,
weiß erst ich, seit ich’s selber bin.

Der Fiskus, dies gefräß’ge Wesen,
das selbst an blanken Knochen nagt,
er hat mir ohne Federlesen
‘nen dicken Brocken abgejagt.

Und dass ihm’s fehle nie am Fraße,
gleich mit ‘ner Fristenübersicht:
„In dem blabla etcet’ra Maße
ergibt sich Ihre Zahlungspflicht.“

Kann man die Frage mir verdenken:
„Womit verdien ich dieses ‘Glück’?“
Bevor es galt, mich zu beschränken,
kriegt ich vom Staat noch was zurück!

Doch jetzt, da dürft’ger ich mich nähre
vom Ehrensold der Schaffenszeit,
kommt so ein Schnarchsack mit der Schere
und schnippelt dran per Amtsbescheid.

Das heißt die Armen ärmer machen.
Was ja weiß Gott kein Zufall ist:
Fürs Rentenkürzen und so Sachen
ist unser Staat ja Spezialist.

Er lässt die Gürtel enger schnallen
entsprechend seiner Schuldenlast –
indes die Gürtel nicht von allen:
nur die, die eh schon eng gefasst.

Drum müssen die die Bürde tragen,
die sowieso gebeugt schon gehn
und mühsam sich durchs Leben schlagen,
ohne je einmal Land zu sehn.

Doch denen, die es dicke haben,
macht unser Fiskus keinen Dampf:
Vom Krösus auch noch Sondergaben –
das wär, o Gott, ja Klassenkampf!

(Klar, dass zu schröpfen seinesgleichen
es ‘nem Politiker nicht passt:
gehört er selbst doch zu den Reichen
und sägt nicht gern am eignen Ast.

Und auch das Sprichwort von den Krähen
trifft hier den Nagel auf den Kopf:
Die als Elite sich verstehen,
sie pinkeln stets in einen Topf.)

Na gut. Ich will mal überschlagen,
was mir am Ende noch so bleibt.
Oha, ich kann von Glück noch sagen,
dass es ins Elend mich nicht treibt!

Komm grade so über die Runden,
wenn hier und da ich üb Verzicht –
und zähl doch nicht zu ‘n armen Hunden
in dieser breiten Rentnerschicht.

Die aber wen’ger kriegen,
wie fülln sie ihren Bauch?
Der Staat lässt links sie liegen
und die Gesellschaft auch.

Sie hausen in der Kälte
‘ner mitleidlosen Welt,
beziehen eher Schelte
als was sie brauchen: Geld.

Stattdessen gute Elfen:
Minister-Ehefraun,
die wohltätlich da helfen,
wo ihre Gatten klaun.

Alle Zeit der Welt

Alle Zeit der WeltNa, nun mal raus aus der Matratze,
aus deinem weichen Rentnerpfühl!
Die Uhr zeigt neun schon, und ich ratze
wie’n Kleriker im Chorgestühl.

So ist das mit ‘ner Pfründe eben:
Du bist von jeder Pflicht entblößt
und kriegst die Mittel doch zum Leben,
ob du nun wach bist oder döst.

Jetzt kannst du dir die Faulheit leisten,
da dich der Fiskus zwangsernährt –
nicht als ‘nen Arbeitsscheuen, dreisten,
nein, weil du dich im Dienst bewährt.

Nach ungezählten harten Jahren,
die an ‘nem Schreibtisch du verschwitzt,
gilt’s nun die Euros einzufahren,
die man im Sessel sich ersitzt.

Ist es ein Wunder, dass die Muße
nach Strich und Faden man genießt?
Steht man denn nicht auf gutem Fuße
mit einer Zeit, die zäher fließt?

Nicht in den prasselnden Kaskaden,
in denen sie ab Montag rann,
ins „Wochen-Bett“ sich zu entladen,
als ich noch übern Akten sann?

Und aus dem Wirbel der Gezeiten,
der jeden Arbeitstag berennt,
mich ein paar Stunden nur befreiten
am heiß ersehnten Wochenend?

Doch wenn ich’s ehrlich überdenke
und objektiv Vergleiche zieh:
Die Zeit spinnt immer ihre Ränke
und bricht sich selbst gern übers Knie.

Ob ich im Kissen sie verschlafe,
ob wachend im Büro ich weil –
als Vorgeschmack der Todesstrafe
schwingt stets sie ihr Sekundenbeil.

Und ohne jemals Luft zu holen
und dass sie je ermüdet wär,
stürmt vorwärts sie auf Gummisohlen,
beständig hinterm Leben her.

Wie dieser Furie begegnen?
Geschlossnen Lids sie ignoriern,
dass ihre Sprünge, die verwegnen,
in tiefen Träumen sich verliern?

Ach, lieber anders sich entscheiden:
Der Zeit nicht aus dem Wege gehen.
Denn täglich länger an ihr leiden
heißt länger auch ins Aug’ ihr sehn.

Schneegeschnupper

SchneegeschnupperMit Flocken, wässerig und träge,
der erste Schnee in diesem Jahr.
So rasch indes er fiel und rege:
Kaum Spuren auf dem Trottoir.

Er flog in aufgeregten Schauern,
vom Wind wie Federvieh gescheucht,
nichts aber haftet an den Mauern
in Wattebäuschen frostig-feucht.

Und um die Dächer, die Fassaden,
was für ein wüster Schleiertanz –
doch von den wirbelnden Kaskaden,
kaum blieb davon ein nasser Glanz.

Als wär’s ein weißer Ascheregen,
von einem Krater ausgespien,
so schlug er auf auf allen Wegen,
nur um wie Rauch sich zu verziehn.

Was war’s, was ihn so rasch besiegte?
Kam da ein Heißsporn reingeschneit,
der plötzlich kalte Füße kriegte
vor seiner eignen Dreistigkeit?

Ich glaub, die Lage zu erkunden,
hat kurz der Winter reingeschaut
und hat’s wohl noch zu warm empfunden,
dass gleich er wieder weggetaut.

Er wird sich wieder blicken lassen,
der Bursche ist bekanntlich zäh.
Dann weh uns: wiederum in Massen,
doch wellend, weißend, würgend: Schnee!

 

Vor dem Sturm

Vor dem SturmNoch liegt die Stadt im schönsten Frieden,
an dem nicht mal ein Lüftchen nagt,
und weiß nicht, was ihr gleich beschieden,
denn Sturm ist angesagt.

Schon hörte mehrmals ich die Schüsse
als Warnung dumpf vom Hafen her,
dass der Nordwest jetzt in die Flüsse
entfesselt peitscht das Meer.

Vertäut die Schiffe und die Schuten!
Und alles aus der Gegend raus,
die flach genug, zu überfluten,
ersäufend Mann und Maus!

Und schließt die Fenster und die Türen,
dass sie an Böen nicht zerschelln,
die Salz als Treibgut mit sich führen
und hohl wie Geister gelln!

Noch liegt die Stadt im schönsten Frieden,
doch glaubt mir, dieser Schein, er trügt:
Durchs Marschenland der Hesperiden
Okeanos sich pflügt!

Und wälzt, sich auf- und niederbäumend
wie ein Reptil in blinder Wut,
das Maul von Gift und Galle schäumend,
hammoniawärts die Flut.

Ich aber bleibe unerschrocken,
hock ich doch sicher auf der Geest,
in jedem Falle hoch und trocken,
wie stürmisch es auch bläst.

Der trockne Riesling, den ich trinke,
soll mir ein gutes Omen sein,
dass, wenn ich wirklich denn versinke,
in Fluten nur von Wein.

Im Zeitenfluss

Im ZeitenflussSoll ich den Wechsel etwa feiern?
Dezember heißt es nun, na und?
Muss drum ich aus den Rippen leiern
mit ‘nen gereimten Rosenbund?

‘n Distelstrauß, der passte besser
für Chronos mit dem Zifferblatt,
der als gewalt’ger Stundenfresser
ein ausgemachter Nimmersatt.

Schon wieder gierig aufgeschlungen
‘nen Monat meiner Galgenfrist,
der zwar wie Donner nicht geklungen,
indes auch so mir heilig ist.

Ein Schmählied sollte ich wohl dichten,
doch ich beherrsch nicht dies Metier:
Wie könnt ich über andre richten,
da ich mich selbst als Sünder seh?

In Demut will ich nur beklagen,
was aller Erdenwesen Los:
dass schon mit abgezählten Tagen
der Countdown läuft im Mutterschoß.

Was immer wir im Dasein treiben,
es ist ein Wettlauf mit der Zeit,
bei dem wir niemals Sieger bleiben
im Lorbeer der Unsterblichkeit.

(Obwohl die Menschen meist agieren,
als hätt’s mit Sterben keine Not,
und sich für Dinge engagieren,
die sinnlos werden mit dem Tod.)

Dezember. Fangt schon an zu zählen
der Jahrestage dürft’gen Rest –
versüßt nur durchs Orangenschälen
und Nüsseknacken rund ums Fest.

Wenn wir ein Weilchen noch verschnaufen
und uns ein Friede überkommt,
wie er bei Krippen nur und Raufen
dem Ochsen und dem Esel frommt.

Und unterm Tannenbaum wir sitzen,
der würzig in die Nase sticht,
indes die bunten Kugeln blitzen
mit Wangen voller Kerzenlicht.

Doch hinterrücks mit Riesenschritten
prescht der Silvester schon heran,
dieweil auf seinem Rentierschlitten
nach Hause saust der Weihnachtsmann.

Wie kann man bloß willkommen heißen
in langer, ausgelass’ner Nacht
mit Jauchzern, die am Himmel gleißen,
was uns nur wieder älter macht?

Viel eher müsst mit schwarzem Wagen
‘nen Trauerzug man inszeniern,
das alte Jahr zu Grabe tragen
und heiße Tränen drum verliern.

Ich hab dem Rummel abgeschworen
ich weiß nicht wann vor Jahr und Tag,
verstopf mir jedesmal die Ohren
um Mitternacht beim Glockenschlag.

Und leere einen guten Becher,
wie’s bei Beerdigungen Brauch –
ein seltsam zwiegespaltner Zecher:
besinnlich, ja – doch heiter auch!

Ankunft vollzogen

Ankunft vollzogenDie Kerze, die mir heut zur Seite,
erhebt sich rot aus dem Geäst
von Blättchen, deren schmale Spreite
in mildem Gold sie glänzen lässt.

Und Schatten tanzen an den Wänden
im Rhythmus, wie sich’s Flämmchen rührt,
als wär’s ein Spieler, der mit Händen
an Fäden seine Puppen führt.

Geräusche müsste man erfinden,
so still ist’s um das Haus bestellt:
zum Beispiel, wenn beim Kränzebinden
mal knisternd eine Nadel fällt.

Die Straße, die sich unten breitet:
ein Asphaltband, verwaist und leer –
kein Fuß, der’s klappernd noch beschreitet,
kein Rad bekreist es felgenschwer.

Der Himmel über den Konturen
gibt auch sich grade nicht beredt;
auf seinen schweigend schwarzen Fluren,
wie einsam da die Venus steht!

Als ob’s Kalendertürchen wären,
entbunden ihrer Schweigepflicht,
sieht man in den Fassaden schwären
manch dottergelbes Stubenlicht.

Gehüllt in einen leichten Schleier,
die Stadt schon halbwegs schlafen ging,
da ich mit meiner Musenleier
dies kleine Wiegenlied ihr sing.

Die Stille hat noch zugenommen.
Wie lautlos selbst das Wachs verbrennt!
So ist er wieder angekommen:
Man hört ihn förmlich – den Advent.