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Schlussbild

SchlussbildDen ganzen Tag hat es gegossen,
als ob es nie mehr enden wollt;
so wie aus Kübeln ist’s geflossen,
in Wellen übern Rand gerollt.

Die Güsse schlugen auf das Pflaster,
Fontänen spritzend übern Stein,
und fielen doch nicht durch das Raster
der Fugen in die Erde rein.

‘ne Handbreit Wasser hatte immer
man unter seinem Lederkiel –
und über Stunden keinen Schimmer,
wann dieser Pegel endlich fiel.

Wer dächte da an Sommerfrische,
ein Sonnenbad mit Meeresblick?
Vereinsamt die Tavernen-Tische,
die Pfützen darauf fingerdick.

Und dann der Blitz aus heitrem Himmel:
Die Wolkendecke jäh zerriss
und aus dem wüsten Dunstgewimmel
sich der Azur ins Freie biss.

Ein schmaler, schmächtiger Geselle,
der sich indes nicht lang besann
und Breite sich erwarb und Helle,
bis er den ganzen Raum gewann.

Da traute sich der Schreiber dieses
(ich lass mal den Beamten raus)
aus seiner Tiefe des Verlieses
doch noch ins Licht der Welt hinaus.

Das war in dem Fall ‘ne Terrasse,
vom Regen noch ganz blank und rein –
in meine offne Kaffeetasse
ergoss sich nun der Sonnenschein.

Und auch der grad noch ausgeschlossen,
der Blick auf eine blaue See,
ich hab besonders ihn genossen,
weil ich auf Unverhofftes steh.

Vor allem aber, weil er heute
zum letzten Mal für lange Zeit
mich mit dem schönen Flair erfreute
der Anmut und der Heiterkeit.

Vertreibung aus dem Paradiese
für morgen Abend fest gebucht:
Ein Kerl, der auf der Wolkenwiese
das Weite Richtung Norden sucht.

Salz und Souvenir

Las SalinasDas Bröckchen kommt mir ständig zu Gesichte,
es liegt ja zünftig auf dem Küchentisch.
Wollt ihr sie hören, Freunde, die Geschichte?
In Ordnung, weiter mit dem Wisch!

Erinnert euch, dass ich mit Engelszungen
vom Urlaub mal im Herbst euch vorgeschwärmt:
“Reibt rau der Atem sich schon in den Lungen,
dann in die Sonne, wo sie wärmt!“

Das war im letzten Jahr erst, im Oktober,
ein kühler Sommer regenreich zerrann.
Im Laub der alte Wettstreit Gelb – Zinnober,
der gar bei Feuchte Glanz gewann.

Da griff ich mir, wie‘s heute heißt, ’nen Flieger
und ließ zu diesen Inseln mich kutschiern,
wo die Teutonen heute noch als Krieger
beim Trinken Kampfkraft demonstriern.

Mallorca, diese Walstatt ist Legende!
Und dann, kurz vor der Landung, da, Es Pla!
So weit, so eben liegt es, dies Gelände,
das Mühlentuch zum Greifen nah!

Ich will mich in Details nicht groß verlieren.
Nur so viel: dass ich mehr als Sonne fand.
Auch einen Christus übers Leid sinnieren,
gesehen von Murillos Hand.

Glyzinien, die in wogenden Kaskaden
den lila Gischt der frischen Blütenzier
von Giebeln stürzen ließen und Fassaden
als duftig-fließendes Spalier.

In luft’ger Höhe über flachen Fluren
die Blicke ohne Halt und Horizont
herab von Hügeln, die auf steilen Spuren
nur zickzack man erklimmen konnt.

Und tief in Täler eingestreute Städte,
Gelegen gleich in ihrem warmen Nest,
wenn auch die Sonne dort, zumal die späte,
als Schatten sich nur blicken lässt.

Und nicht zuletzt auch, Eingangstor zum Meere,
die seichte brackig-grüne Wüstenei –
Salinen, dass die Woge sich entleere
und sich von Bitternis befrei.

Zu Haufen aufgetürmtes Salz in Massen
wie anderswo die Kohle, wie der Sand,
kompakter nur und rauer anzufassen,
glitt man darüber mit der Hand.

Und weiß wie Schnee, der, eben erst gefallen,
vom Schmutz der Welt noch völlig unberührt,
millionenfach mit glitzernden Kristallen
die Glut vereister Kräfte schürt.

Da hab ein Stückchen ich herausgebrochen,
so winzig, dass es kaum ins Auge fiel,
und dran geleckt, getastet und gerochen,
entdeckerfreudig infantil.

Gab es als Salz sich klar auch zu erkennen,
noch unzerkörnt zur bess’ren Löslichkeit,
mocht’s auf der Zunge doch nicht brennen
so typisch, dass man’s von sich speit.

Mit milder Würze hat es sich empfohlen,
mit einer Prise auch von Wind und Tang,
wie eine Meeresfrucht, die einzuholen
man in der Wogen Seele drang.

Nun wisst ihr, wie die Dinge sich ergeben.
Da liegt es nun, das krude Souvenir.
Ach, könnt ich öfter solche Schätze heben,
als sie zu schildern auf Papier!

Es Pla. Es Trenc. Glyzinienwogen,
ein Christus, klaglos, leidgebeugt.
Und Dörfer, übern Hang gezogen,
der frühe Schatten säugt.

Auf jähen Kuppen Klostermauern.
Ein Adler, schwebend, überm Kliff.
Verstaubte Städtchen, die versauern,
des Gottverlassnen Inbegriff.

Cala Estany: Wellen pressen
sich durch das enge Felsentor.
Und dann der Sturm da, unvergessen,
wie Gischt zum Himmel schoss empor!

In diesem Klümpchen Salz gefangen,
wie ein Insekt im Bernstein ruht:
Opak, von vagem Weiß verhangen,
die Insel als Geschenk der Flut!

Zimmerkaktus

KaktusFast hätt ich meinen Cereus übersehen,
weil ich so in Gedanken war.
Ich bin zwar nicht versessen auf Kakteen,
doch lieb ich dieses eine Exemplar.

Heut ist der Tag, ein wenig ihn zu tränken
– nicht Kanne braucht’s dazu und Krug -,
nur ein, zwei Tropfen gilt es ihm zu schenken,
für eine Woche ist ihm das genug.

Wie haust genügsam er da und bescheiden
in seines Töpfchens Winzigkeit!
Bleibt ihm doch, sie zum Leben zu beweiden,
ein bisschen Erde nur, zwei Fingerbreit.

Asket ist er im großen Reich der Pflanzen,
verachtend, was Genuss gewährt,
da er, durchbohrt von tausend spitzen Lanzen,
sein Nagelbrett zu keiner Zeit entbehrt.

Wie anders doch als seine Zeitgenossen,
die sich mit weichen Blüten ziern
und die, gedüngt beständig und begossen,
nur allerbeste Böden akzeptiern!

Verzeih mir, dass ich beinah dich vergessen!
Wo ich doch häufig drauf verwies,
dass grade die, die edlen Sinn besessen,
man oft im Winkel wo verkümmern ließ!

Schläfrigkeit

SchläfrigkeitEs hat zu regnen angefangen.
Die Straßen glänzen feucht und glatt.
Der Himmel, tief und grau verhangen,
liegt unbeweglich auf der Stadt.

Indes bei milden Temp’raturen.
Das Thermometer zeigt auf zehn.
Ein Hauch von Frühling streift die Fluren;
schon glaubt die Knospen man zu sehn.

Ist drum der Winter abzuhaken?
Noch steht der Februar bevor,
in dessen frisch gestärkten Laken
manch frühe Hoffnung schon erfror.

Wie wenn den Regen wir befragen,
der stumm sich in die Nacht ergießt?
Er wird nichts anderes uns sagen
als philosophisch „Alles fließt“.

Da heißt es in Geduld sich üben.
Gewissheit kriegt man eh ja nie.
Das Wetter ist wie Kraut und Rüben:
Ein Fall der Chaostheorie.

Noch immer hör ich Regen rauschen.
Das geht wohl so die ganze Nacht.
Ich werd im Schlaf ihm weiterlauschen:
Schon schaukelt Morpheus mich ganz sacht!

Hintergrundgeräusche

HintergrundgeräuscheNennt dies man Eremitenleben,
wenn rings man nur die Vögel hört
und lautlos ihre Netze weben
die Spinnen, die kein Lüftchen stört?

Und wenn bisweilen nur ein Knistern
wie’n Funke in die Stille fällt,
sich hin und wieder zu verschwistern
mit einem Knacken wie bestellt?

Na ja, in diesem strengen Sinne,
da fehlt’s mir noch an Einsamkeit,
steck ich vom Knöchel bis zum Kinne
im Lärm, den mir der Nachbar leiht.

Nicht dass da ständig Töpfe scheppern
in kakofon’schem Blechgesang
noch jemand, Teller zu zerdeppern,
sich anschickt alle Naselang.

Auch die uns heut die Medien machen,
die stets beliebte Hausmusik,
hör ich in Tönen nur, in schwachen,
wo ich (im Klo!) den Sender krieg.

Nein, das was mir mit kaltem Schauer
periodisch fährt in Mark und Bein,
das ist, vergiss die dickste Mauer!,
ein Quietschen voll ins Ohr hinein.

Es ist, wie wenn ein Güterwagen
mit Eisenrädern, unbereift,
dem jäh die Bremsung aufgetragen,
ein Stück noch auf der Schiene schleift.

Doch will ich keinem unterstellen,
dass er zu Haus mit Loks rangiert –
in diesen wie in andren Fällen
ein Möbel diese imitiert!

Denn einem Stuhl, auf dem wir hocken,
wie auch ‘nem Tisch, der nicht zu schwer,
lässt leicht sich so ein Laut entlocken,
rückt man ihn rüde hin und her.

Und die Sensibelchen von Nerven
sind hierzulande so gestählt,
um eh’r sie aus dem Gleis zu werfen,
wenn es an solchen Reizen fehlt.

Doch ich, ein Fremdling, hergelaufen,
soll ich die Hiesigen bekehrn
und sie mit Alsterwasser taufen,
als ob sie’s nicht im Jordan wärn?

Bin nicht zum Missionar geboren
und schulde schließlich auch Respekt
dem Usus, der hier ausgegoren
und mir ein bisschen bitter schmeckt!

Kein Grund, den Platz hier zu vertauschen.
Die Nacht macht alles wieder gut:
Ich hör nur leis die Wellen rauschen,
das Flüstern der gewalt’gen Flut.

Bräunungsfaktor

BräunungsfaktorEin Sonnentag der ersten Güte,
wie er dem jungen Lenz gebührt,
der Kugeln schon (Akazienblüte!)
für seinen Sieg ins Feld geführt.

Die Hülsen seiner prallen Schüsse,
da liegen sie versprengt am Grund,
vergilbt, verschrumpelt wie die Nüsse,
doch nichts für den verwöhnten Mund.

Kein Kunststück, sich da auszumalen,
dass hier ein zäher Kampf getobt
und ihre Kräfte die Rivalen
bis hin zum Äußersten erprobt.

Dann der gewohnte Scherbenhaufen.
Wer überlebt, der triumphiert,
um mit der Krone Schau zu laufen,
die er beim nächsten Streit verliert.

Doch sachte, sachte. Stopp das Ganze
und mit der Spule mal zurück.
Den Frühling jetzt im Siegenkranze,
ja, noch nach links ein kleines Stück!

Nun sind wir wieder an der Stelle,
wo oben uns die Sonne schien
als kämpferische Wärmequelle,
die ihm den Lorbeer erst verliehn.

‘ne Schande wär es da gewesen,
hätt man zu Hause nur gehockt
und brav im Tageblatt gelesen,
was heute in der Welt verbockt,

Statt dass mit Hemd und offnem Kragen
man selber vor die Tür geschaut,
um schleichend Kapital zu schlagen
aus diesem Licht für Herz und Haut.

Gesagt, getan. Ich ging ‘ne Runde
dem Meer um seinen schaum’gen Bart,
dass mir der Pelz so nach ‘ner Stunde
gebräunt, getoastet und gegart.

Doch weit entfernt von diesem Grade
der pfannenhaften Knusprigkeit,
die einen Anstrich von Panade
des Hochseefischers Teint verleiht!

Ihr meint, ich müsst nicht richtig ticken
mit so ‘nem Bild von Konterfei?
Ich seh sie doch tagtäglich flicken
die Netze auf dem Platz am Kai!

Da kauern sie auf bloßer Erde,
egal, wie hoch die Sonne steht,
dass Masche, Masche fertig werde
ihr eingerolltes Fanggerät.

Und sind den violetten Kräften
genauso offen ausgesetzt
wie was man in den Grillgeschäften
so durch die Mikrowelle hetzt.

Genug. Ich muss die Kurve kriegen,
sonst läuft’s auf ‘ne Ballade raus –
und schleunigst lasse links ich liegen
das Netzwerk mit dem Ruch des Taus.

Mir kommt’s nicht wie manch‘ Zeitgenossen
nur deshalb auf die Sonne an,
weil auf der Jagd ich nach dem krossen
Gesichtsfleisch à la Lebemann.

Viel lieber gehe ich spazieren,
an der Natur mich zu erfreun.
Da mag’s bei Sonnenschein passieren,
dass ich so nebenher mich bräun.

Carpe diem

Carpe diemEin Tag, die schönste Gottesgabe,
indes nicht ohne Bitterkeit.
Am Morgen stolz empfangne Habe,
Gelump zur Abendzeit.

In aller Herrgottsfrüh geboren,
wirkt frisch er und voll Tatendrang.
Doch mittags geht sein Schwung verloren,
verpufft zum Abgesang.

Bald liegt er in den letzten Zügen,
Punkt zwölf dann Aus und Exitus.
Bewein ihn. Doch du musst dich fügen.
Die Zeit bleibt stets im Fluss.

Auf dieser Fahrt der Nacht entgegen,
auf der man nie sein Ziel verfehlt,
wen hätte, Hand an sich zu legen,
nicht schon der Wunsch beseelt?

Doch einen solchen Trip zu buchen,
das wäre wohl zu kühn gewagt.
Muss ich denn grad die Hölle suchen,
wenn Höllenfurcht mich plagt?

Heroisch ist es auszuharren,
wenn dich Verzweiflung übermannt.
Du nennst verfahrn den Weltenkarren?
Zieh selbst, davorgespannt!

Und wär’s in Nano nur zu messen,
dass du ihn aus dem Schlamm bewegst,
dein Leben hätte Sinn besessen,
wenn du zur Ruh dich legst.

Kein Jammern also und Theater,
wenn Voland auch die Sense wetzt.
Ich halt’s wie Fredmans Dichtervater:
Den Krug hoch bis zuletzt!

Ein Vivat fröhlich diesem Tage,
der sich, auch er, zu Ende neigt.
Gab er denn Anlass mir zur Klage?
Nur dass er geht und schweigt.

Im Schöpfungsplane fehlt „Verweilen“;
was sich bewegt, tut’s ohne Rast.
Befehl an Sterne: Eilen, eilen,
Befehl ans Dasein: Kurzgefasst!

Drum lass ich in den Becher fließen
den Wein, als ob ich Bellman wär,
die Stunden selig zu genießen
mit Liedern so wie er.

Kleine Staatslehre

Karneval der TiereDie Wandrung lang und voll Gefahren.
Doch jetzt genug herumgeirrt!
„Ein Glück, dass wir geduldig waren:
Dies Fleckchen hier das unsre wird!“

Genau geeignet scheint der Boden,
dass grade hier man Wurzeln schlägt
und sich mit baulichen Methoden
die Basis für ‘ne Bude legt.

Bald ist die Wohnung schon bezogen,
die man mit raschem Fleiß erschuf,
und jede Ecke, jeder Bogen
ein Lobeshymnus auf Vitruv.

Doch schützen auch die dicken Mauern
aus losem und gestampftem Dreck
vor Feinden, die genauso lauern
auf Beute hundert Meter weg?

„Solange die da existieren,
ist unsre Sicherheit bedroht.
Die beste Lösung: Liquidieren.
Es ist kein Platz in einem Boot“.

Nachdem man so den Krieg erfunden,
der später „präventiv“ genannt,
hat man die Mühe vieler Stunden
fürn Innenausbau aufgewandt

Wie pfiffig ging man da zu Werke:
Maß jedem seine Pflichten zu
nach seines Geists und Leibes Stärke,
dass willig er dieselben tu!

So ist es auch nicht ausgeblieben,
dass prächtig aufging diese Saat
und gut gedieh mit allen Trieben
bis hin zum ausgewachsnen Staat.

Nur Nektar und kein Wermutstropfen –
das Glück der Gründer schien perfekt.
Doch Mäuler warn auch viel zu stopfen,
was schließlich doch Probleme weckt.

Denn eines Tages, Jahre später,
als niemand Böses mehr gedacht,
hat’s wie ein Blitz aus blauem Äther
sie um den Unterhalt gebracht.

‘ne Dürre war hereingebrochen
und hatt‘ den letzten Halm versengt,
dass schmachtend durch die Gegend krochen,
die Frau Natur sonst reich beschenkt.

Doch haben sie verzweifeln müssen,
ihr letztes Sterbenswörtchen lalln?
I wo, nach eiligen Beschlüssen
ha’m sie die Nachbarn überfalln

Und alles ihnen aus den Kammern
nach dem bewährten Raubrezept
ganz ungerührt von Schrein und Jammern
samt Kind und Kegel weggeschleppt,

Dass dank sie der immensen Beute
vom Hungertod befreit miteins
und sich ihr Schurkenstaat erfreute
auch weiter wachsenden Gedeihns.

Bis irgendwann die Konkurrenten,
getrieben von der eignen Not,
sich kurz von ihrem Standort trennten,
um ihm zu rauben Brut und Brot.

Ad infinitum in Äonen
im Stile von Wildwest-Maniern –
ein steter Austausch blauer Bohnen,
bis alle an dem Fraß krepiern.

Von Ameisen ist hier die Rede
und ihrem kleinen, großen Reich –
und wie in Fleiß sie und in Fehde
dem Menschen so erschreckend gleich!

Palmenfreie Zone

Palmenfreie ZoneEntlang der Uferpromenade,
gleich einem langgestreckten Hain,
stehn sie wie Säulen, hoch und grade,
der Palmen dicht geschlossne Reihn.

Mal schaukeln sie verspielt im Winde,
mal träumen still sie vor sich hin,
dem Sittich lauschend, der geschwinde
sich müht, dass er sein Nest gewinn.

Und abends, wenn die Sonne scheidet
zur Dämmrung vor der Finsternis,
verklärt es sie, des Lichts entkleidet,
zum wundersamen Schattenriss.

Nur hinterm Haus hier um die Ecke,
wo es gewiss nicht wen’ger passt,
haben auf tausend Meter Strecke
sie irgendwie nicht Fuß gefasst.

Hier reicht der Strand bis an die Straße,
von der ein Mäuerchen ihn trennt,
das, hoch und breit in schlichtem Maße,
mehr Zier denn Schutz vorm Element.

Ist’s da gefährlicher zu hausen,
weil öfter da die Welle wühlt,
wenn aufgepeitscht vom Sturmesbrausen
den Sand sie salzig überspült?

Ein einz’ges Bäumchen, wie ich sehe,
füllt dürftig dieser Palmen Kluft –
im kargen Grund die Wurzelzehe,
den Scheitel in der Meeresluft.

Ob es im Ruf von Qualitäten
wie Zähigkeit und Härte steht?
Dem will ich hier nicht nähertreten,
weil’s um den Habitus mir geht.

Der Palme nicht mal bis zum Nabel
reicht unser strauchiges Gewächs
und widerlegt doch respektabel
die Öde dieses Küstenflecks.

Schon baumeln ihm die goldnen Blüten
gleich Bommeln aus dem krausen Haupt –
im Sonnenschein, als ob sie glühten
wie Lämpchen, die da angeschraubt.

Ein Hofnarr, der mit lust’gen Schellen
die bunte Kappe sich belädt –
so mag er in den Schatten stellen
der Höh’ren düstre Majestät!

Nächtliche Ruhestörung

Nächtliche RuhestörungWeit war die Nacht schon fortgeschritten
und tiefer Schlummer wiegte mich,
als sich von außen unbestritten
was Fremdes in die Träume schlich.

Von Zeit zu Zeit, in Intervallen,
die ungleichmäßig nur verteilt,
hört ich was Leichtes, Hohles hallen,
das nicht an seinem Platz verweilt.

Erst wollt ich’s weiter nicht beachten
und drehte ihm den Rücken zu –
um rasch zu spürn, dass auch die sachten
Geräusche störn, gehäuft, die Ruh.

An Schlaf war also nicht zu denken,
so wenig wie beim Wasserhahn,
der tropft und tropft, um nichts zu tränken
als unsern unstillbaren Wahn.

Vielleicht, so fuhr ich fort zu grübeln,
klingt’s rüber aus der Nachbarschaft
und niemand würd es mir verübeln,
hätt ich mich jetzt nicht aufgerafft.

Doch blieb es so auch in der Schwebe,
so auch ein Ärgernis zur Stund:
Am besten, dass ich mich erhebe
und geh der Sache auf den Grund.

Ich ging, dem Scheppern und dem Scharren
quer durch die Bude also nach,
um vorm Balkon jäh zu verharren,
weil da mir was ins Auge stach.

Ein Silberschimmer in der Ecke,
die sonst mit Schwarz zu glänzen pflegt,
entpuppte sich zu meinem Schrecke
als Plastikflasche, windbewegt.

So war der Störenfried gefunden
und der Verantwortliche auch –
ich, der die Buddel lasch verbunden
mit ihrem harten Heizungsschlauch.

Beschämt bin ich ins Bett gekrochen –
doch immerhin dadurch bestärkt,
dass die zu Recht auf Ruhe pochen,
die Nachbarn nichts davon gemerkt.

Es sei denn, sie ha’m stärkre Nerven
und liegen so ein Kullern aus,
statt sich ‘ne Jacke umzuwerfen –
und, puh, in diese Kälte raus!