Archiv der Kategorie: Natur

Kuschelweihnacht

Heiße WeihnachtHeut grüße aus dem schönen Süden
ich die verschnupfte Leserschar
mit einer meiner Vers-Etüden,
die Frühling atmen, Adebar.

Soll ihrem Ohre wohl bekommen
und ihrem nordischen Gemüt,
auf dass auch mir, dem Musenfrommen,
ein neues Mauerblümchen blüht.

Die Sonne frisst sich alle Tage
hier durch den saftigen Azur
und bringt ‘ne Masse auf die Waage
mit leicht erhöhter Temp’ratur.

Erst wenn der Abend angebrochen,
der letzte Schimmer sich verzehrt,
kommt jene Kälte angekrochen,
die dich auch hier das Fürchten lehrt.

Der goldnen Münze andre Seite.
Ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Heißt: Trotz der geograph’schen Breite
auch Wolle hier Furore macht.

Doch dies allein der Wahrheit wegen.
Tagsüber noch Spätsommerflair.
Und mit den reichen Lichterträgen
geht leichte Bräunung auch einher.

Dezember herrscht in diesen Landen,
die man sich weiß nicht denken kann.
Über den Straßen Lichtgirlanden –
mit Schlitten und mit Weihnachtsmann.

Ziemlich blauäugig

Ziemlich blauäugigGenetisch gleichen den Schimpansen
und psychisch wir den Wölfen mehr,
doch nennen Meier uns und Hansen
und tun uns mit den Tieren schwer.

Ja, schmeicheln uns, als Sonderposten
im Sortimente der Natur
von gleicher Lethe nicht zu kosten
wie Elefant und Totenuhr.

Nur weil die Schöpfung uns Gedanken
allmählich im Gehirn entfacht,
an denen wir doch eher kranken,
als dass sie je uns Glück gebracht.

Denn böse waren’s mehr als lichte,
die herrschten übern Menschengeist –
wie ’n Blick nur auf die Weltgeschichte
als blut’ge Wahrheit es erweist.

Um des geringsten Vorteils willen
schlug man sich schon die Birne ein,
und niemals war die Gier zu stillen
nach Reichtum, Macht und Hudelei‘n.

Auch darin glich man noch dem Tiere,
dass aufgeplustert wie zur Balz
man sich in dieser Horrorschmiere
geschmückt vom Hintern bis zum Hals.

In Samt und Seide die Prälaten,
in Purpur, was sich König nennt,
das heißt ein Aufzug von Primaten,
wie ihn nur diese Bühne kennt.

Und alle flitzten wie die Irren
stets um das goldne Kalb herum,
um es vor ihren Karrn zu schirren
als Zugpferd für ihr Gaudium.

Man gab sich fromm. Doch nicht in Taten.
Da stach man ab nach Herzenslust
und ließ das Fleisch im Feuer braten –
die Helden- wie die Hühnerbrust.

Erst kurz vorm unseligen Ende
man in das Horn des Friedens stieß,
gab Hab und Gut in Pfaffenhände
als Schmiergeld für das Paradies.

Abstruser kann man wohl nicht denken
in eitler Selbstgefälligkeit,
als einen Krümel Dreck zu schenken
dem Schöpfergott von Raum und Zeit.

Und so ‘nen Lohn sich zu erhoffen,
der alles Ird’sche übersteigt –
das Tor zum ew’gen Leben offen,
die Todesfuge ausgegeigt.

Die Wahrheit ohne Lobgehudel:
Der Mensch, wenn er nicht angeleint,
ist bissig wie der Wolf im Rudel
und gegen den gestellten Feind.

Er ist ein Teil des Stirb und Werde,
da beißt die Maus kein’n Faden ab.
Und sicher auch der Herr der Erde –
für seine achtzig Jahre knapp.

Mehr Schildwachen

Mehr Schildwachen„Mit saubren Füßen nur betreten!“
und „Vorsicht. Stete Keimgefahr!“ –
die Schilder hätt ich mir erbeten,
wann immer ich am Strande war.

Im Gegensatz zum Badebecken,
in das man abgeduscht nur steigt,
darf man die Käsequanten stecken
in jede Bucht, die höflich schweigt.

Wahrscheinlich weil noch schlimmre Übel
dem mordsgeduld’gen Meer passiern:
der Frachter stinknormale Kübel,
das Altöl, das sie gern verliern.

Kein Freibrief für die Bädegäste.
Missachtet nicht die weite See!
Nicht einmal durch die schäb’gen Reste
von Schweißgeruch am großen Zeh.

Und dass man sich nicht täuschen lasse
von ihrem schmuddeligen Grau:
Sie wiegt nicht Boot nur und Barkasse,
nein, auch die schöne Meerjungfrau.

Hier kleinlich an die Umwelt denken –
ist das nicht spießerhaft gedacht,
ein Kosmos nicht, uns neu zu schenken,
was immer wir kaputt gemacht?

Ja, könnten wir den Kosmos nutzen
beliebig als Ersatzquartier,
dann würden wir die Platte putzen
und ließen allen Unrat hier.

Wär gar nicht nötig aufzuräumen,
als Putzfrau hätt man die Natur,
die kommt mit Kräutern und mit Bäumen
und wuchert weg die Menschenspur.

Auf Erden. Doch die gleiche Chose
passiert dann eben anderswo,
denn immer geht was in die Hose,
wo Homo haust vergnügungsfroh.

Dies mag euch meine Sicht erhellen
auf diesen lehmgebornen Kloß –
es gilt ihm Schilder aufzustellen,
sonst treibt er’s weiter, uferlos.

Zur Dämmerstunde

Zur DämmerstundeSchon lag in ihren letzten Zügen
die Dämmrung über Meer und Land,
als ich zum Strandspaziervergnügen
die Rappen noch mal angespannt.

Ein Stück schon hatte ihre Scheibe
die Sonne in die See getaucht,
wobei sie noch aus vollem Leibe
Orange und Rosa ausgehaucht.

Die Wolken hatten sich verdichtet
zu einem riesenhaften Keil,
direkt aufs letzte Blau gerichtet,
dass er es brüderlich zerteil.

Kein Schiff mehr irgendwo zu sehen,
nur Flut, bewegt vom Wellenschlag,
um fern im Dunste aufzugehen,
der schwärzlich auf der Kimm noch lag.

Der Wind war hinter Schloss und Riegel,
was ungestörten Schlaf verhieß;
kaum kräuselt er den Meeresspiegel –
wie dass er in die Träume blies?

Da soll man nicht zufrieden werden,
wenn man’s Revue passieren lässt?
Die schönste Szenerie auf Erden
gleich hinter meinem Rentnernest!

Das wollt ich schnell noch niederschreiben.
Ihr sagt: Das übliche Gedröhn?
Ja, Wind und Wolken werden bleiben –
doch immer wieder anders schön.

So ein Sauwetter

So ein Sauwetter Den ganzen Tag zu Haus geblieben,
dem Wind und Regen sei’s geklagt,
die wie von Furien getrieben
die kleinste Pause sich versagt.

Es ist erst gar nicht hell geworden.
Die Sonne selber sich verkroch
vor diesen wüsten Wolkenhorden
in ihres Kosmos Rattenloch.

Mein Stübchen lag im Kirchendämmer,
so wie er schwache Herzen raubt –
als Hoffnung für die sünd’gen Lämmer,
geheimnisvoll und leicht verstaubt.

Und dann die Kälte: Aus dem Boden
stieg sie als Drachensaat empor,
beharrlich und nicht auszuroden,
es sei denn mit dem Heizungsrohr.

Die Lampe galt es anzuschalten,
wollt man nicht gänzlich Däumchen drehn:
ein Buch sich vor die Nase halten,
‘ne Nadel, um was anzunähn.

Ach, in den südlichen Gefilden,
in die‘s als Rentner mich verschlug,
gibt’s außer Stunden, süßen, milden,
auch grimmig-grässliche genug!

Wie sehr sie aber sich auch mühen
um wechselhafte Wetterkost,
in ihren Furchen selten blühen
die Winterblumen Eis und Frost.

 

Vor der Taverne

Vor der TaverneDen Blick aufs offne Meer gerichtet,
saß ich bequem im Korbgeflecht –
die Szene lieblich wie gedichtet,
real indes und lebensecht.

In Blau die Himmelsflur erblühte,
wo Lämmer grasten wollig weiß
und, dass sie diese gut behüte,
die Sonne stand in ihrem Kreis.

Und wohlig wiegten sich die Wellen
in ihrem aufgeheizten Bad
und sprühten Funken, zu erhellen
ihr nasses Kleid zum Sonntagsstaat.

Ein Segler draußen trieb noch träge
auf den verträumten Fluten hin.
Kein Motor, keine Ruderschläge,
nur Strömung für den Raumgewinn.

Die ersten Vögelchen schon flogen
zum Schlummer ins vertraute Nest,
das in der Palme Blätterbogen
sich wunderbar verbergen lässt.

Die Beine weit gestreckt vom Leibe
und tief in das Gestühl gesackt,
genoss ich meine Rentnerbleibe
wie dieses Dämmers letzten Akt.

Die Sonne sollte darin spielen
den größten, eindrucksvollsten Part –
aufs Herz des Horizonts zu zielen,
dass er verblute rosig-zart.

Wie gründlich ist das schiefgegangen!
Bevor zur Tat sie schreiten konnt,
wurd schwarz sie von Gewölk verhangen –
die Rettung für den Horizont.

Ich hab mein Tässchen ausgetrunken
und auf den Heimweg mich gemacht.
Da war die Sonne schon versunken,
und Sterne glühten in der Nacht.

Ein stürmischer Tag

Ein stürmischer TagMan hatte Angst davonzufliegen,
so wütend tobte heut der Wind,
Südwest, der aus dem Meer gestiegen,
für Landidylle taub und blind!

Zu Berge türmte er die Wogen
und trieb sie heulend vor sich her,
dass sie sich krümmten und sich bogen,
am Strand zerplatzend tonnenschwer.

Und wie vor Wut sie selber schäumten,
dass sie den Hieben ausgesetzt,
und rings das breite Ufer säumten
mit Spitzenhäubchen, die zerfetzt.

Ein Kunststück war‘s, nach Haus zu bringen
den Beutel, der im Winde schwang
und der mit seinen tausend Dingen
ans Bein schlug alle naselang.

Spätabends hörte ich noch rütteln
am Tor den ungebetnen Gast –
wie’n Trupp von aufgebrachten Bütteln,
der hitzig an die Klinke fasst.

Es scheint, er hat selbst ausgeblasen
das gläserne Laternenlicht,
das ab und zu in kürzren Phasen
ersichtlich auf dem Posten nicht.

Die Nacht ist ruhiger verlaufen.
Gestillt des Sturms gewalt’ge Gier.
Nur hin und wieder noch ein Schnaufen.
Dann aber eher wohl von mir.

Fischregatta

FischregattaWie von ‘nem Startblock losgelassen,
den heulenden Boliden gleich,
schossen auf ihrem Kurs, dem nassen,
die Dampfer über Neptuns Reich.

Und alle einem Ziel entgegen,
das irgendwo im Osten lag,
wie ein Verband des Krieges wegen
sich sputet, dass er Schlachten schlag.

Fürn Feind indes in diesem Falle
kann man Geschütze sich ersparn –
es fängt Sardine, Hecht und Qualle
sich schon mit bloßem Seemannsgarn.

Die Quote scheint sich ja zu lohnen,
da macht wohl jeder seinen Schnitt,
sind erst erreicht die Positionen
nach dem furiosen Wellenritt.

Rasch ausgebracht noch an der Stelle,
wo heute Floss‘ an Flosse steht,
das Netz, dem sicher die Sardelle
als erste in die Maschen geht.

Dann wie die Kühe auf der Weide
geduldig grasen in der Flut –
gemeinsam, dass nicht einer neide
dem anderen sein Beutegut.

So füllt man innerhalb von Stunden
den Bauch mit Meeresrohkost an,
bis man sich schließlich satt gefunden
und wieder heimwärts ziehen kann.

Wie sie zurück von See gekommen,
das weiß ich ja nun leider nicht.
Doch ahn ich immerhin verschwommen,
was für die letzte Strophe spricht.

Als Schwarm sind sie ja ausgelaufen
fürn fetten Fang als seltnes Glück.
Den wolln sie möglichst rasch verkaufen –
und schwärmen zur Auktion zurück!

Schöne Aussichten

Schöne AussichtenZerplatzt wie eine Seifenblase
der Wunsch, dass man nur einfach sitzt
und für die Blässe um die Nase
Frau Sonne etwas Rouge stibitzt.

Geschlossen leider die Terrasse,
auf die wir dafür fest gebaut
und wo wir von der Kaffeetasse
auf Bucht und Berge oft geschaut.

Der eine da, der „Dicke Brocken“,
der kantig in die Fluten fällt,
versteht’s speziell, den Blick zu locken,
der gern sich an Markantes hält.

Nun gut, wir lassen ihn da stehen
als Muskelprotz und Kraftpaket,
um neuerlich auf Pirsch zu gehen
nach der erhofften Lichtdiät.

Wie dass man an der „Sonnenküste“
dies nicht im Nu zustande brächt?
Längst ging der Tag noch nicht zur Rüste,
und auch El Morche ist nicht schlecht.

Lokal am Strand. Des Meeres Weite
im flachen Atem seiner Welln.
Nicht draufgeblickt. Mehr von der Seite.
Wie schrill die Möwenschreie gelln!

Da gab es Sonne noch und nöcher,
wenn ich’s so plump mal sagen darf.
Die schoss aus ihrem Strahlenköcher
noch mindestens zwei Stunden scharf.

Am Ende doch zu viel des Guten.
Die Pfeile warn miteins verbraucht,
und innerhalb von zwei Minuten
verblich der Stern, in Blut getaucht.

 

Maritime Geisterstunde

Maritime GeisterstundeDas Meer ganz ruhig, kaum gekräuselt
und grau, so weit das Auge reicht.
Nicht das geringste Lüftchen säuselt.
Halb sieben, und der Tag verbleicht.

Paar schmuddelige Wolkenstreifen
verharren noch am Horizont,
durch die mit Rosenfingern greifen
die letzten Himmel, die besonnt.

Im trüben Licht der Dämmerstunde
liegt geisterhaft der Weg am Strand,
und Schweigen wie aus einem Munde
haucht dumpf aus jeder Häuserwand.

Ich schlurfte auf der Promenade
zum nächsten Supermarkt dahin
auf dem gewohnten Schlemmerpfade
mit sehr viel Meer als Zugewinn.

Ich füllte meinen Einkaufswagen,
so dass sein Boden grad bedeckt,
um noch bequem nach Haus zu tragen,
was immer da im Beutel steckt.

Und wie ich mich so heimwärts mühte
mit dem gewebten Henkelmann,
ein Auge jäh zyklopisch glühte
von See her mich gespenstisch an.

Es hat mich bis zur Tür begleitet,
dies luziferische Gesicht.
Ein Schiff gewiss, das Licht verbreitet.
Doch sicher bin ich mir da nicht.